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Hörbuch des Monats
September 2009
Für und mit Peter
Rühmkorf: Zwischen Freund Hein und Freund Heine
Dies Hörbuch ist eine
akustische Wunderlampe. Sie glüht vor Liebe und Bewunderung für diesen
großen Dichter, sie glüht in allen Farben und sie glüht immer aufs Schönste.
Ob alte Schulfreunde, Nachbarinnen, die Cousine oder Eva Rühmkorf, die
Ehefrau; ob vertraute Kollegen wie Günter Grass, Jürgen Manthey oder
Klaus Rainer Röhl; ob die Ko-Artisten in dieser lyrischen Zirkuskuppel:
die Jazzmusiker Michael Naura, Wolfgang Schlüter, Karola Perry aus
diesem wunderbaren Mosaik von Stimmen und Klängen strahlt uns das Porträt
dieses Dichters in seinen vielfältigen Facetten entgegen: der gelehrte
Kenner Walter von der Vogelweides ebenso wie der entzückte Sammler von
Kinderreimen und Abzählversen, der elegante Essayist und politisch immer
unbequeme Zeitgenosse, der verliebte Poet und schnoddrige Straßensänger,
der launige Gesprächspartner und der melancholische Grübler und alle
diese Seiten ergänzen sich zu der Gestalt eines Autors, der in allen Höhen
und Tiefen seines Lebens, trotz Geldsorgen und Hypochondrie, immer auch
ein Lebensspieler geblieben ist, voller Ironie, Leichtigkeit und
Heiterkeit.
Nein, es gibt keinen in der
deutschen Literaturgeschichte, den man ihm zur Seite stellen könnte.
Nicht Heine, nicht Kleist, nicht Benn, die er so unterschiedlich sie
waren liebte und lobte. Er war ein Solitär als Dichter und er war ein
Solitär als Vortragskünstler. Aus allen seinen lyrischen Perioden sind
die Beispiele versammelt, vom 18 jährigen Stürmer und Dränger bis zum
78 jährigen melancholisch-heiteren Beobachter, der noch angesichts des
Todes von Resignation nichts spüren lässt, sondern Form bewahrt und
seine letzten Besucher, zwar geschwächt und auf der Couch liegend, doch
in Anzug und mit launiger Rede empfängt. Er war ein Artist im höchsten
und besten Sinne des Wortes, ein Hochseilartist des Worts, wie er selber
sagte, und ein Artist der Stimme, die in Ton und Duktus immer
unverkennbar doch den zartesten Empfindungen
und ausgelassenen Stimmungen, den aggressivsten Gedanken und
ironischen Selbstvergewisserungen einen eigenen und immer stimmigen
Ausdruck geben konnte. Dies auch bei schnellstem Wechsel der Töne, bei
radikalen Gefühls- und Gedanken-Schnitten. Wie er selbst die besten
Sprecher in dieser Kunst weit hinter sich läßt, lehrt der Vergleich mit
den wenigen poetischen Texten, die er nicht selber vorgetragen hat.
Daß ein solcher Virtuose
von Rhythmus, Reim und Stimme zum kongenialen Partner musikalischer
Artistik wird, versteht sich von selbst, und es ist der Jazz mit seinen
abrupten Wechseln, mal harten, mal sanften Rhythmen und seinem
geschmeidigen Improvisationsvermögen, der für Rühmkorf zum besten und
reichsten Teilhaber seiner Aufführungskunst wird. Das Jazz-Kapitel gehört
zu dem schönsten des Hörbuchs, das in chronologischer Folge die
wichtigsten Themen seiner fast 8 Jahrzehnte währenden
Lebens-Reise-Geschichte verfolgt. Charlotte Drews-Bernstein, die diese
akustische Einführung in Leben und Werk zusammengestellt hat, ist
selber ein wahres Kunststück gelungen. Für alle, die Rühmkorf lieben,
ist dieses Hörbuch ein wunderbares Geschenk; die, die ihn noch nicht oder
nur oberflächlich kennen, werden ihn damit lieben lernen.
Für und mit Peter
Rühmkorf - Zwischen Freund Hein und Freund Heine - Eine Einführung in
Leben und Werk von Charlotte Drews-Bernstein. Hoffmann und Campe
Hörbücher. 2009 3CDs.
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