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Nachruf auf Prof. Dr. Helmut Wielandt

Am 14. Februar 2001 verstarb der Senior der Mathematischen Fakultät der Universität Tübingen, Prof. Dr.Dr.h.c. Helmut Wielandt an seinem Alterswohnsitz in Schliersee.

Helmut Wielandt wurde am 19. Dezember 1910 bei Lörrach geboren. Er studierte Mathematik an der Universität Berlin, zusammen mit seiner späteren Frau Annemarie Bothe. Seine Lehrer waren u.a. Erhard Schmidt und Issai Schur, der 1938 nach Palästina emigrierte. Nach seiner Promotion 1935 mit einer Arbeit über Permutationsgruppen erhielt er eine Assistentenstelle in Tübingen. Er wurde 1939 als Soldat eingezogen und 1942 an das Kaiser Wilhelm Institut für Strömungsforschung verpflichtet. 1946 wurde er als außerordentlicher Professor nach Mainz und 1951 – als Nachfolger von Konrad Knopp – auf den ältesten Lehrstuhl für Mathematik der hiesigen Universität berufen.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1960 zu ihrem Mitglied. 1963/64 hatte er eine Stiftungsprofessur an der Universität von Wisconsin/USA inne. Im Jahre 1976 wurde er emeritiert. Die Universität Mainz verlieh ihm 1977 die Ehrendoktorwürde.

über einen Zeitraum von 25 Jahren war Helmut Wielandt einer der Wissenschaftler, die den Namen der Universität und damit auch der Stadt in der Welt bekannt machten. Zwanzig Jahre leitete er die Redaktion der Mathematischen Zeitschrift (begründet 1918), eines der führenden wissenschaftlichen Journale der Mathematik.

Wielandt erzielte seine größten Erfolge im Gebiet der Gruppentheorie. Die Theorie der endlichen Permutationsgruppen hatte sich Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu großer Höhe entwickelt und hatte dann stagniert. Wielandt belebte das Interesse an diesem Gebiet durch neuartige Methoden und Resultate. Sein Buch von 1964 zu diesem Thema war eine grundlegende Monographie. Sein Name ist ebenfalls fest verbunden mit der von ihm begründeten Theorie der subnormalen Untergruppen. Er lieferte wichtige Beiträge zur Theorie der zusammengesetzten Gruppen und zur arithmetischen Struktur endlicher Gruppen.

Die kriegsbedingte Beschäftigung mit Problemen der Strömungsforschung, mit Stabilitäts- und Schwingungsproblemen, führte später zu wichtigen Arbeiten über Eigenwertaufgaben gewöhnlicher Differentialgleichungen und zur Spektraltheorie selbstadjungierter Operatoren.

Aus derselben Wurzel entspringt der dritte Zweig seiner Forschung, die Matrizentheorie. In diesem Gebiet werden Wielandts Arbeiten auch heute häufig zitiert: Arbeiten zur Matrizennumerik, zur Theorie positiver Matrizen (die in der Stochastik eine große Rolle spielen), zu Variationsprinzipien und Ungleichungen für Eigenwerte von Summen von Matrizen. Seine zuerst 1967 erschienenen Vorlesungen an der Universität von Wisconsin zur Theorie der Matrizen sind eine wichtige Quelle.

Die elektronischen Referenzwerke ermöglichen es auch dem Außenstehenden, ein zumindest quantitatives Bild von der Wirkung des Wielandtschen Werkes zu gewinnen. Sie zeigen Arbeiten aus aller Welt, beginnend 1954, bis jetzt, in deren Titeln Begriffe wie Wielandtsche Ungleichung und Wielandtsche Formel, Wielandtsche Untergruppen, Wielandt-Länge einer Gruppe, Sätze von Wielandt, Kegel-Wielandt, Hoffman-Wielandt, und viele mehr vorkommen.

Die gesammelten Schriften Helmut Wielandts wurden als zweibändiges Werk 1994/96 im Verlag de Gruyter herausgegeben.

Helmut Wielandt hat die Entwicklung mehrerer Gebiete der Mathematik entscheidend beeinflußt und das Ansehen der Universität Tübingen vermehrt.

Sein wissenschaftlicher Ansatz, in verschiedenen Richtungen der Mathematik zu forschen, diese zu verbinden und sich den Anwendungen in anderen Wissenschaften zu öffnen, ist seinen Nachfolgern ein stetes Leitbild.

Professor Karl-Peter Hadeler, Mathematische Fakultät

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IInfo / © Universität Tübingen / Stand: 04.2001