Unikultur

Forum der Universität – April 2002

 

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"... und Tubingen beruhmt gemacht"

 

Neu in der Tübinger Münzsammlung: Herzog Sylvius Friedrichs Medaille auf das 200-jährige Jubiläum der Tübinger Universität von 1677

 

 
     
    Von der Universitätsgründung zur Schlesischen Seitenlinie.
     

Gerade passend zur 525-Jahrfeier der Tübinger Universität konnte die vom Institut für Klassische Archäologie betreute und mit ihren besten Stücken im Museum Schloss Hohentübingen ausgestellte Münzsammlung um eine äußerst seltene Silbermedaille ergänzt werden, die von Herzog Sylvius Friedrich von Württemberg-Oels im Jahr 1677 aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums der Tübinger Universität ausgegeben wurde. Mit dem Erwerb - ermöglicht durch Mittel des Universitätsbunds - ist die älteste der auf die Universität Tübingen ausgebrachten Jubiläumsmedaillen endlich auch in Tübingen selbst verfügbar.

Die hochovale Silbermedaille hat ein Gewicht von 15,53 Gramm und misst 38 mal 32 Millimeter. Auf der Vorderseite ist ein Brustbild des Herzogs Sylvius Friedrich in einem reich verzierten Harnisch mit Löwenköpfen an den Schultern und überdeckender Schärpe dargestellt. Im linken unteren Quadranten beginnt die einwärts zu lesende Umschrift SYLVI(US) FRID(ERICUS) D(EI) G(RATIA) DUX WURTEMB(ERGENSIS) TEC(CENSIS) IN SIL(ESIA) OLS(NENSIS). In etwas kleinerer Anordnung stehen unter der Büste die Buchstaben IN, die als Initialen des Medailleurs Johann Neidhart aufzulösen sind.

Sylvius Friedrich stammte aus der Schlesischen Seitenlinie der Württemberger Herzöge. Die 1647 geschlossene Ehe zwischen seinen Eltern Herzog Sylvius Nimrod und Herzogin Elisabeth von Münsterberg-Oels, der Erbin des Fürstentum Oels, wurde die Grundlage einer fast drei Jahrhunderte andauernden württembergischen Herrschaft in Schlesien. Der Nürnberger Medailleur und Münzstempelschneider Johann Neidhart stand seit 1674 in den Diensten der Herzöge von Württemberg-Oels und schuf für die offensichtlich sehr auf Repräsentation bedachten Fürsten in den kommenden drei Jahrzehnten eine bemerkenswert große Zahl von Münzen- und Medaillen.

Die Rückseite der Medaille zeigt in der oberen Hälfte einen aus einer Wolke herausragenden Arm, der einen Herzogshut in die Strahlen der Sonne hält. In der unteren Hälfte ist ein Polster zu sehen, auf dem ein von Lorbeerzweigen umranktes Szepter liegt. Die zweizeilige, links oben beginnende und vollständig ausgeschriebene Umschrift lautet: EBERHARDUS BARBATUS EX UTROQUE IMMORTALIS – DER HATT DIE HERZOGS WURDE BRACHT 1495. 21. JULI UND TUBINGEN BERUHMT GEMACHT 1477. 3. JULI. Unter dem Polster sind schließlich Prägeort und Prägedatum der Medaille genau benannt: OLS, SILESIORUM. 1677.

Mit der Rückseite der Medaille wird der ferne Vorfahr Eberhard im Bart (1445-1496) gewürdigt, der ihr zu Folge aus zwei Gründen unsterblich geworden ist: die Erlangung der Herzogswürde am 21. Juli 1495 - und damit die territoriale Festigung Württembergs -, sowie das "Berühmtmachen" Tübingens. Das genaue Datum 3. Juli 1477 konkretisiert, dass mit dem "Berühmtmachen" die Gründung der Tübinger Universität gemeint ist. Das eigens angegebene Prägedatum lässt das Jubiläum erkennen und verweist auf den Anlass zur Ausgabe der Medaille.

Im Kontext der reichen Medaillenausgabe nicht nur des Sylvius Friedrich, sondern der Schlesischen Seitenlinie der Württemberger überhaupt, scheint es, dass das 200-jährige Jubiläum der Universität Tübingen vor allem zum Anlass genommen wurde, eine weitere Medaille zum Ruhm des eigenen Stammhauses herauszugeben. So wurde auch die Festigung des Andenkens an die großen Leistungen Eberhards im Bart der eigenen Legitimation dienstbar gemacht.

Reinhard Wolters

 

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Info / © Universität Tübingen Stand: 02.05.2002