"Beide Seiten haben gewonnen"
Psychosomatische Abteilung des Universitätsklinikums im Krankenhaus
Rottenburg eröffnet
Die Abteilung "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie"
des Universitätsklinikums Tübingen (UKT) im Krankenhaus Rottenburg
wurde am 11. Februar 2005 mit einem Festakt eröffnet. Vor rund 130
geladenen Gästen überreichte Prof. Dr. Michael Bamberg, der
leitende Ärztliche Direktor des UKT, dem Hospitalverwalter Günther
Danner den symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Damit ist die Übernahme
des Krankenhauses Rottenburg durch das UKT rechtlich abgeschlossen.
Michael Bamberg wies darauf hin, dass mit der Übernahme durch das
UKT beide Seiten gewonnen hätten. Der Standort Rottenburg sei durch
die zusätzliche Abteilung langfristig gesichert. Laut Oberbürgermeister
Klaus Tappeser habe man einen starken Partner suchen müssen, denn
aus eigener Kraft hätte das Haus von der städtischen Hospitalstiftung
nicht erhalten werden können. Angesichts der Veränderungen im
Gesundheitswesen sei die lange Verweildauer der meist betagten Patienten
in der geriatrisch ausgerichteten Klinik wirtschaftlich problematisch
geworden.
In enger Zusammenarbeit mit dem UKT, den niedergelassenen Ärzten
und der Hospitalstiftung wird angestrebt, die Liegezeiten in der internistischen
Abteilung kurz zu halten und wirtschaftlicher zu arbeiten. Schwer zu diagnostizierende
Fälle sollen direkt ins UKT eingewiesen werden. Patienten, bei denen
die intensive Diagnostik im UKT abgeschlossen ist, werden künftig
zur Weiterbehandlung nach Rottenburg verlegt, da dort die Betten billiger
sind. Mit der Hospitalstiftung wurde vereinbart, dass ältere Patienten,
die keiner intensiven Behandlung bedürfen, in die Pflegeheime der
Hospitalstiftung wechseln können.
Aufgabe der neuen Abteilung ist die Behandlung und Erforschung von Erkrankungen
im Grenzbereich zwischen Körper und Psyche. Dies sind auf der einen
Seite Erkrankungen mit überwiegend psychischen Ursachen wie Essstörungen
und auf der anderen Seite primär körperliche Erkrankungen, die
aufgrund von zusätzlichen psychischen und sozialen Belastungen nur
ungenügend bewältigt werden können. In der Therapie kommen
unter anderem Einzel- und Gruppengespräche, Musik- und Kunsttherapie
sowie Ernährungsberatung zum Einsatz. Neu ist beispielsweise ein
Therapieraum mit Einwegspiegel, hinter dem Ärzte die Patienten (mit
deren Einverständnis) beobachten können. Dies beeinträchtige
das Verhalten der Patienten jedoch nicht, nach ungefähr fünf
Minuten hätten die meisten den Spiegel schon wieder vergessen, versicherte
Prof. Dr. Stefan Zipfel, der Leiter der neuen Abteilung.
Für ihn, der von der Heidelberger Uniklinik nach Rottenburg kam,
ist wichtig, dass nun die wohnortnahe psychosomatische Versorgung der
Bevölkerung im Landkreis sichergestellt ist. Der Bedarf sei da, bereits
nach der ersten Ausbaustufe Anfang 2005 habe man eine 100-prozentige Belegung
erreicht. Die Zusammenarbeit mit der inneren Medizin zeichne den Standort
aus, dadurch könne man auch somatische Krankheiten behandeln. Von
Vorteil sei die günstige Lage: ruhig, aber mitten in der Stadt. Dies
sei für die psychosomatische Therapie sehr wichtig, vor allem Patienten
mit Essstörungen könnten so den Umgang mit Essen und Einkaufen
üben.
Das UKT hatte das Krankenhaus Rottenburg im November 2003 übernommen.
Der Anfang 2004 begonnene Umbau und die Modernisierung von Patientenzimmern,
Therapieräumen und Infrastruktur konnten im Januar 2005 abgeschlossen
werden. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen wurden vom UKT und
der städtischen Hospitalstiftung getragen. Die Psychosomatische Abteilung
verfügt über 26 vollstationäre Betten, bis April sollen
acht tagesklinische Betten dazukommen. Der andere Schwerpunkt des Krankenhauses
Rottenburg, die Abteilung für Innere Medizin unter der Leitung von
Dr. Dietrich Overkamp, ist bereits in Betrieb und verfügt über
30 vollstationäre Betten. Nach wie vor sind 70 Mitarbeiter im Krankenhaus
Rottenburg beschäftigt, 20 Mitarbeiter wurden ans UKT ausgeliehen
und arbeiten dort zum Teil in anderen Bereichen.
Alexandra Kappler
[Uni Tübingen
| Aktuell | TUN | Inhalt | Forum]

e-mail
an die redaktion © Eberhard Karls Universität Tübingen
/ Stand 14.04.2005 |