Rhetorische Grundprinzipien
(virtutes)
Der
vir bonus
Schon
die antiken Rhetoriker (Platon, Quintilian) waren sich einig, daß ein
guter Redner ein Mann von tadelloser Sittlichkeit sein müsse, der
zugleich auch reden könne: ein Ehrenmann, der reden kann (Marcus Cato) (vir
bonus, dicendi peritus). Nach Quintilian wird die Rede nur von einem vir
bonus wirklich beherrscht: nur wer selbst überzeugt ist, überzeuge
auch andere, während den Schlechten sogar die Verstellung mißglücke
(Quint. 12, 1, 3f.).
Doch
nicht
nur Tugenden des Redners sind ausschlaggebend für eine gute Rede, sondern
auch die Tugenden der Rede selbst. Die narratio (Erzählung) stellt die
Quelle der ganzen übrigen Reden dar (s. Cic. de or. 2,330) und besteht
ursprünglich aus der parteilichen Schilderung eines Sachverhaltes.
Trennung
von res und verba
Innerhalb
der rhetorischen Systematik findet eine didaktische Trennung von res
(Gedanken) und verba (Formulierung) statt; dabei fällt dem Bereich der
verba die sprachliche Darstellung der Gedanken zu. Die antike Rhetorik
(Cicero) unterscheidet bei der sprachlichen Darstellung zwei Aspekte.
-
zum einen einzelne Tugenden (virtutes elocutionis) und
Stilqualitäten der Rede, wozu puritas (Sprachrichtigkeit), perspicuitas
(Klarheit), ornatus (Schmuck) und das aptum (Angemessenheit) gehören.
-
zum
anderen die Stilgattungen (genera dicendi), d. h. die
sprachlichen Charakteristika, die einen Text insgesamt prägen.
Institutio
Oratoria (Quintillian)
Marcus
Fabius Quintilianus schreibt mit der Institutio Oratoria das
wichtigste rhetorische Lehrbuch der europäischen Geschichte. Auch heute,
nach fast 2000 Jahren, ist sein Werk noch immer aktuell. Es bietet durch
seine übersichtliche Gliederung schnellen Zugriff zu den erwünschten
Themen und beschäftigt sich nicht nur mit den rhetorischen
Grundprinzipien ausführlich, sondern auch mit allen anderen rhetorisch
bedürfsamen Themen.
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