Rhetorik
in der Polis
Der
Ursprung der Polis liegt etwa im 6. Jh. v. Chr., sie entsteht nach dem Ende der Tyrannis und zeichnet sich durch
eine
bürgerlichdemokratische Verfassung aus. Zugleich bezeichnet der Begriff
Polis eine politische Gemeinschaft, die es vom einzelnen abverlangt,
sich zu beteiligen und das System zu schützen. Die Polis gilt als heilig.
So heilig, daß selbst Götter vor das Gericht der Polis zitiert werden.
Im 4. Jh. v. Chr. verfällt die Polis allmählich. Sie wird zur
politischen Zweckgemeinschaft und zum Schauplatz von Interessen-, Macht-
und Parteikämpfen.
Das
politische und juristische System der Polis ist untrennbar mit der
Rhetorik verbunden, die in ihr zu höchster Blüte kommt. Durch
die Einführung der politischen und juristischen Partizipation des Volkes
(Rat der 500, Volksversammlungen, Volksgerichte) bekommt jeder erwachsene
männliche Bürger das Recht, an Beratungen teilzunehmen und über jede
Frage, die das Gemeinwesen betrifft, mitzuentscheiden. Da Urteile jedoch
aufgrund des gesunden Menschenverstandes und nicht aufgrund einer
juristischen Ausbildung der Richter oder der Politiker gefällt werden,
gewinnt die Rede und damit auch die Rhetorik zunehmend an Bedeutung. Es
gibt keine Anwälte. Jeder muß sich vor Gericht selbst verteidigen. Wie
wichtig hierbei die Qualität der Rede ist, zeigt sich daran, daß die
Rhetoren und Redenschreiber zu den reichsten und angesehensten Bürgern in
der Polis zählen.
Literaturhinweise:
Sehr
gute Auseinandersetzung mit dem Staatssystem der Polis einerseits und dem
Streit zwischen Sophisten und Philosophen andererseits; etwas zu ausführlich.
Recht
ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte der frühen Rhetorik.
Gibt sehr guten Überblick, geht allerdings nur am Rande auf die besondere
Bedeutung der Rhetorik im griechischen Staatssystem ein.
Überblick
über die wichtigsten Sophisten und deren Wirken in der Polis.
Ausführliche
Darstellung des griechischen Staatssystems. Auf die besondere Bedeutung
der Rhetorik wird hier jedoch nur am Rande eingegangen.
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