7. Tübinger Förderpreis für Ältere
Urgeschichte und Quartärökologie an Nicholas Teyssandier
Der diesjährige Förderpreis für Ältere Urgeschichte
und Quartärökologie wurde Anfang Februar an Dr. Nicholas Teyssandier
von der Abteilung "Préhistoire et Technologie" des CNRS
in Nanterre, einer der renommiertesten Forschungseinrichtungen zur Archäologie
der Altsteinzeit in Frankreich, verliehen. Der Preis, der von der Firma
Ratiopharm gestiftet wird, ist mit 5000 Euro die höchstdotierte jährlich
verliehene Auszeichnung auf dem Gebiet der Urgeschichte.
In seiner prämierten Dissertation untersucht Teyssandier die frühesten
Spuren des Aurignacien in Europa, einem 28-40.000 Jahre alten Kulturkomplex,
der vor allem nach Funden aus Südwestfrankreich definiert wurde und
gemeinhin mit den ersten anatomisch modernen Europäern in Verbindung
gebracht wird. Er analysiert handwerkliche Funde, zum Beispiel Steinwerkzeuge,
aus Ausgrabungsstätten in Bulgarien, Österreich und Deutschland
(Geißenklösterle-Höhle/Schwäbische Alb) und kann
unter anderem anhand von Vergleichen dieser Funde zeigen, dass das so
genannte Aurignacien keine einheitliche Kultur war, vielmehr existierten
zeitgleich mindestens drei Ausprägungen.
Nicholas Teyssandier, geboren 1974, begann 1993 in Paris mit dem Studium
der Archäologie und nahm im darauffolgenden Jahr an ersten Ausgrabungen
in Frankreich teil, die sein Interesse an der international kontrovers
geführten Diskussion um die Verbreitung der ersten anatomisch modernen
Menschen in Europa weckten. Der Preisträger leistet mit seiner Synthese
einen wichtigen Beitrag für das Verständnis der Übergangsphase,
in der die Neandertaler in Europa durch anatomisch moderne Menschen abgelöst
wurden.
Alexandra Kappler
[Uni Tübingen
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/ Stand 14.04.2005 |