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Edition des 'Spiegels der wahren
Rhetorik' von Friedrich Riederer (1493)
Über das Werk
Unter den ersten
rhetoriktheoretischen Werken Deutschlands nimmt Friedrich Riederers
Spiegel der wahren Rhetorik vom Jahre 1493 eine herausragende Rolle
ein. Ehrgeiziges Ziel des humanistisch gebildeten Freiburger
Kanzlisten und Buchdruckers Riederer (ca. 1450 ca. 1510) war es, nicht
weniger als das gesamte, für ihn erreichbare Wissen zur Rhetorik in einer
Summe zu verarbeiten und es denjenigen in gedruckter Form und in deutscher
Sprache zur Verfügung zu stellen, die in Theorie oder Praxis mit Fragen
der Kommunikations- und Vertextungskompetenz konfrontiert waren: Studenten
und Lehrende der Universität, politische Funktionsträger der Stadt
Freiburg, Kleriker sowie (angehende) Kanzlisten und Schreiber.
Im Ergebnis finden
wir ein äußerst originelles Werk in frühneuhochdeutscher Sprache, das
die Leistung vollbringt, die antike Rhetoriktradition mit
mittelalterlichen und humanistischen Theoriequellen zu verknüpfen, auf diese Weise eine allgemeine Rhetoriktheorie zu
entwerfen, die auch mit einer Kanzlei- und Notariatsrhetorik zu verbunden
ist. Riederers Spiegel der wahren Rhetorik ist damit ein Werk, das
seinesgleichen selbst im lateinisch-humanistischen Kontext Deutschlands
des 15. und 16. Jahrhunderts sucht. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde
Riederers Spiegel rezipiert. Johann Christoph Gottsched stellt in
seiner Ausführlichen Redekunst von 1736 fest, seines Erachtens sei
Friedrich Riederer derjenige, der die erste deutsche Rhetorik verfasst
habe.
Sowohl unter
rhetorikhistorischem als auch allgemein wissenschaftsgeschichtlichem
Aspekt stellt Riederers Werk damit ein besonders wichtiges Zeugnis früher
text- und kommunikationsbezogener Theoriebildung dar.
Über
das Projekt
Dieses von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft finanzierte Projekt möchte Riederers Werk
wissenschaftlich erschließen und neuerlich sowohl für die germanistische
Forschung als auch für die historische Kommunikations- und
Rhetorikforschung verfügbar machen.
Zu diesem Zweck sollen eine Edition der gesamten Schrift und ein Kommentar
erarbeitet werden. Editionsgrundlage ist dabei der von Riederer selbst
verantwortete und eigenhändig gedruckte Text der Editio princeps von
1493. Darüber hinaus wird ein Kommentar in Form einer erläuternden
Gesamtinterpretation erstellt, um die einzelnen Quellenschichten des
Spiegels der wahren Rhetorik freizulegen sowie Riederers eigenständige
Verarbeitungsweisen und die im Ergebnis dadurch entstandenen theoretischen
Auffassungen verständlich zu machen. Insgesamt soll der Kommentar dem
modernen Leser die heute nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbaren
Theoriebesonderheiten dieses bedeutenden Werks rhetorischer
Theoriegeschichte erschließen. |
Projektleiter:
Prof.
Dr. Joachim Knape
Wiss.
Mitarbeiterin:
Stefanie
Luppold, M.A.
Studentische
Mitarbeiter:
Joscha
Graw
Timo
Neumann
Fabian
Ruth
Publikation:
Friedrich
Riederer: Spiegel der wahren Rhetorik (1493). Hrsg. von Joachim Knape und
Stefanie Luppold. Wiesbaden 2009 (=Gratia 45).
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