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Ein Blick auf Deutschland - mal andersDeutsche ZügeSeit meiner Kindheit bekomme ich zu hören, dass die deutschen Züge immer pünktlich seien. Der Ruf der deutschen Züge war sagenhaft. Nach meiner Erfahrung aber ist diese Pünktlichkeit ein Mythos. Ich habe viele Reisen mit deutschen Zügen gemacht und habe fast immer Verspätungen erlebt und manchmal sogar Anschlüsse verpasst. Wie lange dauert die Fahrt von Tübingen nach Freiburg? Nach Auskunft des Reisezentrums nur drei Stunden mit drei kurzen Zwischenaufenthalten. Und wenn nun aber der Zug aus Stuttgart in Richtung Zürich elf Minuten Verspätung hat? Wegen dieser kleinen Verspätung habe ich am letzten Samstag meinen nächsten Anschluss verpasst und bin plötzlich in der Stadt Rottweil gelandet. Es wäre nett gewesen, wenn das Reisezentrum offen gewesen wäre. Aber es war geschlossen. Also hatte ich keine andere Wahl, als selbst auf den gelben Abfahrtsplan zu schauen, wann der nächste Zug kommen würde und ich sah, dass ich zwei Stunden in dieser kleinen Stadt verbringen musste. Vielleicht würde ich auch beim nächsten Umsteigen zwei Stunden warten müssen. Oder vier Stunden? Vielleicht würde es auch keinen Zug bis zum nächsten Morgen geben...! Rottweil. Ich hatte von dieser Stadt noch nie gehört. Als ich aus dem Bahnhof herauskam, konnte ich die Stadt sehen. Alte Gebäude und Kirchtürme aus dem Mittelalter tauchten malerisch über einer Reihe grüner Bäume auf. Wie schön. Ich fühlte mich wie im 16. Jahrhundert. Ein kurzer Spaziergang und ich war in der Altstadt. Die schönen, alten Gebäude schimmerten in den hellen Sonnenstrahlen und sahen aus wie neu. Ich war echt bezaubert. Wenn die Züge schon nicht ohne Fehler sind, haben sie mich wenigstens an einen wunderschönen Ort transportiert. Deutschland - ganz anders, aber schön"Hallo! Guten Tag!" hat der Zollkontrolleur zu mir gesagt. Das war der erste deutsche Satz, den ich in Deutschland gehört habe. Damals war ich sehr nervös und hatte auf einmal alle deutschen Wörter vergessen. Zum Glück hat er mir nicht so viele Fragen gestellt. Das war mein erster Kontakt und mein erster Tag in Deutschland. Ganz spannend und andersartig. Meiner Meinung nach ist Deutschland eine andere Welt. Mittags ist das Wetter immer sehr heiß, wie in Taiwan, deswegen trage ich einfach nur ein T-Shirt, aber nach dem Unterricht wird das Wetter kalt und oft regnet es sogar. Ich finde es unglaublich, wie unterschiedlich hier die Temperaturen zwischen der Mittagszeit und dem Abend sind. In Deutschland muss man jeden Tag den Regenschirm mitnehmen, weil das Wetter sich so schnell verändern kann. In Taiwan ist das anders. Man nimmt dort den Regenschirm mit, um die Sonne zu meiden! Die Leute in Taiwan haben große Angst, zu braun zu werden. Das ist echt ein großer Unterscheid. Außerdem ist das Essen auch ein großes Problem. In Deutschland ist das wichtigste Nahrungsmittel das Brot. Man isst Brot zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Bei uns zuhause dagegen sind Reis und Nudeln am wichtigsten. Manche Leute essen zwar auch Brot zum Frühstück, aber nicht zu jeder Mahlzeit. Zu Mittag und Abend essen wir warm, z.B. gebratenen Reis mit Schweinefleisch und Ei, Fischsuppe... und so weiter. Für uns ist das Mittagessen wichtiger als das Frühstück, und das Abendessen ist am aller wichtigsten. Der Abend ist die Zeit, um mit der Familie zusammen zu kommen, das Essen zu genießen und sich miteinander zu unterhalten. Man isst viel und geht spät ins Bett. Auch Kinder gehen oft erst um 22.00 Uhr ins Bett. Obwohl Wetter und Essen hier ganz anders sind, habe ich mich jetzt schon daran gewöhnt. Aber da gibt es noch die Sprache! Um mich an die Sprache zu gewöhnen, brauche ich mehr Zeit: ich muss mehr Wörter lernen, Hören und Sprechen üben. Ich habe mir viel Mühe gegeben und hoffentlich ist mein Deutsch nach dem Sommerkurs viel besser und mein Blickfeld vergrößert. Deutschland ist... ganz anders, aber schön. Nichts ist endgültig"Deutschland" ein schönes Wort und ein Traum für mich. Vor allem lerne ich schon seit Jahren Deutsch. Man hat mich immer gefragt: "Wie gefällt dir Deutschland?" Das ist sehr schwer für mich zu sagen. Warum? Immer wenn ich in Deutschland bin, denke ich nämlich anders darüber. Aber alles kenne ich aus eigener Erfahrung. Eines Tages war ich allein im Zug mit einem Koffer, um nach Schwäbisch Hall zu fahren. An einem Bahnhof stiegen zwei alte Frauen ein. Damals saß ich einfach mit meinem Koffer auf dem Platz und machte nichts. Als die zwei Frauen mich sahen, sagten sie plötzlich "Blöde Chinesen." Darüber war ich so traurig und enttäuscht. Ich wußte nicht, was ich falsch gemacht hatte. Meine Augen standen schon voller Tränen. Am 13. August war ich noch einmal mit Freunden aus Taiwan in der Bahn ohne Koffer, um nach Bonn zu fahren. An einem Bahnhof stiegen wieder zwei alte Frauen ein. Alle Plätze waren schon besetzt, deswegen gaben meine Freundin und ich ihnen die Plätze. Für uns ist das ziemlich normal. Eigentlich machten wir nichts Besonderes. Aber die zwei Frauen sahen sehr glücklich aus und sagten zu uns dauernd "Vielen vielen Dank. Es ist sehr nett von Ihnen. Die jungen Leute in Deutschland machen das jetzt nicht mehr." Dann begannen sie sich mit uns zu unterhalten und erzählten uns viel über Bonn. Wir schwebten im siebten Himmel. Die einzige unveränderte Sache ist die Veränderung. Nichts ist endgültig. Jede Sache hat zwei Seiten. Ich kann nicht sicher sagen, ob mir Deutschland gefällt. Was ich sagen kann ist, dass ich hier Deutsch lerne und die Kultur erfahre, und dass ich das Leben genieße Sauberkeit und OrdnungDeutsche sind weltberühmt für ihre Liebe zur Sauberkeit und Ordnung. Aber der Ort, wo man diese Eigenschaften der deutschen Gesellschaft bemerken kann, ist leider nicht das Studentenwohnheim, wo ich während meines Aufenthalts in Deutschland für einen Monat wohne. Obwohl alle meine Mitbewohner Deutsche sind, habe ich, wenn es um das Aufräumen geht, den Eindruck, viel mehr ein Deutscher zu sein als sie es sind. Erstens muss ich sagen, dass ich nichts gegen Mülltrennung habe. Im Gegenteil, ich finde Mülltrennung eine tolle Idee. Aber wenn man vier verschiedene Müllbehälter statt eines einzelnen hat, muss man Müll viermal öfter wegfahren! Meine Mitbewohner wussten das leider nicht und das erste, was ich, nachdem ich eingezogen war, bemerkte, war der schreckliche Geruch, der aus dem Behälter mit der Aufschrift "Biomüll" austrat. Ganz schnell bekam ich von meinen Mitbewohnern Aufräum-, Spül und Putzpflichten mitgeteilt. Leider war ich der Einzige, der seine Pflicht tat. Überdies hatten die Leute von meiner WG selbst große Schwierigkeiten, ihr eigenes Geschirr zu spülen oder Brotkrümel nach dem Essen vom Tisch zu kehren. Und so war mein Stereotyp des ordnungsliebenden Deutschen völlig zerstört. Erst nach ein paar Tagen dachte ich darüber nach und kam auf die Idee, dass ich vielleicht in meiner WG keine typischen Deutschen, sondern Studenten getroffen hatte. Fremdwörter und WeltmächteIn Deutschland ist die Übernahme von Fremdwörtern keine neue Geschichte. So gab es zum Beispiel im achtzehnten Jahrhundert, als die Deutschen unter französischer Kultur-Vorherrschaft waren, das Wort "Gewissensfreiheit" noch nicht, statt dessen benutzte man "liberté de conscience". Die Verwendung von Anglizismen dagegen begann erst viel später und ufert heute immer mehr aus. Meines Erachtens bräuchte die deutsche Sprache heute dringend eine "Reinigung" vom "Denglisch". Viele Deutsche denken, dass englisch irgendwie cool klingt und dass "wireless" zum Beispiel eine Bedeutung hat, die "drahtlos" nicht haben kann. Aber für die Ohren eines gebürtigen Amerikaners klingen Anglizismen ungebildet und kitschig, zum Beispiel bei Wörtern, die im Englischen gar nicht existieren, wie "Handy" oder "Beamer". Der wirklich Englischsprechende bekommt leicht den Eindruck, dass die Deutschen, die gerne Anglizismen benutzen, englische Begriffe eigentlich kaum verstehen. Durch ihre Anglizismus-Gier verlieren die Deutschen ihre eigene Kultur und Geschichte. Es gibt beispielsweise in der Sprachwissenschaft den ursprünglich deutschen Begriff "Sprachlaut". Den Franzosen hat dieses Wort gefallen und sie haben ihn als "son de langage" in ihre Sprache übertragen. Nun klingt das im Französischen nicht so schön wie im Deutschen, weshalb sich daraus das Wort "le phonème" entwickelt hat. Die englische Sprache hat nun dieses Wort wiederum einfach übernommen als "the phoneme". Und über diesen Umweg ist der Begriff mittlerweile wieder in das Deutsche zurückgekehrt, als "das Phonem". Meinen die heutigen Sprachwissenschaftler jetzt etwa, dass dieses Wort jetzt besser aussieht als "der Sprachlaut", oder haben sie einfach einen weltenbummelnden verloren gegangenen Sohn wieder entdeckt? Jedenfalls ist der deutsche Begriff in Deutschland fremd geworden. Hier in Tübingen ist es sogar soweit gekommen, dass die allgemeine Sprachwissenschaft hauptsächlich auf Englisch unterrichtet werden soll. Dadurch trägt das Fach, das eigentlich die Mannigfaltigkeiten und Besonderheiten der deutschen Sprache schätzen sollte, dazu bei, die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache umzubringen. Ein deutscher Philosoph namens Feuerbach hat einmal gesagt, "man ist was man isst". Damit hat er nicht gemeint, dass derjenige, der immer Süßigkeiten isst, nett und freundlich wird, während derjenige, der viel Fleisch isst, immer habgieriger und betrügerischer wird, sondern dass man nicht mehr ist als seine körperlich- physikalischen Bestandteile. Dieses Sprichwort ist in das Englische als "You are what you eat" übersetzt worden, weil man im Englischen das Wort "man" nicht hat. Vor ein paar Wochen wiederum habe ich in der Mensa in der Wilhelmstraße ein Schild gesehen, auf dem stand: "Du bist was du isst". Wahrscheinlich hat der Typ, der das geschrieben hat, keine Ahnung von Feuerbach. Für mich als Amerikaner ist Amerika das Land des Irakkriegs, das Land, das gegen das Kyoto-Protokoll gestimmt hat und das Land, das Gefangene in Guantanamo hält, ohne die Genfer Konventionen zu befolgen. Wie kommen die jungen Deutschen nur auf die Idee, dass ihre Sprache "besser" wäre, wenn es überall von "Amerikanismen" beschmutzt wird? Damit betonen sie nur ihre Unterwürfigkeit unter das Imperium Amerikas. Die Schönheit DeutschlandsEs ist immer kalt, egal ob mit Sonne oder ohne. Blumen und Bäume sind überall. Die Deutschen sind wirklich nett und hilfsbereit. Aber passt auf! Sie mögen keine Solidarität. Was aber mögen sie? Individualismus und Pünktlichkeit. Hier können die Frauen Taxi- oder Busfahrerinnen werden. Die Deutschen sind auch sehr organisiert. Die Dächer der Häuser sind überall rot, und es ist schwer, ohne Ortschild einen Unterschied zwischen den Dörfern zu erkennen. Umweltfreundlich? Ja! Bitte trennen Sie den Müll! Auch die Straßen sind ganz sauber. Überhaupt ist alles schön. Cafés und DeutschlandVier Brezeln, ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, zwei Kugeln Eis... Kein Wunder, dass ich ab und zu Bauchschmerzen habe! Während dieser zwei Wochen habe ich jeden Tag ein Tasse Kaffee und etwas Gutes zum Kaffee gehabt. Die Kaffeekultur ist hier anders als in meinem Dorf in Finnland. In meiner Heimat gibt es nicht so schöne Cafés wie zum Beispiel hier in Tübingen. Das schöne Wetter, freundliche Leute, eine Tasse Kaffee mit einer leckeren Torte im Café. Das genieße ich! In den Bäckereien und Cafés gibt es so viele verschiedene Arten von Kuchen, dass ich jeden Tag etwas Neues probieren kann/muss. Die Atmosphäre gefällt mir sehr! Bitte noch ein Stück Torte! Die schwierige deutsche VergangenheitFür die Deutschen ist es schwer, über die Nazigeschichte und die DDR zu sprechen. Das sind die dunklen Seiten der deutschen Geschichte. Aber jedes Jahr publizieren die Herausgeber zahlreiche Bücher zu diesen Themen und die Wissenschaftler diskutieren viel darüber. Einige Forscher benutzen beispielsweise gern die Interpretation des "Sonderwegs", für den die Deutschen in den Jahren 1919, 1936 und 1945 einen hohen Preis gezahlt haben, weil sie 1848/49 die Demokratie verspielt haben. Also, das ist doch kalter Kaffee! Die Herausforderung, der Deutschland angesichts dieser dunklen Seiten gegenüber steht, ist die Ausbildung der Jugend und das Verhalten der Deutschen. Im Studentenwohnheim habe ich ein paar deutsche Studenten getroffen, mit denen ich mich lange unterhalten habe. Sie finden, dass die Deutschen freundlich sind, weil sie ein besseres Image haben möchten. Das heißt, auf jeden Fall ist die Freundlichkeit die Grundlage der weiteren historischen Entwicklung. Ich glaube, die Deutschen reagieren auf eine positive Weise: Sie nehmen die dunkle Vergangenheit auf sich; sie bewahren die Konzentrationslager als Gedenkstätten und alle Dokumente darüber. Wissenschaftler können an diese Dokumente einfach herankommen und kritische Untersuchungen über Nazideutschland und die DDR schreiben. Und die politischen Parteien haben Stiftungen gegründet, um den Bürgern das Konzept der Demokratie zu vermitteln. Das ist fortschrittlicher als in manchen Ländern. In China und Russland beispielsweise sind die Dokumente und Verträge der kommunistischen Ära nicht öffentlich zugänglich. Man weiß also nicht, was wirklich passiert ist. Man kann nicht aus den Fehlern lernen, wenn man nicht weiß, was in der Vergangenheit passiert ist. Deutschland hat etwas für den Frieden getan. Nächstes Mal, wenn gefragt wird, für was Deutschland besonders bekannt ist, antwortet man vielleicht einfach: für alles - nicht nur für Krieg, Hitler und Stasi! Aus den USA nach DeutschlandAls ich zuerst nach Deutschland gekommen bin, habe ich keine Idee gehabt, was mich erwartet. Ich mach alles auf die letzte Minute. Ich habe wörtlich meine Koffer in der Nacht vor dem Flug nach Deutschland gepackt. Dann bin ich in New York angekommen. Ich habe den Mann getroffen, der im Sitz neben mir, für die nächsten neun Stunden sitzen würde. Er kam aus Berlin, und hat sofort auf Deutsch mit mir zu sprechen begonnen. Ich werde in einem Land sein, wo ich die Sprache nicht sprechen kann. Ich muss mich neuen Leuten öffnen, um neue Erfahrungen auszutauschen. Ich werde meine Schüchternheit überwinden müssen, um zu überleben. Auf diesem Flug habe ich gelernt, dass die Deutschen sehr nett sind. Wenn Sie einen deutschen Freund haben, glaube ich wirklich, dass Sie einen Freund fürs Leben haben werden. Im Gegensatz zu den meisten Studenten in der Sommerakademie und im Sommerkurs werde ich ein Jahr in Deutschland bleiben. Ich habe Deutsch zu meinem Hauptfach erklärt. Ich habe nur zwei Jahre Deutsch studiert. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, habe ich den Mann aus Berlin noch einmal gesehen. Er sagte mir gesagt, was ich machen muss, um nach Tübingen zu kommen. Eine halbe Stunde später, war ich im Zug von Frankfurt nach Stuttgart. Ich hatte das Badezimmer lange nicht benutzt. So, natürlich bin ich ins Badezimmer gegangen! Ich wurde SO verwirrt. Warum hatte die Toilette kein Wasser? Wofür waren die Knöpfe ÜBER der Toilette? Ich habe gewusst, dass sie nicht defekt war. Jemand hatte sie schon vorher benutzt. Also habe ich versucht, meine Papierhandtücher dort einzuwerfen, wo die Knöpfe sind, die wie ein amerikanischer Papierhandtuchkorb ausgesehen haben. Dann hat die Toilette gespült. Schauen Sie an, was ich vollendet habe! Ich habe gelernt, eine deutsche Toilette zu spülen! In den ersten wenigen Tagen habe ich gelernt, dass ich meine Geräte in meinem Zimmer aus der Steckdose ziehen muss, wenn ich sie gerade nicht benutze. Wie hätte ich wissen könnten, dass mein Wecker, wenn man ihn eingesteckt, explodieren würde? In der kurzen Zeit, in der ich hier gewesen bin, habe ich eine Verbesserung bei meinem gesprochenen Deutsch bemerkt. Ich habe auch keine Angst, Leute nach dem Weg zu fragen. Mich vor dem Elektromarkt Saturn zu verlaufen, war wirklich schlimm für mich. Ich habe gelernt, dass ich fragen muss, wenn ich etwas nicht weiß. Ich freue mich auf mein nächstes Jahr in Deutschland. Ich weiß, dass ich jeden Moment genießen werde. Wenn ich höre "Das alles ist Deutschland" von den Prinzen, habe ich ein riesiges Lächeln auf meinem Gesicht. Ich bin tatsächlich hier in Deutschland! Manchmal glaube ich es noch nicht. Die deutschen RestaurantsAls ich nach Deutschland kam und eine Tutorin mir mein Studentenwohnheim zeigte, zeigte sie mir auch die Küche. Ich sah den Raum an und dachte, dass es für mich nicht besonders wichtig ist, wie die Küche aussieht, weil ich nicht die Absicht hatte, selbst etwas zu kochen. Ich hatte keine Ahnung, dass es für mich ein Problem wird, einen Platz zu finden, wo ich normales Essen bekommen kann. Besonders deutlich fühlte ich das samstags und sonntags. Ich komme in ein Restaurant, da sagt man mir, dass es zu früh ist und sie noch kein Essen haben. O.k. Ich beschließe in eine Bäckerei zu gehen, um ein Croissant zu kaufen - auch geschlossen. Nervös und enttäuscht will ich in einem Supermarkt etwas kaufen - geschlossen. Da finde ich eine Bäckerei, die fast leer ist, aber man kann noch etwas kaufen; ich kaufe ein Stück Kuchen und suche weiter nach einem Restaurant, um doch noch ein richtiges Abendessen zu bekommen. Ein Restaurant! Gut! Hier habe ich schon einmal gegessen. Ich treffe ein und bekomme eine andere Antwort - es ist zu spät und es gibt kein Essen mehr. Es bleibt nur McDonalds, wo es immer etwas zu essen gibt, das zwar nicht teuer ist, aber auch nicht sehr gut. Natürlich bin ich überzeugt, dass die Deutschen keine solchen Probleme haben, weil sie schon wissen, wo und wann sie etwas finden können. Aber für mich ist es wirklich schwer, weil es in Moskau eine Menge Supermärkte gibt, die auch nachts geöffnet haben, und wenn ein Restaurant geöffnet ist (und fast alle Restaurants sind bis Mitternacht oder auch darüber hinaus geöffnet), so kann man dort alles bestellen, was auf der Karte steht und nicht nur Getränke. Ich finde es schade, dass ich wahrscheinlich erst wissen werde, wann und wo ich etwas finden kann, wenn ich nach Hause fahre. Im Land der RiesenIch habe hier zum ersten Mal ein Kebab gekauft. Ich habe die Verkäuferin gefragt, ob es wirklich für eine Person ist, weil es viel zu groß für mich war. Als ich bei einer Radtour mitgemacht habe, bekam ich ein Rad ausgeliehen. Aber ich war überrascht, weil alle Räder viel zu hoch waren. Also habe ich den deutschen Tutor gefragt, ob sie nicht ein Rad für Kinder hätten. Er hat natürlich gesagt, "nein leider nicht." Um zu baden, musste ich einen Bikini kaufen. Ich bin also in ein Geschäft gegangen und habe einen ausgesucht. Das war natürlich ein Bikini für Kinder. Und trotzdem war er noch groß für mich. Deswegen wäre er im Thermalbad um ein Haar von mir abgefallen... Die deutsche Café-KulturIn Tübingen gibt es im Sommer sehr viele Cafés, die Tische auf der Strasse stehen haben. Dort kann man einen Cappuccino, ein Bier, ein Stück Kuchen oder ein Eis bestellen und für ein oder zwei Stunden sitzen bleiben und den Tag genießen. Auch bei uns in Amerika gibt es viele Cafés, in denen man im Sommer draußen sitzen kann, die Erfahrung in Deutschland ist jedoch eine andere. In den Cafés in Amerika bestellen sehr viele Leute nur einen Kaffee zum Mitnehmen, da sie keine Zeit haben sich hinzusetzen, weil sie gleich zur Arbeit müssen. Falls sie sich doch im Café hinsetzen, bleiben sie nicht so lange. Meistens bestellen sie auch nur einen Kaffee oder ein anderes Getränk und nichts zu Essen. Auch kann man in einem amerikanischen Café keinen Alkohol bestellen und somit auch kein Bier trinken. Alkohol bekommt man nur in Kneipen und meistens nur abends. Im Gegensatz dazu kann man in Deutschland sehr viele Leute schon nachmittags in Cafes sitzen und Bier trinken sehen. Vielleicht können die Deutschen das tun, weil sie oft schon um 16.00 oder 17.00 Uhr mit der Arbeit fertig sind. Das geht in Amerika meist nicht, da dort die Menschen oft bis 19.00 Uhr arbeiten müssen. Die deutsche Café-Kultur ist viel entspannter als die amerikanische, und ich glaube, dass dieses Beispiel etwas über die Unterschiede der beiden Kulturen aussagt. Denn die Amerikaner arbeiten mehr und haben auch weniger Ferien - nur zwei Wochen im Jahr. Die Deutschen dagegen haben bis zu sechs Wochen frei. In Amerika geht alles schneller. Das kann Vor- und Nachteile haben. In Deutschland ärgert es mich manchmal, wenn es zwanzig Minuten dauert, bis ich die Rechnung vom Kellner bekomme und dafür auch noch zu ihm hingehen muss. In Amerika fragt man meist nicht nach der Rechnung, sondern der Kellner legt sie gleich auf den Tisch. Aber in Deutschland wäre das unhöflich. Diese entspannte Kultur der Deutschen kann manchmal zum Problem werden. Letztes Wochenende hatte ich schreckliche Kopfschmerzen und konnte kein Medikament bekommen, da die Apotheken am Samstag schon um 14.00 Uhr schließen und die Notapotheke so weit weg war, dass ich sie nicht mal mehr auf dem Stadtplan von Tübingen finden konnte. In einer solchen Situation wäre ich dann lieber in Amerika, wo die Apotheken vierundzwanzig Stunden geöffnet haben. Verkehrt oder einfach umgekehrt?Deutschland/Tübingen und die USA/Maryland unterscheiden sich in Kleinigkeiten, die eher unwichtig sind, aber manchmal zu lustigen Situationen führen. Das erste Beispiel, das ich aus eigener Erfahrung geben kann, ist das Schreiben der Zahl 1. Solche Kleinigkeiten werden aber sehr selten im Unterricht erwähnt. Folglich hatte ich davon nichts gewusst, als ich ersten Mal hierher gekommen bin. Als meine Eltern mir ein Paket sendeten, wurde es ans Zimmer 201 geliefert, obwohl ich im Zimmer 207 wohne. Damals hatte ich keine Ahnung, warum es so war, aber später habe ich erkannt, dass es wegen des Schreibstils der Zahl 7 war. Weil wir in den USA einfach "I" für die Nummer 1 schreiben, gibt es keinen Grund, einen Strich durch die 7 zu machen. Deshalb sieht eine amerikanische 7 wie eine deutsche 1 aus und umgekehrt. Die deutsche Bürokratie hat viel von meiner Zeit in Deutschland zum Fenster rausgeworfen. Es ist nicht genug, dass ich alles selbst erledigen muss, sondern alle Büros müssen auch noch unterschiedliche, kurze Öffnungszeiten haben. Als ich mich für das Sommersemester immatrikulieren wollte, musste ich mindestens sechsmal in dasselbe Büro gehen (zwei Büros musste ich gleich zweimal besuchen). Das Problem war, dass ich sie in einer festen Reihenfolge aufsuchen musste, und bei diesen Öffnungszeiten konnte ich nur ein Büro pro Tag besuchen. Ich musste also auf die Sprechstunden eines Büros warten, während das nächste Büro schon geöffnet hatte, und nachdem ich das erste Büro besucht hatte, war das zweite schon geschlossen... In den USA sind alle Büros an allen Werktagen von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Können Sie sich vorstellen, wie viel Zeit ich mit der deutschen Bürokratie vertan habe? Ich hätte während dieser Zeit die deutsche Kultur kennen lernen können. Oder doch - das ist die deutsche Kultur! Große AugenDas ist das erste Mal, dass ich Deutschland besuche. Was fällt mir hier auf. Schwer zu sagen. Vielleicht alles! Wir haben verschiedene Traditionen, deshalb finde ich alles interessant, überraschend und so weiter. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich hier immer große Augen mache, aber es gibt doch einiges, was ich nicht verstehen kann. Ich lebe in Moskau. Heute hat Moskau 12 bis 13 Millionen Einwohner. Man könnte denken, dass das zu viele sind, aber für mich ist das ganz normal. In Deutschland gibt es nicht so viele Leute und das fehlt mir sehr. Es ist so ruhig hier. Es ist nicht schlecht, aber bei uns ist es eben anders. Bei uns zuhause sind alle Gebäude groß, besonders im Zentrum. Hier dagegen ist es schwer, ein Haus (kein Wohnheim) zu finden, das höher als 3 Stockwerke ist. Die Straßen sind sauber. Überall sind Blumen. Was gefällt mir nicht? - Die Geschäfte, die schließen einfach zu früh. Für mich ist das sehr schwer. In Russland kann man auch in der Nacht noch etwas einkaufen. Bei uns ist das normal. Für unsere russische Mentalität ist es auch schwer zu verstehen, dass es verschiedene Sorten von Müll gibt. Über die Menschen hier denke ich nur Positives. Die Leute sind ruhig (zwar nicht immer und nicht alle - etwa die Jugendlichen - aber sonst). Sie sind pünktlich. In ihrem Leben muss alles geordnet sein. Es ist nicht schlecht, wenn alles an seinem Platz ist. Aber für mich persönlich ist es zu langweilig. Ich kann nicht ständig mit einem Zeitplan leben. Ich bin sehr dankbar gegenüber den Deutschen. Zuerst hatte ich Angst davor, mit jemandem Deutsch zu sprechen. Ich habe geglaubt, dass man mich nicht versteht. Aber hier leben Leute, die immer bereit sind, mir zu helfen (im Geschäft, beim Einkauf, im Bus mit der Fahrkarte und so weiter). Jetzt kann ich unbesorgt spazieren gehen, einkaufen, im Restaurant oder der Kneipe sitzen und sprechen, sprechen, ständig sprechen. Ich habe keine Angst mehr. Der herrliche Staat DeutschlandBevor ich hierher gekommen bin, hatte ich viele Ideen über die Deutschen und Deutschland gehabt. Zum Beispiel habe ich gedacht, daß die Deutschen sehr streng sind, nicht lächeln, dass die Arbeit für sie am wichtigsten ist und sie keine Zeit für Spaß haben. Aber das waren die negativen Vorurteile und es gab auch positive Vorurteile. Zum Beispiel hatte ich viele Vorstellungen über die fleißigen deutschen Menschen, die interessante Geschichte von Deutschland, die deutsche "Maschine" (wir sagen, wenn wir in Syrien von den Deutschen erzählen, die "deutsche Maschine", dass sie, die Deutschen, wie eine perfekte Maschine arbeiten, ohne mit der Arbeit aufzuhören). Aber, ich weiß, nämlich daß alle Vorurteile, die ich gehabt hatte, nur Unsinn sind, weil die Deutschen mehr Vorteile als Nachteile haben. Besonders die deutschen StudentenInnen sind sehr nett, höflich, hilfsbereit, behandeln alle Leute gleich, machen keine Unterschiede zwischen Arabern oder Franzosen, Amerikanern oder Afrikanern. Für mich ist diese Behandlung der Menschen am wichtigsten, da wir am Ende alle Menschen sind und es keine Unterschiede zwischen uns gibt. Deutschland ist wirklich, wie ich gedacht habe, ein tolles, herrliches Land, mit einer beeindruckenden Geschichte. Ich liebe Deutschland, die Leute, die Bäume, die Vögel und die Erde in Deutschland. Deutsch - eine MelodieSchon mehrmals war ich in Deutschland und immer bin ich von den deutschen Städten begeistert, die wunderschön sind, und die so aussehen, als ob sie noch heute unabhängig wären. Ich bin auch von der Pünktlichkeit der deutschen Züge und von den leckeren Vollkornbrötchen begeistert. Was einen besonderen Eindruck auf mich macht, ist die deutsche Sprache und besonders die gesprochene Sprache. Was ich daran so besonders finde, ist die Aussprache mancher Laute und die Melodie des Satzes. In meinem Land denken die Menschen üblicherweise, dass Deutsch sehr hart klingt und überhaupt nicht melodisch ist. Ich denke ganz anders darüber, und bin der Meinung, dass jede Sprache eine besondere Melodie hat. Ich mag die "deutsche Melodie", weil ich diese Sprache lerne. Vom Anfang meines Lebens an habe ich Deutsch als ein Lied betrachtet, aber ein Lied, das für die Ausländer nicht so leicht zu singen ist. Manchmal ist dieses Lied zu schnell, manchmal unverständlich, und sehr oft sind wir nicht damit zufrieden, wie wir es selbst singen. Deutsche Dialekte interessieren mich auch. Das ist ein sprachliches Phänomen, das überall existiert, aber nicht in gleichen Maßen. Die deutsche Sprache hat viele Dialekte, allerdings gehören sie nicht zu dem, was ich ein Lied nenne. Ich vermute, dass sie auch eine spezifische Melodie haben, aber diese kenne ich leider nicht. Was ich im Deutschen noch interessant finde, ist die Aussprache des Lautes "R", woran man sehr leicht erkennt, ob jemand Ausländer ist oder nicht. Mein großer Wunsch ist es, die deutsche Melodie gut singen zu können. Unerwartetes HeimatgefühlIch hatte keine Ahnung, dass so viel von meiner Kindheit und meinem Leben eigentlich deutsch war. Meine Mutter ist in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen. Sie kommt aus einem kleinen Dorf, das heißt Neurade, und sie ist in die U.S.A gegangen, um meinen Vater zu heiraten. Diese Reise ist meine dritte Reise nach Deutschland, aber ich habe erst jetzt realisiert, dass ich nicht als Amerikanerin erzogen wurde. Unser Essen ist deutsch, unsere Bilder sind deutsch, unsere Gardinen sind deutsch, unsere Geburtstags- und Weihnachtstraditionen sind deutsch. Ich erinnere mich an die Fotos aus meiner Kindheit - an meinem ersten Schultag habe ich ein Dirndl und eine Schultüte getragen. Letzte Woche habe ich die Geschäfte hier in Tübingen ein bisschen angeschaut, und ich habe meinen ersten Rucksack gesehen. Es war derselbe Rucksack, den ich in der Grundschule getragen habe. Ok, vielleicht nicht derselbe, aber er war sehr ähnlich. Es war kein amerikanischer Stil. So ist für mich Deutschland nicht so fremd; es ist ein Land von Kindheitserinnerungen. Was für eine Überraschung! Vergleich zwischen Japan und DeutschlandIch wohne seit acht Jahren in Deutschland und deshalb überrascht mich Tübingen und Deutschland nicht mehr so sehr. Aber trotzdem fühle ich immer, dass ich Ausländerin bin. Wann endlich werde ich die komplizierte deutsche Gesellschaft zusammen mit ihren komplizierten Regeln des Dank-Sagens verstehen; wann endlich werde ich die unflexiblen deutschen Regeln unterscheiden können, wann werde ich hier nicht mehr als Gastarbeiterin angesehen werden, sondern als eine Festangestellte oder eine Selbstständige? Deutschland ist viel internationaler als Japan, weshalb ich trotzdem noch hier bleiben will. Ich habe hier auch viele Freunde - und ich habe hier keine Angst. Vertrauen in DeutschlandWas mich überrascht, ist, dass man in Deutschland den Leuten so sehr vertraut. Zum Beispiel: ich kann Blumen auf einem Feld selber schneiden und Geld dafür in eine kleine Kasse werfen. Wenn ich mit dem Bus oder dem Zug fahre, muss ich die Fahrkarte selbst kaufen und kaum jemand kontrolliert, ob ich eine Fahrkarte habe oder nicht. Wenn ich dagegen in Russland in den Bus oder Zug einsteige, muss ich immer meinen Studentenausweis parat halten und ein bisschen Geld. Dann kaufe ich beim Schaffner eine Fahrkarte. In Deutschland kann ich ohne Angst mein Fahrrad abstellen oder meine Tasche oder mein Tuch im Freibad liegen lassen. Die Waren liegen draußen in großen Körben vor den Geschäften, ich muss sie mit rein nehmen und drinnen an der Kasse bezahlen. Dieses Vertrauen in die Ehrlichkeit der Menschen ist in Russland nicht so sehr verbreitet. Ich denke, es ist ein gutes Gefühl, in Deutschland zu wohnen. Alle Leute kommen mir vor wie eine große Familie. Ich sehe eine Person einmal, und sie sagt "Hallo" zu mir und auf jeden Fall auch "Tschüss". Geschichte und ModernitätSeitdem ich in Tübingen bin, muss ich oft staunen. Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich über die Deutschen gehört, dass sie sich ganz auf die Zukunft konzentrieren, weil sie ihre Vergangenheit vergessen wollen. Natürlich lehnen sie das dauernde Entsetzen über den zweiten Weltkrieg ab. Aber ich interessiere mich für ihre Beziehung zur Vergangenheit. In jeder Stadt und in jedem Dorf, sei es noch so klein, gibt es ein Stadtmuseum über die Geschichte der Stadt. Es gibt noch viele Traditionen, die das moderne Verhalten beeinflussen. Zum Beispiel hat die Frau, bei der ich wohne, mir folgendes erzählt: "Samstag ist der Saubermach-Tag. Früher einmal waren die Straßen immer sehr schmutzig und deshalb hat ein König das Gesetz erlassen, dass am Samstag alle Leute sauber machen müssen." Ich weiß, dass dieses Gesetz heute nicht mehr existiert, aber trotzdem sehe ich jeden Samstag viele Leute ihr Auto putzen und ihren Hof sauber machen. Dies kommt mir vor wie eine alte Tradition. Ich komme aus Amerika, und dort haben wir nicht so eine lange Geschichte. In Kalifornien, wo ich geboren bin, ist alles neu und modern. Wir haben viele Familientraditionen, aber nicht wirklich eine Tradition der Städte und Orte. In Deutschland dagegen gibt es viele alte Städte und historische Gebäude. Vielleicht bin ich auch ein bisschen voreingenommen, weil ich die europäische Geschichte lieber mag als die amerikanische. Die europäische Geschichte finde ich wirklich sehr interessant. |
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