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Tübingen, 25. Oktober 2007

Schnecken als trickreiche Baumeister

Aktive Tarnung bei Schnecken - Veröffentlichung in Zoological Science

Napaeus barquini beim Modellieren eines Flechtenhöckers. Die gesamte Schalenoberfläche ist mit diesen außergewöhnlichen Höckern überzogen. Foto: Christoph Allgaier, Tübingen
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Manche Landschneckenarten tragen auf ihrem Gehäuse zur Tarnung eine Schicht aus Erdkrümeln. Ungeklärt war bislang, wie die Partikel auf die Schale kommen. Der Biologe Christoph Allgaier von der Eberhard Karls Universität Tübingen hat eine besonders bizarr getarnte Schnecke namens Napaeus barquini daraufhin untersucht und Überraschendes entdeckt: Diese auf der kanarischen Insel La Gomera lebende Art fertigt ihr eindrucksvolles Tarnkostüm selbst, indem sie während einer komplexen Verhaltensweise Flechtenstücke vom felsigen Untergrund abweidet und mit dem Mund auf ihre Schale aufträgt. Selbst junge Schnecken sind dazu in der Lage. Damit baut die Schnecke auf ihrem Gehäuse ein Gebirge aus bizarren Höckern. Diese Modellierung des aufgebrachten Materials mit Hilfe des Mundes ist ein bislang beispielloses Verhalten. Diese Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Zoological Science (24: 869-876 (2007) doi: 10.2108/zsj.24.869) veröffentlicht.

Drei Flechtenhöcker in einer rasterelektronenmikroskopischen Aufnahme. Das Flechtenmaterial wird von der Schnecke auf der Schalenoberfläche aufgeklebt. Foto: Christoph Allgaier, Tübingen
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Die etwa ein Zentimeter große Schneckenart lebt an flechtenüberwachsenen Felswänden. In einzigartiger Weise modelliert die Schnecke das Material während des Aufbringens auf dem Gehäuse mit dem Mund und formt es zu langen, abstehenden Höckern. Die Mächtigkeit der aufgesetzten Flechtenhöcker kann dabei bis zum Hundertfachen der eigentlichen Schalendicke betragen. Auch an der entferntesten Stelle der Schale wird Flechtenmaterial mit dem Mund aufgebracht, da die Schnecke in der Lage ist, sich verblüffend weit aus ihrem Gehäuse herauszustrecken.   Dank dieser Tarnung sind die Umrisse der Schneckenschale auf den offenen Felsflächen kaum noch auszumachen. Dies ist vermutlich eine Anpassung an natürliche Feinde wie Vögel und Eidechsen.

Um auch an der Gehäusespitze Flechtenmaterial aufzubringen, streckt sich die Schnecke extrem weit aus ihrem Gehäuse. Foto: Christoph Allgaier, Tübingen
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Durch Allgaiers Untersuchung wurde erstmals bei einer getarnten Landschnecke nachgewiesen, dass der Tarnüberzug auf der Schale vom Tier selbst aufgebracht wird. Es handelt sich im Gegensatz zu bisherigen Vermutungen um einen aktiven Vorgang. Die untersuchte Art zeigt darüber hinaus ein bislang nicht beschriebenes Tarnrelief, welches auch von keiner anderen Art bekannt ist. In den bislang bekannten Fällen tarnen sich Schnecken nämlich mit einem flachen Überzug auf ihrer Schale.

Publikation im Internet

http://www.bioone.org/perlserv/?request=get-abstract&doi=10.2108%2Fzsj.24.869

Video zum Artikel

http://home.arcor.de/christoph.allgaier/videofile.htm

Informationen und Kontakt

Christoph Allgaier
Zoologisches Institut
Abteilung Evolutionsbiologie der Invertebraten
Auf der Morgenstelle 28
72076 Tübingen
Tel.: 0 70 71/2 97 26 16
E-Mail: christoph.allgaier@uni-tuebingen.de

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Eberhard Karls Universität Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 - 72074 Tübingen

Tel.: (07071) 29 - 7 67 89 - Fax: (07071) 29 - 5566
E-Mail: Michael.Seifert@uni-tuebingen.de

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