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Informationen für die Mitglieder der Eberhard Karls Universität Tübingen / TUN Nr. 121: 14.04.2005

"Beide Seiten haben gewonnen"

Psychosomatische Abteilung des Universitätsklinikums im Krankenhaus Rottenburg eröffnet

Die Abteilung "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" des Universitätsklinikums Tübingen (UKT) im Krankenhaus Rottenburg wurde am 11. Februar 2005 mit einem Festakt eröffnet. Vor rund 130 geladenen Gästen überreichte Prof. Dr. Michael Bamberg, der leitende Ärztliche Direktor des UKT, dem Hospitalverwalter Günther Danner den symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Damit ist die Übernahme des Krankenhauses Rottenburg durch das UKT rechtlich abgeschlossen.

Michael Bamberg wies darauf hin, dass mit der Übernahme durch das UKT beide Seiten gewonnen hätten. Der Standort Rottenburg sei durch die zusätzliche Abteilung langfristig gesichert. Laut Oberbürgermeister Klaus Tappeser habe man einen starken Partner suchen müssen, denn aus eigener Kraft hätte das Haus von der städtischen Hospitalstiftung nicht erhalten werden können. Angesichts der Veränderungen im Gesundheitswesen sei die lange Verweildauer der meist betagten Patienten in der geriatrisch ausgerichteten Klinik wirtschaftlich problematisch geworden.

In enger Zusammenarbeit mit dem UKT, den niedergelassenen Ärzten und der Hospitalstiftung wird angestrebt, die Liegezeiten in der internistischen Abteilung kurz zu halten und wirtschaftlicher zu arbeiten. Schwer zu diagnostizierende Fälle sollen direkt ins UKT eingewiesen werden. Patienten, bei denen die intensive Diagnostik im UKT abgeschlossen ist, werden künftig zur Weiterbehandlung nach Rottenburg verlegt, da dort die Betten billiger sind. Mit der Hospitalstiftung wurde vereinbart, dass ältere Patienten, die keiner intensiven Behandlung bedürfen, in die Pflegeheime der Hospitalstiftung wechseln können.

Aufgabe der neuen Abteilung ist die Behandlung und Erforschung von Erkrankungen im Grenzbereich zwischen Körper und Psyche. Dies sind auf der einen Seite Erkrankungen mit überwiegend psychischen Ursachen wie Essstörungen und auf der anderen Seite primär körperliche Erkrankungen, die aufgrund von zusätzlichen psychischen und sozialen Belastungen nur ungenügend bewältigt werden können. In der Therapie kommen unter anderem Einzel- und Gruppengespräche, Musik- und Kunsttherapie sowie Ernährungsberatung zum Einsatz. Neu ist beispielsweise ein Therapieraum mit Einwegspiegel, hinter dem Ärzte die Patienten (mit deren Einverständnis) beobachten können. Dies beeinträchtige das Verhalten der Patienten jedoch nicht, nach ungefähr fünf Minuten hätten die meisten den Spiegel schon wieder vergessen, versicherte Prof. Dr. Stefan Zipfel, der Leiter der neuen Abteilung.

Für ihn, der von der Heidelberger Uniklinik nach Rottenburg kam, ist wichtig, dass nun die wohnortnahe psychosomatische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis sichergestellt ist. Der Bedarf sei da, bereits nach der ersten Ausbaustufe Anfang 2005 habe man eine 100-prozentige Belegung erreicht. Die Zusammenarbeit mit der inneren Medizin zeichne den Standort aus, dadurch könne man auch somatische Krankheiten behandeln. Von Vorteil sei die günstige Lage: ruhig, aber mitten in der Stadt. Dies sei für die psychosomatische Therapie sehr wichtig, vor allem Patienten mit Essstörungen könnten so den Umgang mit Essen und Einkaufen üben.

Das UKT hatte das Krankenhaus Rottenburg im November 2003 übernommen. Der Anfang 2004 begonnene Umbau und die Modernisierung von Patientenzimmern, Therapieräumen und Infrastruktur konnten im Januar 2005 abgeschlossen werden. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen wurden vom UKT und der städtischen Hospitalstiftung getragen. Die Psychosomatische Abteilung verfügt über 26 vollstationäre Betten, bis April sollen acht tagesklinische Betten dazukommen. Der andere Schwerpunkt des Krankenhauses Rottenburg, die Abteilung für Innere Medizin unter der Leitung von Dr. Dietrich Overkamp, ist bereits in Betrieb und verfügt über 30 vollstationäre Betten. Nach wie vor sind 70 Mitarbeiter im Krankenhaus Rottenburg beschäftigt, 20 Mitarbeiter wurden ans UKT ausgeliehen und arbeiten dort zum Teil in anderen Bereichen.

Alexandra Kappler

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e-mail an die redaktion © Eberhard Karls Universität Tübingen / Stand 14.04.2005