|
DFG-Projekt
Televisuelles Überzeugen.
Fernsehjournalistische
Strategien am Beispiel der Berichterstattung zum Irakkrieg 2003
Das Medium Fernsehen ist aus rhetorischer Sicht deswegen
besonders interessant, weil es Weltgeschehen live übertragen und den
Zuschauern televisuell direkt vor Augen führen kann. Vorzugsweise im
Nachrichtenbereich wird dieses Potential von den Fernsehmachern eifrig
eingesetzt selbst wenn es eigentlich nichts zu berichten gibt. Gerade
die Fernsehberichterstattung zum Irakkrieg 2003 hat die Abhängigkeit der
Fernsehmacher von allen Formen fernsehspezifischer Visualität deutlich
gemacht. Als ein Krieg der Bilder und Krieg um Bilder (Gerhard Paul)
hat er die Annahme, gerade das Televisuelle erzeuge die Glaubwürdigkeit
der Nachrichten, gründlich in Frage gestellt.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die
Fernsehberichterstattung von US-amerikanischen und deutschen Sendern
hinsichtlich der Frage, wie die Sender als professionelle
Nachrichten-Oratoren dennoch Glaubwürdigkeit zu erzeugen versuchten. Dies
geschah auf televisuellem Wege in erster Linie über die strategische
Inszenierung eines differenzierten journalistischen Ethos (der
rhetoriktheoretische Terminus für Image), also im aristotelischen Sinne
über die Zurschaustellung von Seriosität, Kompetenz und Wohlgesonnenheit
durch die Benachrichtigungsinstanz. Dieses Ethos wurde einerseits in Form
von Kennspots, Corporate-Design-Elementen und den Auftritten der
Moderatoren und Korrespondenten explizit reklamiert, andererseits jedoch
auch über die verschiedenen Textsorten der televisuellen Benachrichtigung
implizit realisiert. Insbesondere die Spannungen, die sich zwischen
Ethos-Anspruch und -Wirklichkeit auftun, dienen dabei einer generellen
Vermessung des Televisuellen und seines rhetorischen Potentials im
Fernsehen.
Kontakt:
anne.ulrich@uni-tuebingen.de |
Projektleiter:
Prof.
Dr. Joachim Knape
Wissenschaftliche
Mitarbeiterin:
Anne
Ulrich, M. A.
Studentische
Mitarbeiter:
Stefanie Hausner
Sebastian König
Sarah Weltecke
|