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Allgemeine Rhetorik

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Vorlesungsverzeichnisarchiv:

Archivübersicht   Übersicht WS 2002/2003

Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis

Wintersemester 2002/2003

 

 

Vorlesung

Prof. Dr. Joachim Knape: Geschichte der Textrhetorik

2st., 4 Punkte, Di 11-13, Beginn: 22.10.2002, Raum 037

Seit der Antike gibt es eine bestimmte rhetorische Theorietradition, die sich speziell auf Prinzipien, Praktiken, Strukturierungsregeln und Muster der Verfertigung sprachlicher Texte bezieht. In der Vorlesung werden die wichtigsten Werke dieser Tradition bis zum 20. Jahrhundert vorgestellt.

 

Proseminare

Peter Weit: Einführung in das Studium der Rhetorik

2st., 8 Punkte, Gruppe 1: Mi 14-16, Beginn: 16.10.2002, Raum 406

2st., 8 Punkte, Gruppe 2: Mi 16-18, Beginn: 16.10.2002, Raum 030

Das Seminar konzentriert sich auf drei Schwerpunkte:

1.     Einführung in das Studium: Darstellung der Inhalte des Faches Rhetorik, Erläuterungen zum Studienplan.

2.     Techniken und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens.

3.     Einführung in die Rhetorik: Geschichte der Rhetorik, Behandlung ausgewählter Schwerpunkte der rhetorischen Forschung (u. a. antike Rhetorik; rhetorische Terminologie; rhetorische Textanalyse; Redegattungen, z. B. po­litische Rede, Festrede); Rhetorik im 20. Jahrhundert; körperliche Beredsamkeit.

Die Veranstaltung ist ausschließlich für Studienanfänger im Fach Allgemeine Rhetorik vorgesehen und auf deren Bedürfnisse abgestimmt.

 

Prof. Dr. Joachim Knape / Nils Becker: Strategietheorien

2st., 8 Punkte, Di 18-20, Beginn: 22.10.2002, Raum wird noch bekanntgegeben

Rhetorische Kommunikation läßt sich als strategische Kommunikation verstehen. Was aber heißt eigentlich "Strategie", und was bedeutet es genau, strategisch zu handeln und zu kommunizieren? Die Klärung dieser Frage wird im Mittelpunkt des Proseminars stehen. Ausgehend von einschlägigen Passagen im berühmten Werk "Vom Kriege" des Militärphilosophen Carl von Clausewitz, der als Urvater der Strategietheorie gilt, wollen wir die wichtigsten Stationen der Theoriereflexion zum Strategiebegriff nachzeichnen. Weitere einflußreiche Ansätze und Konzepte finden sich in der mathematischen und ökonomischen Spiel- und Entscheidungstheorie, in der Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas, in der Sozialpsychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation und schließlich in der linguistischen Text- und Gesprächsforschung. Die einschlägige Literatur wird am Anfang des Semesters bekanntgegeben und ein Reader erstellt werden. Teilnahmebedingung ist Interesse an Fragen rhetorischer Theoriebildung und die Bereitschaft zur Übernahme eines Referates. Voraussetzung für den Scheinerwerb ist die schriftliche Ausarbeitung des Referates.

Am Ende dieses Seminars können die zur Zwischenprüfung erforderlichen
mündlichen und schriftlichen Teilprüfungen abgelegt werden.

 

Olaf Kramer: Einführung in die Aristotelische Rhetorik

2st., 8 Punkte, Mo 18-20, Beginn: 21.10.2002, Raum 406

Erscheint die Rhetorik in Platons "Gorgias" noch als zweifelhafte "Meisterin der Überredung", so liefert Aristoteles eine sachbezogene, rationale Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Rhetorik. Aristoteles "Rhetorik" ist ein Grundbuch unserer Disziplin geworden und bestimmt - implizit oder explizit - die Fachdiskussion bis in unsere Tage. Im Seminar soll der Text einer einführenden Lektüre unterzogen werden, bei der die wichtigsten Begriffe und Thesen, die Aristoteles entwickelt, in den Blick genommen und grundlegende Schwierigkeiten und Probleme des Textes diskutiert werden. Griechischkenntnisse sind willkommen, aber keine Voraussetzung zur Teilnahme, allerdings sollten Sie bereit sein, englische Fachliteratur zu rezipieren, da die aktuelle Aristoteles-Forschung mehr und mehr in englischer Sprache stattfindet. Zur Vorbereitung auf das Seminar empfiehlt sich zunächst die Lektüre der einführenden Seiten zur Rhetorik des Aristoteles von George A. Kennedy sowie das Lesen der Aristoteles-Monographie von Otfried Höffe, die eine gute Einführung in die Begriffs- und Gedankenwelt des griechischen Denkers liefert.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Aristoteles: Rhetorik. Übersetzt, mit einer Bibliographie, Erläuterungen und einem Nachwort versehen v. F. G. Sieveke. 3. Auflage. München 1989.

Furley, David J.  u. a. (Hg.): Aristotles Rhetoric. Philosophical essays. Proceedings of the Twelfth Symposium Aristotelicum. Princeton, NJ 1994.

Höffe, Otfried: Aristoteles. München 1996.

Kennedy, George A.: A New History of Classical Rhetoric. Princeton, NJ 1994. S. 51-63.

Oksenberg Rorty, Amélie (Hg.): Essays on Aristotles Rhetoric. Berkeley, CA 1996.

Am Ende dieses Seminars können die zur Zwischenprüfung erforderlichen
mündlichen und schriftlichen Teilprüfungen abgelegt werden.

 

Dr. Nadia Koch: Produktionsästhetische Konzepte bei Lukian

2st., 8 Punkte, Fr 10-12, Beginn: 18.10.2002, Raum wird noch bekanntgegeben

Der in der älteren Forschung oftmals als Satiriker abqualifizierte Lukian (ca. 120 bis nach 180 n. Chr.) wird in der jüngeren Literaturwissenschaft wieder als zuverlässiger Vermittler der Kulturgeschichte des klassischen Griechenland anerkannt und als Verfasser von rhetorischen, moralphilosophischen und phantastischen Schriften gewürdigt.

Als Sophist gibt sich Lukian dadurch zu erkennen, daß hinter den verhandelten kulturgeschichtlichen Themen vielfach grundlegende Fragen der klassischen Technai stehen, insbesondere ihrer produktionsästhetischen Aspekte: Wie muß in der Rede das Verhältnis von traditioneller Ausarbeitung und überraschender Neuartigkeit ausbalanciert werden? Welcher Vorbilder bedient sich der Bildhauer, um die größtmögliche Schönheit plastisch zu formen? Welche Wirkung übt der Tanz auf den Zuschauer aus? Im Seminar sollen die sophistischen Konzepte der Kunstproduktion- und -rezeption an ausgewählten Lukian-Texten diskutiert werden.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Helm: Lukian. In: Paulys Real-Encyklopädie der classischen Altertumswissenschaft XIII (1927) Sp. 17251777.

Bompaire, J.: Lucien Écrivain. Imitation et création. Paris 1958.

Jones, C. P.: Culture and Society in Lucian. Cambridge, MA u. a. 1986. 

Andrea Geier: Literaturkritik - Geschichte, Theorie, Praxis

2st., 8 Punkte, Mo 16-18, Beginn: 21.10.2002, Raum 030

Seit dem offenen Brief Frank Schirrmachers in der FAZ am 29. Mai vergeht kein Tag, in dem nicht über Martin Walsers Schlüsselroman "Tod eines Kritikers" diskutiert wird ein Buch, das in den ersten Wochen der Debatte noch nicht einmal gedruckt war, so daß sich die mittlerweile zahlreichen Rezensenten erst einmal ein Manuskript besorgen mußten; anläßlich der Reaktionen diskutierte der Verlag sogar noch einmal, ob "Tod eines Kritikers" tatsächlich bei Suhrkamp erscheinen sollte. Der 'Fall Walser' ist ein aktuelles Beispiel für Mechanismen literaturkritischer Debatten in den Medien, das, je nach Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, den Schlußpunkt unserer Arbeit im Seminar bilden kann. Wir werden uns mit der Geschichte der Literaturkritik von der Frühaufklärung bis zur Gegenwart anhand ausgewählter historischer Stationen und Vertreter beschäftigen und dabei jeweils die zeitspezifischen Konzepte von Literatur und Kritik sowie die sozial-histori­schen und medialen Rahmenbedingungen näher betrachten. In einem zweiten Teil werden wir uns einige theoretische Positionen erarbeiten, die auf Fragen literarischer Wertung und/oder einen interkulturellen Vergleich ausgerichtet sein können. In einem dritten Teil untersuchen wir ein oder zwei konkrete Beispiele aus der Literaturkritik der Gegenwart. Neben der Analyse einzelner Rezensionen und eines Debattenverlaufs mit Blick auf unterschiedliche Medien (offener Brief, Diskussion in den Printmedien, Lesung des Autors im Rundfunk und Fernsehen usw.) wird die Institutionalisierung von Literaturkritik in der heutigen Medienlandschaft im Mittelpunkt stehen.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Wolfgang Albrecht: Literaturkritik. Stuttgart / Weimar 2001 (= Sammlung Metzler 338).

 

Katie Böhme: Virtuelle Rhetorik

2st., 8 Punkte, Do 14-16, Beginn: 17.10.2002, Raum 030

Das Internet bietet zahlreiche neue Möglichkeiten der Wissensvermittlung: E-Learning, Web-Based-Training, Online-Seminare und andere internetbasierte Lehr- und Lernangebote spielen in der Aus- und Weiterbildung eine zunehmend wichtige Rolle.

In diesem Seminar werden theoretische, methodische und didaktische Grundlagen des browsergestützten Wissenserwerbs untersucht. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Erarbeitung eines Konzepts für ein virtuelles Rhetorik-Seminar mit dem Schwerpunkt "Rede- und Präsentationskompetenz". Den theoretischen Hintergrund liefern antike und moderne Rhetorik-Lehrbücher.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Hesse, Friedrich W. / Friedrich, Helmut W. (Hg.): Partizipation und Interaktion im virtuellen Seminar. Münster u. a. 2001 (= Medien in der Wissenschaft 13).

Kleinschmidt, T. / Tissler, R.: e-Learning was bringts? Studium und Weiterbildung über das Medium Internet im In- und Ausland: Ein praktischer Leitfaden zur Orientierung. 03/2002 (pdf-Dokument). [Bestellbar bei http://www.college-contact.com]

Scheffer, Ute (Hg.): E-Learning: Die Revolution des Lernens gewinnbringend einsetzen. Stuttgart 2002.

 

Hauptseminare

Prof. Dr. Gert Ueding: Kritische Theorie und Rhetorik - Herbert Marcuse

2st., 10 Punkte, Di 18-20, Beginn: 22.10.2002, Raum 030

Der größer werdende Zeitabstand droht das reiche Erbe der kritischen Theorie in Vergessenheit geraten zu lassen oder auf wenige Gedanken zu reduzieren. Im Zentrum des kritischen Denkens standen immer Sprache und Sprachwirkung, ideologische und aufklärerische Strategien des Redens oder die öffentlichen Formen der Kommunikation - rhetorische Sachverhalte also. Eine neue Rhetorik muß sich dieser philosophischen Erträge wieder bemächtigen. Im Seminar wird ein erster Schritt dazu durch die kommentierende Lektüre ausgewählter Kapitel aus Herbert Marcuses Schrift "Der eindimensionale Mensch" getan.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. dtv, München 1994.

 

Prof. Dr. Gert Ueding: Politische Propaganda im Wahlkampf 2002

2st., 10 Punkte, Mi 18-20, Beginn: 23.10.2002, Raum 406

Das Semester beginnt kurz nach der Bundestagswahl 2002, und das Seminar wird sich in kritischer Analyse mit der rhetorischen Seite des gerade zurückliegenden Wahlkampfes befassen. Wichtige Themen werden das Verhältnis von Rhetorik und Propaganda, von Sach- und Personenwerbung, vom Einfluß der Konsum-Werbung auf politische Werbung, die PR der Parteien und der Einfluß der Massenmedien sein.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Kopperschmidt, Josef (Hg.): Politik und Rhetorik. Funktionsmodelle politischer Reden. Westdeutscher Verlag, Opladen 1995.

Fritton, Matthias: Die Rhetorik der Deutschlandpolitik. Eine Untersuchung deutschlandpolitischer Rhetorik [...] unter besonderer Berücksichtigung von Reden anläßlich des Gedenkens an den 17. Juni 1953. M & P, Verlag für Wissenschaft und Forschung, Stuttgart 1998.

Ueding, Gert u. a. (Hg.): Jahrbuch Rhetorik, Bd. 11: Rhetorik und Politik. Niemeyer, Tübingen 1992.

 

Prof. Dr. Joachim Knape: Autortheorie

2st., 10 Punkte, Di 14-16, Beginn: 22.10.2002, Raum 030

Der "Autor" ist in den letzten Jahrzehnten in der Literaturtheorie schlecht behandelt, ja bewußt ausgegrenzt worden. Hier gibt es neuerdings ein Umdenken. Noch immer liegt aber keine wirkliche Autortheorie vor. Die Rhetorik kann hier einen konstruktiven Beitrag leisten, weil sie wesentlich vom Kommunikator (Orator) her denkt.

Im Seminar sollen Irrungen und Wirrungen der Autortheorie untersucht werden.

 

Prof. Dr. Joachim Knape: Metaethik in Geschichte und Gegenwart

2st., 10 Punkte, Di 16-18, Beginn: 22.10.2002, Raum 030

Fragen der Ethik sind für jeden Menschen von Belang. Wissenschaftlich und theoretisch ist das Gebiet der Ethik traditionell Sache der praktischen Philosophie bzw. philosophischen Ethik. Als Nebenzweig der analytischen Philosophie bzw. der Sprachphilosophie entstand im 20. Jahrhundert die Metaethik als Forschungszweig. Hier wird nicht mehr nach inhaltlichen Aspekten ethischer Begründungszusammenhänge gefragt, sondern nach den sprach­lichen Manifestationen von Ethik und ihren Spielregeln. Von hier aus kann so etwas wie eine rhetorische Ethik untersucht und formuliert werden. Die rhetorische Ethik geht der Frage nach, wie ethisches Bewußtsein kommunikativ etabliert, perpetuiert, revidiert und gewechselt wird.

Im Seminar soll mit den theoretischen Positionen zur Metaethik vertraut gemacht werden. Zugleich sollen die Teilnehmer konkrete metaethische Textanalysen vornehmen.

 In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden
(EPG 2 - nach Anlage C, 1.2, WPO für das Lehramt an Gymnasien).

 

Dr. Gregor Kalivoda: Rhetorik und Linguistik - Text- und Kommunikationswissenschaft in historischer und interdisziplinärer Perspektive

2st., 10 Punkte, Di 9-11, Beginn: 22.10.2002, Raum 406

Rhetorik und Sprachwissenschaft (Philologie, Grammatik) stehen seit der Antike in einem Verhältnis der gegenseitigen Ergänzung und Konkurrenz. Dies zeigt sich im Unterrichtssystem (Grammatik als Propädeutikum für die rhetorischen Studien), in der Kompetenz zur Auslegung literarischer Texte (enarratio poetarum), im Ziel der Normierung des Sprachverhaltens (aucto­ritas, virtutes- / vitia-Lehre) sowie in den gemeinsamen Forschungsgegen­ständen: Sprachrichtigkeit (Latinitas, Grammatik), Zeichenbedeutung (Res-verba-Problem, Semantik), Sprachgebrauch (consuetudo, Pragmatik) und Redeschmuck (elocutio, linguistische Stilistik). Auch lassen sich beide Diszipli­nen als Text- und Kommunikationswissenschaften begreifen, wenn es sich um die Analyse des Redeganzen und des sprachlichen Austausches han­delt.

Inhalte des Seminars sollen sein

1.      die Geschichte der interdisziplinären Beziehung von der Antike bis zur Gegenwart am Beispiel ausgewählter Texte (ars oratoria, ars gram­matica),

2.      die linguistisch-grammatischen Elemente des rhetorischen Lehrgebäu­des (ordo, compositio),

3.      die Fortschreibung rhetorischer Erkenntnisse in der neuzeitlichen Sprach­wissenschaft (Stilistik, Text- und Gebrauchsanalyse) bzw. de­ren Reformulierung im Rahmen moderner Konzeptionen (strukturale Rhe­torik, generative Rhetorik, Argumentationstheorie).

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Arens, Hans: Sprachwissenschaft, 2 Bde. 2. Aufl., Freiburg 1969.

Barwick, Karl: Probleme der stoischen Sprachlehre und Rhetorik. Berlin 1957.

Coseriu, Eugenio: Textlinguistik. 3. Aufl., Tübingen 1994.

Dahlmann, Hellfried: Varro und die hellenistische Sprachtheorie. Berlin 1964.

Eggs, Ekkehard: Grammatik. In: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 3. Tübingen 1996. Sp. 1030ff.

Gardt, Andreas: Geschichte der Sprachwissenschaft in Deutschland vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Berlin 1999.

Geißner, Hellmut: Rhetorik und Soziolinguistik, in: Sociolinguistics, Soziolinguistik. 2. Halbb. Hg. von Ammon, Ulrich u. a. Berlin 1988.

Göttert, Karl-Heinz: Rhetorik und Kommunikationstheorie, in: G. Ueding u. a. (Hg.): Jahrbuch Rhetorik, Bd. 7: Rhetorik und Strukturalismus. Tübingen 1988. S. 79ff.

Junker, Hedwig: Rhetorik und Textgrammatik, in: Romanische Forschungen 88 (1976) S. 378ff.

Kalivoda, Gregor: Grammatikunterricht. In: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 3., Tübingen 1996. Sp. 1112ff.

Kalverkämper, Hartwig: Antike Rhetorik und Textlinguistik, in: Festschrift für P. Hartmann, hg. v. Manfred Faust u. a. Tübingen 1983. S. 349ff.

Levinson, Stephen C.: Pragmatik. Tübingen 21994.

Plett, Heinrich F.: Textwissenschaft und Textanalyse. Semiotik, Linguistik, Rhetorik. 2. Aufl., Heidelberg 1979.

Quintilian: Ausbildung des Redners. Hg. v. Helmut Rahn. 2. Aufl., Darmstadt 1988. Bd. 1 (I,4,1 - I,9,6).

Reich, Gerhard: Muttersprachlicher Grammatikunterricht von der Antike bis um 1600. Weinheim 1972.

Roos, Heinrich: Die Modi significandi des Martinus De Dacia. Münster 1952.

Schmitter, Peter: Zur Vorgeschichte der Kommunikationstheorie, in: Sprach­wissen­schaft 6 (1981) S. 186ff.

Siebenborn, Elmar: Die Lehre von der Sprachrichtigkeit und ihren Kriterien. Amsterdam 1976.

Smart, Benjamin H.: Grundlagen der Zeichentheorie: Grammatik, Logik, Rhetorik. Neudruck und Übers. Frankfurt 1978.

Spillner, Bernd: Das Interesse der Linguistik an der Rhetorik, in: Heinrich F. Plett (Hg.): Rhetorik. München 1977.

 

Dr. Thomas Zinsmaier / Dr. Thomas Schirren: Skepsis und Rhetorik

2st., 10 Punkte, Do 9-11, Beginn: 17.10.2002, Raum 406

Bereits die Ursprünge der Skepsis fallen mit denen der Rhetoriktheorie zusammen: Gorgias von Leontinoi hatte in seiner Schrift "Über das Nichtseiende" mit Hilfe der eleatischen Eristik die Grundlage seiner Rhetoriktheorie geschaffen. In der akademischen Skepsis (Karneades) wurde das rhetorische Potential der Skepsis weiter ausgebaut und erkenntnistheoretisch ausdifferenziert. In diese Tradition stellt sich Cicero, wenn er sagt, daß die Skepsis die dem Redner angemessene Philosophie sei. Die skeptische Tradition führt bis in die Moderne und ist auch heute eine keineswegs überholte philosophische Position. 

Ziel des Seminars ist eine Aufarbeitung der wichtigsten skeptischen Texte unter dem Blickwinkel ihrer rhetorischen Relevanz, wobei entsprechend der philosophiegeschichtlichen Entwicklung das Spektrum von Antike bis zur Gegenwart reicht. 

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Long, Anthony A.: Skepsis, Skeptizismus [Antike]. In: J. Ritter / K. Gründer (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 9. Basel 1995. Sp. 938-950.

Stegmüller, Wolfgang: Metaphysik, Skepsis, Wissenschaft. Springer, 2., verb. Aufl., Berlin 1969.

 

Schreib- und Praxisseminare

Prof. Dr. Gert Ueding: Erzählen im Alltag - Geschichten für Kinder

2st., 8 Punkte, Mi 16-18, Beginn: 23.10.2002, Raum 406

Nach der Erarbeitung der rhetorisch-erzähltechnischen Grundlagen werden die Seminarteilnehmer (nach Vorgaben) Geschichten für Kinder erzählen. Diese mündlich extemporierten Erzählungen werden aufgezeichnet und sodann für die Schrift bearbeitet, wobei der Stil sich an der Mündlichkeit orientiert.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Ueding, Gert: Rhetorik des Schreibens. Eine Einführung. 4. Aufl., Beltz, Athenäum, Weinheim 1996.

Ehlich, Konrad (Hrsg.): Erzählen im Alltag. 1. Aufl., Suhrkamp, Frankfurt/Main 1980.

Werder, Lutz von: Lehrbuch des kreativen Schreibens. Schibri, Berlin 1993.

 

Dr. Thomas Hocke: Neueste deutschsprachige Literatur im Spiegel der TV-Medien

2st., 8 Punkte, Mo 11-13, Raum 121, und 14-16, Raum 030, 14täglich, Beginn: 21.10.2002

Fernsehen schließt Literatur eigentlich aus: Literatur ist kein Fach fürs Fernsehen. Eine Adaption von 400 Seiten ist nicht möglich, auch einzelne Seiten abzubilden ist uninteressant, der Fernsehzuschauer möchte visuell aufmerksam gemacht werden auf Literatur. Wie gehen die Medien damit um, welche Tricks gebrauchen sie, um Zuschauer für Bücher zu gewinnen, die soeben auf den Markt gekommen sind? Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben eigene Literatursendungen, alle mit unterschiedlichen Zielsetzungen und alle mit unterschiedlichen Filmgenres: "aspekte" (ZDF) stellt Bücher anders vor als "Kulturzeit" von 3sat, "Bücher, Bücher" (HR) ist persönlicher als "Bücher im Foyer" (SWR), im "Literaturclub" des Schweizer Fernsehens kommt eine persönliche Betrachtung wieder hinzu mit Diskussionen über einen Autor, der Bayerische Rundfunk geht mit Literatur anders um als der WDR etc., während das neue Programm des Quartettchefs (ZDF) Marcel Reich-Ranicki ("Reich-Ranicki solo") wieder so ist wie das "Literarische Quartett", nämlich eigentlich Hörfunk im Fernsehen. An ausgewählten Beispielen aus den aktuellen Literaturprogrammen der Fernsehanstalten soll der Umgang mit neuester deutschsprachiger Literatur sowie die Reflexionsweise der unterschiedlich arbeitenden Fernsehautoren erarbeitet werden.

Vorgesehen sind Bücher von Doris Dörrie, Martin Walser, Peter Haff, Hanns-Josef Ortheil usw.

 

Dr. Thomas Vogel: Creative Writing: "Herr und Knecht" Status, Rollenspiele, Perspektiven

2st., 8 Punkte, Mo 16-18, Beginn: 21.10.2002, Raum 406

Jeder Tonfall, jeder Gestus, jede Bewegung und jede Körperhaltung vermittelt den kleinen Unterschied und macht Schritt für Schritt klar: wir sind nicht gleich. Der eine befiehlt, der andere gehorcht: der eine ist überlegen, der andere unterwürfig. Wir kennen die Hackordnung, die Kleiderordnung, und wir wissen, was passiert, wenn die Herrschaft aus dem Haus ist. Jeder (gesellschaftliche) Status kennt sein entsprechendes Verhalten und seine ihm zugehörige Sprache. Jede Gestalt in einem Roman oder einem Theaterstück hat ihre Statuszuordnung, jeder Akteur hat die ihm zugeordnete Rolle zu spielen. Doch muß der Status sprachlich virtuos umgesetzt werden, damit die Personen sich glaubwürdig entfalten können. Die Literatur kennt unzählige Herr-und-Knecht-Geschichten. Aber auch in jeder anderen alltäglichen menschlichen Begegnung wird streng nach Status gespielt. Und je nach Blickwinkel begegnen wir einem Elefanten oder einer Maus.

Wir werden sowohl im Stil literarischer Vorbilder als auch aus eigener Anschauung Geschichten und kleine Dialoge entwickeln und formulieren. 

 

Dr. Norbert Hofmann: Theorie und Praxis der Videoproduktion (Teil 2 Studioproduktion)

2st., 8 Punkte, nach Vereinbarung, Raum 015 (Videostudio der Medienabteilung)

Die TV-Studioproduktion ist die Fortsetzung des Seminars "Single Camera Production" vom Sommersemester 2002 und baut auf diesen Grundlagen auf. Für Quereinsteiger ist dieses weiterführende Seminar in der Regel nicht geeignet.

In diesem Seminar werden gebaute journalistische Beiträge (NIF, Reporterbericht, Magazinbeitrag) im Vordergrund stehen, mit dem Ziel, anläßlich der 19. Französischen Filmtage vom 18. - 26. Oktober 2002 sieben Tage lang eine jeweils 20minütige FS-Berichterstattung über die Filmtage unter Live-Bedingungen "senden" zu können. Nach einer Einführung in die Studiotechnik übernehmen die Teilnehmer abwechselnd selbst die zentralen Positionen (Redaktion, Regie, Bild- und Tonmischer, MAZ, Beleuchtung, Moderation). Als besonderes Ereignis ist die Arbeit in einem digitalen Fernsehübertragungswagen vorgesehen.

(Es können keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden!)

Joachim Kalka: Theorie und Praxis des Übersetzens

2st., 8 Punkte, Do 16-18, Beginn: 24.10.2002, Raum 030

Dieses Seminar soll durch die Arbeit an verschiedenen - von den Teilnehmern auszuwählenden - Beispielen wie schon in früheren Semestern zu einer Diskussion praktischer Probleme und theoretischer Fragen des Übersetzens führen. Schwerpunkte können dabei die Vergleiche verschiedener Übersetzungen klassischer Texte bilden (beispielsweise Homer, Baudelaire, Shakes­peare, Dickens, Dante) sowie die Fragen, die sich beim Übersetzen von Genretexten ergeben (der Kriminalroman).

 

Jörg Assenheimer: Produktion einer Hörfunksendung: "Geh nun hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst" (Moses 4,15) Anspruch und Wirklichkeit im kommerziellen Kursangebot zur praktischen Rhetorik

2st., 8 Punkte, Kompaktseminar, Termin und Raum werden noch bekanntgegeben

Im Seminar sollen journalistische Formen des Hörfunks vorgestellt, geübt und bis zur Sendereife produziert werden. Jede Produktion durchläuft dabei die klassischen rhetorischen Arbeitsschritte von der Recherche (inventio) über das Texten (elocutio) bis hin zur Präsentation (actio). Die Seminarteilnehmer werden aber auch in redaktionelle Planung, Grundlagen der Sprechtechnik, die Handhabung von Aufnahmegeräten und digitalen Schnitt eingeführt.

Gegenstand der Moderationen, der Interviews, Reportagen, Features, Glos­sen oder Kommentare werden die verschiedenen Formen des Rhetorik-Un­terrichts innerhalb und außerhalb der Universität sein, vom Volkshochschulkurs für Hausfrauen über Predigtübungen in Priesterseminaren bis hin zum Verhandlungstraining für Manager. Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit werden Bausteine für eine einstündige Sendung zum Thema "Anspruch und Wirklichkeit im kommerziellen Kursangebot zur praktischen Rhetorik" sein.

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Bernd P. Arnold: ABC des Hörfunks. 2. überarb. Aufl., Konstanz 1999.

Stefan Wachtel: Sprechen und Moderieren in Hörfunk und Fernsehen. 4. überarb. u. erw. Aufl., Konstanz 2000.

 

Nikos Andreadis: Reden - Überzeugen - Gewinnen: Angewandte Rhetorik

2st., 8 Punkte, Kompaktseminar, 25.-27.10.2002, Raum wird noch bekanntgegeben

Es kommt für den Redner nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf die Fähigkeit, Gedanken motivierend, glaubwürdig und überzeugend darzustellen. In diesem praxisorientierten und videobegleiteten Intensivkurs lernen die Teilnehmer, Redesituationen vor Menschen selbstsicher zu bewältigen, Hemmungen und Ängste abzubauen und den Umgang mit Sprache, Stimme und körpersprachlichen Ausdrucksmitteln zu erproben.

Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, außer der Bereitschaft, gelegentlich alte Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren.

 

Ansgar Kemmann: Streitkultur - Disputation und Debatte

2st., 8 Punkte, Kompaktseminar, Termin und Raum werden noch bekanntgegeben

Streit belebt, wenn er in fairer Weise ausgetragen werden kann. Das gilt auch für die akademische Auseinandersetzung. Debatte und Disputation sind ihre Grundformen. Wie lassen sie sich unterscheiden? Wie kann man sie produktiv nutzen? Diesen Fragen wollen wir gemeinsam nachgehen in praktischer Übung, orientiert am klassischen Text, der "Topik" des Ari­sto­te­les.

(Die Teilnehmerzahl ist auf 12 Personen beschränkt!)

Literaturhinweise zur Vorbereitung:

Aristotelis topica et sophistici elenchii. Hg. v. W. D. Ross. University Press, Oxford 1958

Aristotle: Topics, Books I and VIII. Übers. u. komm. v. Robin Smith. Claren­don Press, Oxford 1997.

Aristoteles: Topik. Übers. u. komm. v. Christof Rapp u. Tim Wagner. Van­den­hoeck & Ruprecht, Göttingen 2002.

 

Florian Vogel: Dramaturgie

2st., 8 Punkte, Fr 11-13, Beginn: 25.10.2002, Raum wird noch bekanntgegeben

Das Praxisseminar beschäftigt sich mit der Arbeit des Dramaturgen am Theater, einem klassischen Berufsziel für Absolventen unseres Faches. Von der Entstehung eines Bühnentextes bis zu seiner Aufführung nehmen verschiedenste Instanzen ästhetischen Einfluß auf das Werk. Vom Schreibauftrag über Spielplandiskussionen, Besetzungs- und Dispositionsfragen bis hin zum Regiekonzept und den Proben befaßt sich der Dramaturg mit den jeweils einflußnehmenden Faktoren. Das Spektrum umfaßt dabei politische, historische, soziale, rechtliche, ökonomische und ästhetische Fragen. Dabei stehen die spezifischen ästhetischen und technischen Produktionsbedingungen des "Mediums Theater" im Mittelpunkt.

Dieses Praxisseminar soll einen Überblick über die Produktionsprozesse von Bühnenwerken (Oper, Ballett und Schauspiel) geben, wobei Dramaturgie und Regiekonzept den Schwerpunkt bilden. Aber auch texthandwerkliche Fähigkeiten sollen geübt werden, wie das Lektorieren, das Schreiben von Werbe- und Programmtexten und die Entwicklung von spezifischen Textfassungen von Bühnenwerken.

Geplant sind Proben- und Vorstellungsbesuche am Staatstheater Stuttgart und natürlich auch ein "Blick hinter die Kulissen" in den Produktionsbereich. Als Leistungsnachweis ist ein kurzes eigenes Regie- und Textkonzept eines Klassikers vorgesehen.

 

Martin Eymer: Rhetorik der Online-Konzeption

2st., 8 Punkte, Do 18-22, 14täglich, Beginn: 24.10.2002, Raum 030

(Tutorium: Steffen P. Walz)

Die digitalen Medien beginnen erst, spannend zu werden. Neben technischen Innovationen sind es vor allem die angemessenen Konzepte und Ideen, die das Medium vorantreiben. Sie entscheiden über Erfolg oder Mißerfolg von Onlineangeboten. Die Rhetorik ist dazu prädestiniert, in der Konzeption von New-Media-Anwendungen Standards zu setzen und eröffnet Rhetorikern einen attraktiven Weg in neue Berufe.

Seminarziel: Vermittlung von grundlegender Theorie und Praxis, um als Konzepter in einem Kreativteam hochwertige Internetauftritte umzusetzen. (Das bedeutet, daß in diesem Seminar keine grafischen und technischen Inhalte wie Photoshop/Flash/HTML-Einführungen angeboten werden können.)

Seminaraufbau: Im theoretischen Teil am Kompaktwochenende werden die Grundlagen diskutiert:

- Projektprozeß: Wie läuft ein Internetprojekt ab?

- Stakeholder und Perspektiven: Wer hat welche Aufgabe?

- Konzeption: Anforderungen und Möglichkeiten.

Danach entwickeln die Teilnehmer praxisorientiert eigene Internetkonzepte und stellen diese in den folgenden Sitzungen als "Kundenpräsentationen" vor.

Voraussetzungen: Die Teilnehmer sollten internetaffin und begeisterungsfähig sein; Kenntnisse von Programmiersprachen, Editoren, Powerpoint usw. sind nicht erforderlich, aber natürlich kein Hindernis.

Termine: Donnerstagstermine, 18-22: 24.10., 19.12., 09.01., 23.01., 06.02.; dreitägige Kompaktphase im Berghaus Iseler, Oberjoch, 29.11.-01.12.2002 (Kostenbeitrag pro Teilnehmer für Unterbringung im Doppelzimmer und Vollpension: 70).

(Die Teilnehmerzahl ist auf 14 Personen beschränkt!)

Literaturhinweis zur Vorbereitung:

Ab 01.10.2002 wird in der Fakultätsbibliothek ein Ordner mit Literatur als Kopiervorlage bereitgestellt.

 

Kolloquien

Prof. Dr. Gert Ueding: Doktorandenkolloquium

2st., nach Vereinbarung

 

Prof. Dr. Joachim Knape: Kolloquium für Examenskandidaten und Doktoranden

2st., nach Vereinbarung

 

Prof. Dr. Gert Ueding: Besprechung von Magisterarbeiten

1st., Termin wird noch bekanntgegeben

  


Webmaster: Olaf Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik, Universität Tübingen, Stand: 13.02.03