Seminar für

Allgemeine Rhetorik

Home
 
Was ist Rhetorik?
 
Rhetorik-Studium
Vorlesungsverzeichnis
Lehrende
 
Projekte
Rhetorik multimedial
 
Rede des Jahres
Hörbuch des Monats
 
Rhetorik im Internet
 
Kontakt
 
 

 

Projekte: Virtuelles Rhetoriklehrbuch

Vorwort   Was ist Rhetorik?   Theorie und Geschichte: Redeaufbau   Redepraxis und Redeanalyse

 

Redeaufbau

 

 

 

Die Redeteile (partes orationis) bilden einen Schwerpunkt systematischer rhetorischer Theoriebildung. Bei den Redeteilen unterscheidet man:

  • Einleitung (exordium)

  • Darlegung des Sachverhalts (narratio)

  • Beweisführung und Argumentation (argumentatio)

  • Schluß der Rede (peroratio).

Der Übergang von einem Redeteil zum anderen wird transitus oder transgressio genannt, die Kunst der transgressiones ist zwischen allen Redeteilen anzuwenden; sie verhindert das Auseinanderfallen in selbständige Teile.

 

Bedeutung des exordiums

 

Besonders der Anfang einer Rede entscheidet häufig über den Erfolg, somit kommt dem exordium eine besonders wichtige Rolle zu. Es gilt, die erste Hürde zur Überzeugung des Zuhörers zu nehmen. Entweder erregt man die Aufmerksamkeit der Adressaten (attentum parare), erweckt deren Gelehrigkeit oder erlangt ihr Wohlwollen (captatio benevolentiae).

 

Narratio

 

Die parteiliche Schilderung des Sachverhalts ist die zum Überzeugen nützliche Darstellung eines tatsächlichen oder scheinbar tatsächlichen Vorgangs (Quintilian). Sie stellt die Quelle der ganzen übrigen Rede dar und kann, zum Nutzen der eigenen Partei, durchaus mit Mitteln wie Auslassung und Modellierung arbeiten. Kürze (brevitas), Klarheit (perspecuitas), Deutlichkeit (puritas) und Glaubhaftigkeit sind die Tugenden der Erzählung (narrandi virtutes).

 

Argumentatio

 

Der wichtigste Teil der Rede ist die Beweisführung (argumentatio). Vorbereitet durch Einleitung und Erzählung, wird nun die Streitfrage gemäß dem eigenen Parteiinteresse formuliert und beantwortet. Die Beantwortung muß, um die Glaubwürdigkeit des eigenen Standpunktes zu betonen und die Zuhörer von ihm zu überzeugen, stichhaltig und beweiskräftig sein; dafür bedient sie sich der Zeichen (signa), Beweise (argumenta) und Beispiele (exempla). Der Schwerpunkt der Beweisführung liegt in der Belehrung, emotionale Überzeugungsmittel sind aber keinesfalls unzulässig. Falldarstellung und Argumentation können auch ineinander verschränkt werden.

 

Peroratio

 

Der Schlußteil der Rede (peroratio) hat einen doppelten Zweck: eine Aufgabe des Redners besteht darin, die Tatsachen und Gesichtspunkte der Rede zusammenzufassen, um sie dem Gedächtnis des Hörers einzuprägen; die andere Aufgabe ist es, den Gedankengang der Rede in treffenden Sentenzen [zu]zuspitzen (Cicero), um durch Gefühlswirkung den Hörer vollends für den vertretenen Standpunkt zu gewinnen.

 

 

Literaturhinweise:

  • Ueding, Gert/Steinbrink, Bernd: Grundriß der Rhetorik. Geschichte Technik Methode. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart/Weimar 1994. S. 258 S. 274.

  • Ueding, Gert: Klassische Rhetorik. München 1996. S. 72 S. 74.

 

weiter zu:


Webmaster: Olaf Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik, Universität Tübingen, Stand: 03.09.01