Seminar für

Allgemeine Rhetorik

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Projekte: Virtuelles Rhetoriklehrbuch

Vorwort   Was ist Rhetorik?   Theorie und Geschichte   Redepraxis und Redeanalyse

 

Vorwort

von Prof. Dr. Gert Ueding

 

Im Wintersemester 2000/2001 hat das Seminar für Allgemeine Rhetorik fünf Veranstaltungen zum Thema "Rhetorik in der Schule" angeboten. In zwei Hauptseminaren beschäftigten sich im Studium schon fortgeschrittene Studenten mit der Konzeption eines Rhetorik-Lehrbuchs für die Schule sowie dem Entwurf eines Lehrplanes für Rhetorik der Klassen 5 bis 13, der durchaus mit einigen Modifikationen auch im Rahmen des bestehenden Deutschunterrichts verwirklicht werden kann.

 

Die Ergebnisse dieser beiden Seminare können trotz ihrer Vorläufigkeit einige Bedürfnisse der gegenwärtigen schulischen Realität erfüllen. Denn solche Bedürfnisse gibt es, und sie wachsen ständig. Die mangelnde sprachliche und rednerische Kompetenz der Schulabgänger ist seit Jahrzehnten ein kulturpolitisches Dauerthema, und in immer mehr Kultusministerien beginnt es sich herumzusprechen, daß hier eine rhetorische Ausbildung wirksam Abhilfe schaffen könnte. Doch die Tradition dieses Lehrfachs an den deutschen Schulen ist im 19. Jahrhundert abgebrochen, rhetorische Bildung verschüttet, und auch auf den Universitäten hat die Forschung erst wieder in den sechziger, siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen. So kommt es, daß die Reformversuche, wo sie überhaupt in Angriff genommen wurden, höchst mangelhaft sind, in der Regel nur eine Schwundstufe der Rhetorik berücksichtigen ("Freie Rede") und mit gänzlich fehlerhaften Systematiken, Terminologien und Übungsvorschlägen arbeiten. Das gilt gerade auch für Länder wie Thüringen, Bayern oder Baden-Württemberg, in denen die Versuche, Rhetorik wieder im Schulunterricht der Gymnasien zu verankern, besonders weit fortgeschritten sind - unter Umgehung aller Vorgaben, die die Rhetorik in ihrer mehr als zweitausendjährigen Geschichte entwickelt hat. So finden sich Anfängerfehler wie die Verwechslung oder Identifizierung verschiedener Arbeitsstadien, die Präsentationsrhetorik wird von ihren rhetorischen Grundlagen gelöst (oder diese werden vielmehr gar nicht erkannt), die Aufsatzlehre, seit Quintilian rhetorische Domäne im europäischen Ausbildungssystem, wird in die Ansätze der rhetorischen Curricula erst gar nicht integriert. Derart könnte man fortfahren. Auch der Einfall, die Rhetorik auf eine Art Propädeutikum wissenschaftlichen Arbeitens zu beschränken, wie das in den "Seminarkurs" genannten Versuchsreihen in Baden-Württemberg geschieht, verschenkt die Möglichkeiten des Faches, bleibt inkonsistent, in sich widersprüchlich und fehlerhaft. (Siehe dazu auch: "Rhetorik - Ein internationales Jahrbuch", Band 17: "Rhetorik in der Schule", hg. v. A. Merger, Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1998.)

 

Unsere Dokumentation soll Lehrern eine fachlich sichere und didaktisch ausgearbeitete Hilfe anbieten. Wobei zu dem "Lehrbuch"-Projekt zu bemerken ist, daß im Rahmen eines Seminars kein neues Lehrwerk erarbeitet werden konnte. Doch haben die Teilnehmer die halbwegs diskutablen Lehrbücher für die rednerische Ausbildung, Unterrichtshilfen oder Deutschbücher mit rhetorischen Schwerpunkten ermittelt, die tauglichen Kapitel ausgewählt, in eine rhetorisch richtige und didaktisch zweckmäßige Ordnung gebracht und mit kurzen Vorworten versehen, die (auch begriffliche) Korrekturen enthalten und den Inhalt des jeweiligen Kapitels zusammenfassen. Auf diese Einführungen folgen die bibliographischen Angaben, so daß sich jeder Benutzer mit ein wenig Mühe und unter Zuhilfenahme des bibliothekarischen Leihverkehrs sein Lehrbuch selber zusammenstellen kann. Das ist natürlich nur ein Notbehelf, denn auch manche der ausgewählten Kapitel entsprechen den fachlichen Anforderungen bloß teilweise. So lange, bis sich ein Verlag entschließt, in die Entwicklung eines wirklich angemessenen Rhetorik-Lehrbuchs für die Schule zu investieren, mag aber dieses hier vorgestellte virtuelle Lehrbuch wenigstens den dringendsten Bedürfnissen Abhilfe schaffen.

 

 

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Webmaster: Olaf Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik, Universität Tübingen, Stand: 03.09.01