[ Inhalt | back ]

Informationen für die Mitglieder der Eberhard Karls Universität Tübingen / TUN Nr. 121: 14.04.2005

Vera Orth ist neue Frauenvertreterin für den nichtwissenschaftlichen Dienst

Im Juli 2004 wurde Vera Orth zur neuen Frauenvertreterin für den nichtwissenschaftlichen Dienst an der Universität Tübingen gewählt. Orth arbeitet als Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek, für ihre Tätigkeit als Frauenvertreterin ist sie zu 50 Prozent freigestellt. Aufgewachsen in Bonn, studierte Orth Publizistik, Islamwissenschaft und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Anschließend machte sie eine Ausbildung zur Diplombibliothekarin bei der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Im Jahr 1988 kam sie im Zuge eines DFG-Projekts zur UB Tübingen mit dem Sondersammelgebiet Orientalistik. Von 1996-99 war sie in Beirut am Wiederaufbau der Bibliothek der Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft am dortigen Orient-Institut beteiligt. Anschließend kehrte sie zurück zur Tübinger UB. Bereits seit Anfang der 90er Jahre war Vera Orth mit Unterbrechung Personalrätin an der Universität Tübingen.

Vera Orth. Foto: Bühler


TUN: Warum haben Sie sich für das Amt der Frauenvertreterin für den nichtwissenschaftlichen Dienst beworben?

Orth: Ich bin als Kind sehr frei aufgewachsen und durfte alles machen, was Jungen machen dürfen. Wichtig für mein Selbstbewusstsein als Frau war aber auch die Tatsache, dass ich auf eine Mädchenschule gegangen bin. Sehr früh habe ich mich für Frauenfragen interessiert und habe mir dabei beruflich und privat vieles selber erarbeitet. Ich glaube, dass meine Erfahrungen anderen Frauen, die hier an der Universität arbeiten, nützlich sein werden deswegen habe ich für das Amt kandidiert.

TUN: Was sehen Sie als Ihre Aufgaben an?

Orth: Die Aufgaben sind gesetzlich klar definiert im Landesgleichstellungsgesetz: "Berufliche Förderung von Frauen durch die Verbesserung der Zugangs- und Aufstiegsbedingungen und eine deutliche Erhöhung des Frauenanteils, Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer, Vertretung der Belange und Interessen von Frauen gegenüber der Dienststelle, Erstellung und Umsetzung des Frauenförderplans."

Konkret werde ich darauf achten, dass bei Stellenbesetzungen im nichtwissenschaftlichen Dienst die Bewerbungen qualifizierter Frauen entsprechend berücksichtigt werden. In Bereichen, in denen Frauen deutlich unterrepräsentiert sind, ist es wichtig, dass in den Ausschreibungen Frauen explizit zur Bewerbung aufgefordert werden. Alle Bewerberinnen werden im Einladungsschreiben auf die Möglichkeit meiner Teilnahme am Vorstellungsgespräch hingewiesen. Auf Antrag der Bewerberinnen nehme ich dann an der Bewerberrunde teil. Dies betrifft insbesondere höher dotierte Stellen sowohl im Beamten- als auch im Angestelltenbereich.

Einen zweiten Schwerpunkt sehe ich im Ausbau des Informationsangebotes für die Beschäftigten im nichtwissenschaftlichen Dienst. Auf der neuen Homepage der Frauenvertreterin möchte ich Informations- und Beratungsangebote bündeln. Dort habe ich auch zur besseren Vernetzung mit anderen Institutionen Links zu anderen Frauenvertreterinnen im Land gesammelt. Landesweit arbeite ich mit Frauenvertreterinnen im Uni- und im Klinikbereich zusammen. Auf regelmäßigen Treffen tauschen wir Erfahrungen aus und denken über gemeinsame Projekte nach.

Bei der Förderung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde ich mein Hauptaugenmerk auf die Information über Elternzeit, Teilzeit- und Beurlaubungsmöglichkeiten richten. Dieser Punkt betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Trotz angespannter Haushaltslage sollte auch an der Universität ein Angebot für Kinderbetreuung für die nichtwissenschaflichen Mitarbeiter geschaffen werden. Ferner muss gewährleistet sein, dass die Übernahme von Erziehungsarbeit keine Benachteiligung beim beruflichen Weiterkommen mit sich bringt.

Ich bin ferner eine erste Ansprechpartnerin bei Fällen von sexueller Belästigung oder Mobbing. Für das nächste Fort- und Weiterbildungsprogramm, dass gemeinsam von der Zentralen Verwaltung und dem Personalrat erarbeitet wird, werde ich eigene Angebote zur beruflichen Förderung der Frauen einbringen. Außerdem bin ich Mitglied in verschiedenen universitätsinternen Gremien und Kommissionen, die sich mit der Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern befassen.

TUN: Was ist der Frauenförderplan?

Orth: Der Frauenförderplan wird von der Personalabteilung in Zusammenarbeit mit der Frauenvertreterin erarbeitet. Er enthält detaillierte Angaben, wie hoch der Frauenanteil in den jeweiligen Gehalts-, Vergütungs- und Besoldungsgruppen an der Universität ist. Daraus wird ersichtlich, in welchen Bereichen Frauen unterrepräsentiert sind und in welchen die Gleichstellung schon stärker vorangeschritten ist. Aus der Analyse dieses Zahlenmaterials formuliert der Frauenförderplan Zielvorgaben für die nächsten vier Jahre, auf deren Einhaltung und Umsetzung ich achte.

TUN: Warum gibt es eine Gleichstellungsbeauftragte (bis 2004: Frauenbeauftragte) und eine Frauenvertreterin für den nichtwissenschaftlichen Dienst? Ist diese Trennung sinnvoll?

Orth: Die Aufgaben der vom Senat gewählten Gleichstellungsbeauftragten sind im Landeshochschulgesetz definiert, ihre Aufgaben liegen im Bereich der Wissenschaft und des Studiums. Seit 1996 gibt es eine Frauenvertreterin für den nichtwissenschaftlichen Dienst. Ich halte diese Aufgabentrennung für sinnvoll, da sonst die Gefahr bestünde, dass die Interessen der Beschäftigten im nichtwissenschaftlichen Dienst zu wenig berücksichtigt würden. Im Übrigen mag ich die Bezeichnung "nichtwissenschaftlicher Dienst" nicht besonders. Mir gefällt viel besser die von einer Kollegin stammende Bezeichnung "Wissenschaft unterstützendes Personal".

Das Interview führten Maximilian von Platen und Alexandra Kappler

Kontakt:

Frauenvertreterin für den nichtwissenschaftlichen Dienst: Vera Orth
Stellvertreterin: Margit Meisel
T. 29-77766, eMail: frauenvertreterin@verwaltung.uni-tuebingen.de
Internet: www.uni-tuebingen.de/frauenvertreterin
Sprechstunde nach Vereinbarung

 

[Uni Tübingen | Aktuell | TUN | Inhalt | Forum]

e-mail an die redaktion © Eberhard Karls Universität Tübingen / Stand 14.04.2005