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Hörbuch des Monats November 2001
Klaus
Löwitsch:
Offenbarung
und Untergang - Fühmanns Kontroverse mit Trakl
Auch ihm war, wie dem so
geistesverwandten Heinrich von Kleist, auf Erden nicht zu helfen. Georg
Trakl erlebte sein, ja das ganze menschliche Dasein als eine
langandauernde Katastrophe, aus der nur die Dichtung zeitweise Rettung
verhieß, ein Eiland, das auch schnell wieder von der Flut der reißenden
Zeit überschwemmt wurde. Franz Fühmann, einer der wenigen DDR-Dichter,
die überdauern werden, hat im Zusammenstoß mit Leben und Lyrik Georg
Trakls den eigenen poetischen Sinn entdeckt und zugleich den ideologischen
Sumpf trockengelegt, dessen Opfer er vor und nach 1945 auf jeweils
entgegengesetzte Weise geworden war. Das Protokoll seines verzweifelten
Bildungsromans mit Georg Trakl hat Fühmann 1982, zwei Jahre vor seinem frühen
Tod, in der Bundesrepublik unter dem Titel Der Sturz des Engels
publiziert.
Das Buch wurde viel
gelobt, erschien mit einem Nachwort Uwe Kolbes vor einem Jahr
nochmals, ging aber in der Flut der üblichen Neuerscheinungen unter. Jetzt
hat es Klaus Löwitsch aufgenommen und ihm eine kongeniale Stimme
verliehen, die zwischen Sarkasmus und Aufruhr, Ironie und Verzweiflung,
Sachlichkeit und Zartheit, wie einer komplizierten Partitur folgend,
wechselt. Da verwandelt sich Tonlosigkeit in Melancholie, und das
Schweigen wirkt erschütternder als der expressionistiche Ausbruch. Der
Wechsel der Töne kann dabei so abrupt geschehen wie langsam, fast
schleichend, eine schier unerschöpfliche Vielstimmigkeit, in der die
Musikalität der Trakl-Verse, Fühmanns schwierige Selbstfindung und die
fassungslose Bezauberung des Interpreten Klaus Löwitsch eine kaum noch zu
steigernde intensive Verbindung eingehen. Die Musik-Einsprengungen von
Markus Stockhausen akzentuieren das heillose Geschehen, historisieren
nicht, lenken nicht ab, sondern wirken wie ein eigenes konzentrierendes
Echo der Dichtung.
Klaus Löwitsch:
Offenbarung und Untergang - Fühmanns Kontroverse mit Trakl.
AktivraumVerlag Köln, November 2001, ISBN 3-934753-05-1.
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Jurymitglieder:
Prof. Dr. Gert Ueding, Prof. Dr. Joachim Knape, Peter
Weit, Boris Kositzke, Olaf Kramer
Webmaster:
Olaf
Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik,
Universität Tübingen, Stand: 27.11.01
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