Seminar für

Allgemeine Rhetorik

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Projekte: Virtuelles Rhetoriklehrbuch

Vorwort   Was ist Rhetorik?   Theorie und Geschichte   Redepraxis und Redeanalyse: Meinungsrede

 

Meinungsrede

 

 

"Wie sage ich, was ich meine?" könnte die grundlegende Frage jeder Meinungsrede lauten. Zum wahren Kern dringt man jedoch erst vor, wenn man diese Frage um den Aspekt der Wirkung erweitert (vgl. auch Wirkungsfunktionen und Überzeugungsmittel): Die Meinungsrede ist handlungsorientiert und kein bloßes Statement; sie zeigt Mißstände auf (Was war? Was ist?) und fragt nach Verbesserungen. Sie zielt auf die Änderung aktueller Zustände, um schließlich appellativ mit der Aufforderung zur Tat und sei es nur zur gedanklichen zu enden: Was können und was müssen wir tun? (Lemmermann). Der Redner stützt sich dabei auf Sachargumente, aber auch auf handlungsauslösende Gefühlsargumente. Als einer komprimierten Form der Rede liegt bei der Meinungsrede zudem besonderes Gewicht auf einem stimulierenden körperlichen Vortrag (vgl. Gora. S.14).

 

Aufbau der Meinungsrede

 

Der Aufbau der Meinungsrede folgt der Dreiteilung in 

  • Einleitung  

  • Hauptteil  

  • Schluß.

Der Hauptteil wird dabei häufig von von drei oder fünf Argumenten getragen.

 

Beispiel: 

  • Einleitung: situativer Einstieg

  • Hauptteil:

Argument 1 - Argument 2 - Argument 3 // Argument 4 - Argument 5

  • Schluß: situativer Ziel-/Endpunkt

 

Elemente der Meinungsrede

 

Verbreitet sind kurze formelhafte Hinweise zur Gestaltung der einzelnen Teile der Rede (vgl. auch  Redeaufbau):

  • Interesse wecken

  • Kerngedanken nennen

  • Vorschläge begründen

  • Vorteile aufzeigen

  • Zum Handeln auffordern (situativer Ziel-/Endpunkt)

Auch die "AIDA-Formel" (Aufmerksamkeit Interesse Definition der Grundgedanken Abschluß), eine Ableitung der Lewisschen Werbeformel: attention interest desire action, kann als Aufbau-Beschreibung genommen werden. Der Fünfsatz als Minimalform der Rede wird bei Geißner (1968) und Lemmermann (1962) ausführlich behandelt.

 

 

Literaturangaben:

  • Geißner, Hellmut: Rhetorik.

darin: Geißner: Der Fünfsatz. Ein Kapitel Redetheorie und Redepädagogik. In: Wirkendes Wort. Jg. 18, 1968, 4 S. 258 - 278.

Neben einer ausführlichen Fünfsatz-Abhandlung bietet Geißner auch Aufgabenvorschläge zu den verschiedenen Strukturmodellen in bestimmten Situationen.

darin: Kurka, Eduard: Zur Anregung und Pflege des Sprechdenkablaufs als Voraussetzung für die freie Rede. In: Wiss. Zs. der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sprachwiss. Reihe, Jg. V, 1956, 3, S. 453 - 460.

Übungen zum reproduzierenden Sprechdenken (Nacherzählung, Sprechdenken nach Stichwortzettel in verschiedenen Situationen, Bildbeschreibung, Lichtbildreihen, Reportagen) als Grundlage.

  • Gora, Stephan: Grundkurs Rhetorik. Eine Hinführung zum freien Sprechen. Stuttgart 1992. S. 37 ff.

Erläuterungen und Übungsvorschläge zu Rede- und Argumentationsanlässen in der Schule. Analyse einer Abiturientenrede.

 

  • Lemmermann, Heinz: Lehrbuch der Rhetorik. Landsberg am Lech 1962.

Lemmermann liefert einen gelungenen Grundriß für  Meinungsreden:

Einleitung: Warum spreche ich? Was ist der Anlaß?

Hauptteil: wie sind die Zustände? (was war?, was ist?); was müßte stattdessen sein?; wie können die herrschenden Zustände geändert werden? 

Schluß: enthält die Aufforderung zur Tat, den vom Redner gewiesenen Weg zu gehen und so die Zustände zu ändern: Was können, was müssen wir tun?

  • Ulrich Häussermann u. Piepho, Hans-Eberhard: Aufgaben-Handbuch. Deutsch als Fremdsprache. Abriß einer Aufgaben- und Übungstypologie. 1992. S. 365 ff.

Übungs- und Themenvorschläge zur Argumentation.

 

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Webmaster: Olaf Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik, Universität Tübingen, Stand: 03.09.01