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Darwin und seine Rezeption
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Von links nach rechts: Thore Lie (Oslo), Rafael Martínez (Rom), Joy Harvey (Somerville, USA), Anto Leikola (Helsinki), Paul White (Cambridge, UK), Eve-Marie Engels (Tübingen) Thomas Glick (Boston, USA), Dirk Backenköhler (Tübingen) Elinor Shaffer (London, Cambridge, UK). Foto: Abdelhamid |
Charles Darwins Evolutionstheorie übt seit ihrer Erstveröffentlichung
im Jahre 1859 eine nachhaltige Wirkung auf Denker unterschiedlichster
Herkunft und Disziplinen aus. Ihrer Rezeption widmete sich Anfang Dezember
ein öffentliches Kolloquium, zu dem der Lehrstuhl für Ethik
in den Biowissenschaften und das Graduiertenkolleg "Bioethik"
des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften
(IZEW) eingeladen hatten. Thomas Glick von der Boston University schlug
in seinem Vortrag aus vergleichender Perspektive ein differenziertes Begriffsraster
für die Systematisierung der unterschiedlichen Rezeptionsweisen vor.
Eine wesentliche Rolle spielten dabei auch Übersetzungen, Rezensionen
und Formen der Popularisierung von Darwins Theorie, wie Joy Harvey am
Beispiel der französischen Rezeption lebendig darstellte. Auf besonderes
Interesse stieß das Thema "Darwin und der Vatikan". Rafael
Martínez stützte sich in seinem Vortrag über die Reaktion
des Vatikans auf die ersten katholischen Evolutionisten auf Dokumente,
die erst 1998 mit der Öffnung der Archive des Heiligen Offiziums
zugänglich wurden. Darwins eigene Bücher standen nie auf dem
Index der verbotenen Bücher, wohl aber die "Zoonomie" seines
Großvaters Erasmus Darwin. Seit 1996 erkennt die Katholische Kirche
offiziell die Evolutionstheorie unter Würdigung ihrer Leistungen
an.
Das Kolloquium stand im Zusammenhang mit einem anschließenden Editions-Workshop
zur Darwin-Rezeption. Eve-Marie Engels, Lehrstuhlinhaberin für Ethik
in den Biowissenschaften und Sprecherin des IZEW, und Thomas Glick bereiten
gemeinsam die Herausgabe des Werkes "The Reception of Charles Darwin
in Europe" vor. Darin werden Beiträge aus etwa 20 europäischen
Ländern enthalten sein, einschließlich jener, für die
die Darwin-Rezeptiom bisher kaum erforscht wurde, wie beispielsweise Skandinavien
und Osteuropa.
Untersucht werden in dem Band die Einflüsse, denen die Darwin-Rezeption
in verschiedenen Disziplinen, Kontexten und Ländern unterworfen war
und die für sie förderlich oder hinderlich waren. Hierzu gehören
philosophische und theologische Voraussetzungen, wissenschaftstheoretische
Maßstäbe, disziplinäre Kontexte, aber auch Fachgesellschaften
und Institutionen, Zeitungen und Zeitschriften, Darwins ausgedehnte Korrespondenz
sowie politische, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren.
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e-mail an die redaktion © Eberhard Karls Universität Tübingen / Stand 03.04.2006