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Allgemeine Rhetorik

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Projekte: Virtuelles Rhetoriklehrbuch

Vorwort   Was ist Rhetorik?   Theorie und Geschichte: Imitatio   Redepraxis und Redeanalyse

 

Imitatio (Nachahmung)

 

 

Wenn ein existierendes Kunstwerk dem Künstler oder Redner als Modell zur Nachahmung dient, spricht man von imitatio. In der Antike wurden nachahmenswerte Musterreden im Studium als Beispiel für die Theorie herangezogen. Die Schüler mußten sie auswendig lernen und analysieren, um sich daran in ihrer eigenen rhetorischen Praxis zu orientieren.  Insofern bezeichnet imitatio ein zentrales rhetorisches Übungsprinzip (exercitatio). Die rhetorische imitatio ist dabei von der mimesis zu trennen, die die Nachahmung von Natur/Wirklichkeit im Kunstwerk meint. 

 

Als nachahmenswerte Beispiele (exempla) dienen dem auszubildenden Redner die von seinem Lehrer empfohlenen bzw. verfaßten Muster. Aufgabe der imitatio ist es, dem jeweiligen Vorbild im Reden gleichzukommen, es womöglich gar zu übertreffen (dann spricht man von aemulatio). Bei Cicero galt es, sich dem Ideal des perfekten Redners (perfectus orator) anzunähern und ihn als Leitbild nachzuahmen. 

 

Die Renaissance ist die Blütezeit der imitatio. Dort galt es, nicht nur die Wortkunst, sondern auch die Bildende Kunst der Antike wieder aufleben zu lassen. Die Renaissance kann man geradezu als Wiedergeburt der Antike durch überbietende imitatio (aemulatio) definieren. 

In der Geschichte der imitatio bildet das 18. Jahrhundert den entscheidenden Einschnitt. Die lern- und lehrbare Dichtkunst wird vom schöpferisch-autonomen Genie abgelöst. Damit wird die Nachahmung fragwürdig. 

 

 

Literaturhinweise:

  • De Rentiis, D., Kaminski, N.: Imitatio. In: Ueding, Gert (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 4. Tübingen 1998. Sp. 235 - 303.

Imitatio und das griechische Pendant mimesis werden im Kontext der deutschen Erzähltheorie in folgendem Werk verdeutlicht: Wehrli, Beatrice: Imitatio und Mimesis in der Geschichte der deutschen Erzähltheorie.

 

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Webmaster: Olaf Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik, Universität Tübingen, Stand: 03.09.01