Die Völkerkunde (Ethnologie) wurde ursprünglich als die Wissenschaft von den Kulturen, also Lebensweisen fremder, ferner Völker geschaffen. In ihren Anfängen lag der Schwerpunkt der Forschungen bei Völkern, die nicht in großen komplexen Staaten zusammenlebten, sondern überwiegend in kleinen politischen Gemeinschaften. Die Völkerkunde-Abteilung der Universität Tübingen befindet sich im Südost-Turm des Schlosses, in einem unter Denkmalschutz stehenden Gefängnis, das am Beginn des 19. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Augustin Krämer war es, der ab dem Jahr 1919 die Völkerkunde-Sammlung der Universität Tübingen aufbaute. Von seinen beiden Forschungsreisen in die Südsee befinden sich etwa 1300 Objekte in der Tübinger Sammlung. Die Schwierigkeit, einzelne Ausstellungsthemen in Gefängniszellen von der Göße eines mittleren Wohnzimmers unterzubringen, wird durch das reizvolle Spannungsverhältnis aufgewogen, das sich zwischen historischer Architektur und moderner Präsentation der Kunst und des Kunsthandwerks fremder Kulturen ergibt. Die Themen der Ausstellung beziehen sich zum einen auf die Kulturen der Südsee-Inseln aus der Zeit zwischen etwa 1890 und 1910 sowie ihrer Spiegelung an der heutigen Situation, zum anderen auf die sehr bedeutende Töpfer- und Muster-Kunst südamerikanischer Indianer.
Ansprechpartner: Dr. Volker Harms
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