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REDE DES JAHRES 2011 Jean
Ziegler: Der
Aufstand des Gewissens
Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der
Universität Tübingen zeichnet in diesem Jahr eine Rede aus, die nicht
gehalten wurde, aber dennoch eine große öffentliche Wirkung entfaltet
hat. Es handelt sich um die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele, die
der Soziologe und Globalisierungskritiker Jean Ziegler dort am 20. Juli
2011 gehalten hätte, wäre er nicht wieder ausgeladen worden. Die dennoch
niedergeschriebene und veröffentlichte Rede ist eine unverblümte Anklage
der Großbankiers und Konzern-Mogule und ein
leidenschaftliches Plädoyer für den Kampf gegen die weltweite
Hungersnot.
Die
wörtlich wie sprichwörtlich ungehaltene Rede unterläuft wie viele
große Reden die Konventionen: An die Stelle einer festlichen, höchstens
an manchen Stellen ein wenig nachdenklichen oder mahnenden Wohlfühlrede,
wie sie oft genug gehalten wird, setzt Ziegler einen aufrüttelnden
Appell, ja, eine Provokation. Ganz ohne Umschweife beginnt er mit dem
Satz: Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind, der dann weitergeführt
wird zur ungewohnt deutlichen These: Ein Kind, das an Hunger stirbt,
wird ermordet. Die dramatische Lage verdeutlicht der ehemalige
UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung anhand zahlreicher
Beispiele aus Ostafrika. Gerade die sachliche, aber keineswegs
emotionslose Schilderung der verschiedenen Stadien des Hungertods
unterstreicht die Dringlichkeit des Appells und verdeutlicht zugleich das
leidenschaftliche Engagement des Redners selbst.
Jean
Ziegler macht Großkonzerne und andere gewissenlose Akteure des
Finanzkapitalismus für die weltweite Hungersnot verantwortlich und hätte
damit auch einen Teil des Festpublikums in Salzburg gezielt angeklagt. Als
einen Ausweg zeichnet er die bewegende Macht der Kunst an die Wand, die
auch die dickste Betondecke des Egoismus durchdringe. Daraus
resultierend fordert Jean Ziegler mit einer langen Reminiszenz an Bertolt
Brechts Mutter Courage einen Aufstand
des Gewissens.
Das
Salzburger Festpublikum hat diese Rede nicht gehört, dafür hat sie in
schriftlicher Form ein weitaus größeres Publikum gefunden. Innovativ ist
zudem die im Nachhinein vorgenommene Performanz der Rede für das
Internetportal YouTube, die eine große Resonanz fand und somit auch auf
diesem Wege dem leider immer aktuellen, doch viel zu oft von vermeintlich
wichtigeren Themen verdrängten Problem des Hungers in der Welt zu breiter
Aufmerksamkeit verholfen hat.
Stellungnahmen
in der Presse:
Prof.
Dr. Joachim Knape im SWR
Dr.
Anne Ulrich im Deutschlandradio
Kontakt:
Dr.
Anne Ulrich,
Seminar für Allgemeine
Rhetorik, Universität Tübingen, Wilhelmstraße 50, 72074 Tübingen. Telefon
0 70 71 / 29 7 85 23 oder 29 7 84 31 (Sekretariat). Fax 0 70 71/29 42 58.
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