[ Inhalt | back ]

Informationen für die Mitglieder der Eberhard Karls Universität Tübingen / TUN Nr. 126: 03.04.2006

Darwin und seine Rezeption


Kolloquium und Editions-Workshop in Tübingen

Von links nach rechts: Thore Lie (Oslo), Rafael Martínez (Rom), Joy Harvey (Somerville, USA), Anto Leikola (Helsinki), Paul White (Cambridge, UK), Eve-Marie Engels (Tübingen) Thomas Glick (Boston, USA), Dirk Backenköhler (Tübingen) Elinor Shaffer (London, Cambridge, UK). Foto: Abdelhamid

Charles Darwins Evolutionstheorie übt seit ihrer Erstveröffentlichung im Jahre 1859 eine nachhaltige Wirkung auf Denker unterschiedlichster Herkunft und Disziplinen aus. Ihrer Rezeption widmete sich Anfang Dezember ein öffentliches Kolloquium, zu dem der Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften und das Graduiertenkolleg "Bioethik" des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) eingeladen hatten. Thomas Glick von der Boston University schlug in seinem Vortrag aus vergleichender Perspektive ein differenziertes Begriffsraster für die Systematisierung der unterschiedlichen Rezeptionsweisen vor. Eine wesentliche Rolle spielten dabei auch Übersetzungen, Rezensionen und Formen der Popularisierung von Darwins Theorie, wie Joy Harvey am Beispiel der französischen Rezeption lebendig darstellte. Auf besonderes Interesse stieß das Thema "Darwin und der Vatikan". Rafael Martínez stützte sich in seinem Vortrag über die Reaktion des Vatikans auf die ersten katholischen Evolutionisten auf Dokumente, die erst 1998 mit der Öffnung der Archive des Heiligen Offiziums zugänglich wurden. Darwins eigene Bücher standen nie auf dem Index der verbotenen Bücher, wohl aber die "Zoonomie" seines Großvaters Erasmus Darwin. Seit 1996 erkennt die Katholische Kirche offiziell die Evolutionstheorie unter Würdigung ihrer Leistungen an.

Das Kolloquium stand im Zusammenhang mit einem anschließenden Editions-Workshop zur Darwin-Rezeption. Eve-Marie Engels, Lehrstuhlinhaberin für Ethik in den Biowissenschaften und Sprecherin des IZEW, und Thomas Glick bereiten gemeinsam die Herausgabe des Werkes "The Reception of Charles Darwin in Europe" vor. Darin werden Beiträge aus etwa 20 europäischen Ländern enthalten sein, einschließlich jener, für die die Darwin-Rezeptiom bisher kaum erforscht wurde, wie beispielsweise Skandinavien und Osteuropa.

Untersucht werden in dem Band die Einflüsse, denen die Darwin-Rezeption in verschiedenen Disziplinen, Kontexten und Ländern unterworfen war und die für sie förderlich oder hinderlich waren. Hierzu gehören philosophische und theologische Voraussetzungen, wissenschaftstheoretische Maßstäbe, disziplinäre Kontexte, aber auch Fachgesellschaften und Institutionen, Zeitungen und Zeitschriften, Darwins ausgedehnte Korrespondenz sowie politische, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren.

 

[Uni Tübingen | Aktuell | TUN | Inhalt | Aus den Fakultäten]

e-mail an die redaktion © Eberhard Karls Universität Tübingen / Stand 03.04.2006