Highlights 2003

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Fund von Königsstatuen in den Königsgrüften von Qatna

Tübinger Archäologen liefern ersten Nachweis für Totenkult im Alten Orient

Hintergrundinformationen über die bisherigen Funde der Ausgrabungskampagne 2002 in Qatna:.

Das Team der Universität Tübingen (Altorientalisches Seminar) unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Pfälzner (Vorderasiatische Archäologie) hat am 10. November 2002 Königsgrüfte aus der Späten Bronzezeit unter dem Palast der Herrscher von Qatna (Syrien) entdeckt. Die sensationelle Entdeckung gelang dem deutschen Ausgrabungsteam während einer zweimaligen Verlängerung der eigentlich auf Anfang Oktober terminierten Ausgrabungskampagne des Sommers 2002. Die Verlängerung der Arbeiten war notwendig geworden, nachdem ein Archiv mit Keilschrifttafeln in einem Korridor des Kellergeschosses des Palastes entdeckt worden war (darüber war im September in der internationalen Presse berichtet worden). Die jetzt entdeckten Grüfte bestehen aus mehreren unterirdischen Felskammern. Sie sind mit steinernen Sarkophagen ausgestattet und besitzen ein umfangreiches Inventar an Grabbeigaben. Zum ersten Mal in der Archäologie Syriens ist es damit gelungen, königliche Gräber mit erhaltenem Grabinventar aus der Bronzezeit aufzudecken. Dieser Fund wird folglich erstmals ein Licht auf die Bestattungsweise und die Grabausstattung altsyrischer Könige werfen.

Die unterirdischen Grüfte waren direkt vom Palast aus zugänglich. Eine Treppe, die ihren Ausgang höchstwahrscheinlich vom Thronsaal aus nahm, führte zwischen den Fundamenten des Palastes in die Tiefe. Am Ende der Treppe erreichten die Archäologen zunächst eine Tür, die mit einer verkohlten Holzrahmenkonstruktion versehen war. Sie liegt ca. 4 Meter unter den Fußböden des Palastes. Die Tür öffnet sich auf einen 40 Meter langen Korridor, der im Niveau beständig abfällt, bis er eine Tiefe von ca. 7 Metern unter den Fußböden des Palastes erreicht. Er war früher mit einer Holzdecke abgedeckt, von der noch erhaltene Dachbalkenauflager ein deutliches Zeugnis ablegen. Der Gang war auf diese Weise gegenüber den darüberliegenden Palasträumen abgeschlossen. Nach einem weiteren Türdurchgang endet der Gang vor der hier sehr tief hinabreichenden Außenmauer des Palastbezirkes. Daraus ist zu schließen, dass der Korridor keine Verbindung zwischen dem Palast und der Unterstadt von Qatna gebildet haben konnte. Stattdessen knickt der Korridor an seinem Ende ab und mündet in eine tiefe Kammer, die auf einer Seite in den Fels gehauen war und auf der anderen Seite mit einer schweren Steinmauer eingefaßt worden ist. Dies ist die Außenkammer der Grabanlage. Somit handelt es sich bei dem langen Korridor um einen direkten Verbindungsgang zwischen dem Thronsaal des Palastes und den königlichen Grüften.

Von der Außenkammer führt ein Türdurchgang in das Innere der Grabanlagen, die vollständig in den Fels gehauen sind. Die Grabkammer ist unverschüttet, kann aber noch nicht betreten werden, zum einen weil der Eingang durch Erde und Schutt blockiert ist, zum anderen weil sich innerhalb der über Jahrtausende von der Luft abgeschlossenen Kammer giftige Schimmelpilze ausgebreitet haben könnten, die schon manchem Archäologen zum Verhängnis geworden sind. Es wird wohl noch mindestens eine Woche dauern, bis die Grabkammer für die Archäologen betretbar sein wird.

Allerdings gestattete eine Öffnung in dem verschütteten Eingangsbereich bereits einen Blick in das Innere. So konnten mit Hilfe einer eingeführten langen Stange und darauf montierter Filmkamera von einem Team des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) bereits erste Aufnahmen vom Innenraum gemacht werden. Die Kammer enthält einen Sarkophag sowie zahlreiche Gefäße aus Keramik, Alabaster und Granit, die auf steinernen Bänken an zwei Seiten der Kammer stehen. Es handelt sich in einigen Fällen offensichtlich um ägyptische Gefäße, die Geschenke von ägyptischen Pharaonen an die Könige von Qatna gewesen sein könnten.

Außerdem läßt sich bereits jetzt erkennen, daß von der Hauptkammer Zugänge zu drei weiteren Grabkammern vorhanden sind. In einer dieser Nebenkammern lässt sich bereits ein weiterer Sarkophag erkennen. Dies beweist, daß in diesen Felskammern mehr als eine Bestattung vorgenommen wurde. Folglich dürfte es sich um die Grüfte des Herrscherhauses von Qatna handeln. Die Bestattungen datieren wahrscheinlich in das 14. Jahrhundert vor Christus.

 

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Info /Alle Rechte an den Bilder und Texten: © Universität Tübingen Stand: 28.11.2002