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Tübingen, 13. Juli 2006
Universität Tübingen setzt Ausgrabungen in Troia fort
Grabungslizenz von türkischer Antikendirektion erteilt
Ein Team der Universität Tübingen wird im Juli und August
dieses Jahres die Ausgrabungen in Troia fortsetzen. Die Projektleitung
hat Prof. Dr. Ernst Pernicka übernommen, der die Arbeiten zusammen
mit Dr. Peter Jablonka und einer internationalen Forschergruppe
durchführen
wird. Alle Beteiligten arbeiteten seit vielen Jahren eng mit
dem im Vorjahr verstorbenen Grabungsleiter Prof. Dr. Manfred O. Korfmann
zusammen. Die türkische Antikendirektion hat nun eine Grabungsgenehmigung
erteilt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird die wissenschaftlichen
Arbeiten auch in den nächsten Jahren fördern. Ziel der
Grabungen ist die Klärung offener Fragen zur bronzezeitlichen
Stadtbefestigung sowie untergeordnet die Überprüfung von
neuen Hinweisen auf die Anwesenheit von bronzezeitlichen Gräbern.
An der Nordostbastion der Burg wurde in den vergangenen Jahren
ein Bauwerk aus Stein und Lehmziegeln teilweise ausgegraben, das als
Ansatz einer Stadtmauer mit Tor gedeutet werden kann. Auch das
soll durch eine vollständige Ausgrabung dieser Strukturen geklärt
werden.
Der Hauptakzent der wissenschaftlichen Arbeiten wird aber auf
der Auswertung und Publikation der Ergebnisse der langjährigen
Grabungen sowie der dauerhaften Archivierung der Dokumentation
liegen. Hier wird weiter mit einer Forschergruppe in den USA unter der
Leitung
von Prof. Dr. Charles Brian Rose (University of Pennsylvania,
Philadelphia, und University of Cincinnati) zusammengearbeitet werden,
die schon
bisher für das griechische, römische und byzantinische
Troia zuständig war. Prof. Dr. _lhan Kayan und seine Mitarbeiter
werden ihre Forschungen zur Veränderung der Landschaft und Umwelt
fortsetzen. Darüber hinaus sind Laboruntersuchungen des umfangreichen
Fundmaterials an der Universität Tübingen und im Curt-Engelhorn-Zentrum
Archäometrie in Mannheim geplant.
Die Erhaltung und Restaurierung der Ruine und ihre Erschließung
für mehrere hunderttausend Besucher im Jahr mit Besucherwegen
und Informationstafeln wurde schon bisher von der Troia-Grabung neben
der wissenschaftlichen Arbeit übernommen. Zwei wichtige Projekte,
für die sich das Troia-Projekt der Universität Tübingen
und die beiden TroiaStiftungen in Tübingen und Çanakkale
stark engagieren werden, sind die Erstellung und Umsetzung von Plänen
für die Erhaltung, Restaurierung und Präsentation der Fundstelle
sowie der Bau eines Museums vor den Toren Troias. In Zusammenarbeit
mit der University of Cincinnati (School of Architecture) wird ein
detailliertes Konzept für die Betreuung und Nutzung der Fundstelle
erstellt werden.
Troia wurde 1998 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes
aufgenommen. Bereits 1996 wurde die umgebende Landschaft zum
Historischen Nationalpark erklärt. Das Troia-Projekt fühlt sich
nach wie vor auch für die Entwicklung und den Schutz der Landschaft
in der Umgebung Troias - auch über die Grenzen des historischen
Nationalparks Troas hinaus - verantwortlich. Deshalb wird derzeit
eine historisch-geographische Karte erstellt, die detaillierte
Angaben zur touristischen Infrastruktur, zu Kulturdenkmälern und schützenswerter
Natur enthält.
Es wird nun immer wahrscheinlicher, dass in naher Zukunft auch
der seit langem beabsichtigte Bau eines Museums vor den Toren
Troias verwirklicht wird. Die Firma Kalebodur A. _., ein in der Region Çanakkale
beheimatetes Unternehmen in Familienbesitz, will dieses Projekt zusammen
mit dem türkischen Kulturministerium und den beiden TroiaStiftungen
als "Public Private Partnership" übernehmen. Zunächst
soll ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden.
Die TroiaStiftungen in Tübingen und Çanakkale und das
Troia-Projekt an der Universität Tübingen werden sowohl
bei den Planungen für die Betreuung der Fundstelle als auch
bei der Planung und Einrichtung des Museums eine wesentliche Rolle
spielen und an beiden Projekten intensiv mitarbeiten.
Die beiden TroiaStiftungen haben es in Erfüllung des Vermächtnisses
von Prof. Korfmann übernommen, dessen umfangreiche Privatbibliothek
zu katalogisieren und anschließend in Çanakkale der
Troia-Forschung zur Verfügung zu stellen. Die Stadt Çanakkale
hat der Troia-Stiftung in großzügiger Weise ein Haus zur Verfügung
gestellt, das zurzeit mit Unterstützung von Sponsoren renoviert
wird.
Ansprechpartner und nähere Informationen:
Prof. Dr. Ernst Pernicka
Troia Kazisi
Tevfikiye Köyü
TR-17120 Çanakkale
Tel. ++90-(0)286-283 04 74
Fax ++90-(0)286-283 06 09
Email: ernst.pernicka@uni-tuebingen.de
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