Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2017: Forschung

Die Schönheit der Algebräischen Geometrie

Der pakistanische Mathematiker Professor Imran Qureshi als Humboldt Research Fellow zu Gast an der Universität Tübingen

Professor Dr. Muhammad Imran Qureshi. Foto: Amanda Crain
Professor Dr. Muhammad Imran Qureshi. Foto: Amanda Crain

Als Humboldt Research Fellow ist Professor Dr. Muhammad Imran Qureshi vom Lahore University of Management Sciences in Pakistan zu Gast bei Professor Dr. Jürgen Hausen im Fachbereich Mathematik der Universität Tübingen. Qureshi arbeitet mit Gleichungen, um geometrische Objekte zu klassifizieren. Damit kann man theoretisch jedes Objekt im Universum nach Kategorien mathematisch beschreiben.


“Die Algebraische Geometrie ist das Studieren der Geometrie durch die Anwendung der Algebra”, erklärt er. Er setzt die Gleichungen aus der Algebra ein, um die Objekte in seinem Forschungsfeld – die sogenannten Varietäten – zu klassifizieren. Das wichtigste Kategorienmerkmal ist die Topologie. Das heißt: eine Form mag gestreckt, gedrückt, oder sonst deformiert werden – aber, solange sie nicht angerissen und ihre Struktur verändert wird, gehört sie trotzdem zur selben Objektklasse. “Ein Topologe ist einer, der einen Donut und eine Kaffeetasse für das gleiche Objekt hält, weil sie beide die gleiche Anzahl von Löchern haben“, lacht Qureshi, und veranschaulicht dies gleich mit einem kurzen Youtube-Video.


Fragt man ihn, warum er das macht, so erklärt Imran Qureshi: “der Schönheit der Sache wegen!” Er fügt allerdings hinzu, dass seine Arbeit Verbindungen zur Theoretischen Physik (String Theory) habe. Diese Verbindung ermögliche es der Mathematik, jedes Objekt im ganzen Universum über viele Dimensionen hinweg beschreiben zu können. Seine Arbeit habe auch praktische Anwendungen in der Chemie (chemical reaction networks) und Biologie (Phylogenetik). “Damit kann man auch Sudokus lösen”, lacht er.


Nach dem Masterstudium am Qaid-i-Azam University in Islamabad hat der pakistanische Mathematiker seine Doktorarbeit in Oxford im Vereinigten Königreich geschrieben. Dort hörte er 2009 und 2010 bei Summer Schools Vorlesungen von Professor Hausen, den er als führenden Wissenschaftler in der Algebräischen Geometrie beschreibt. Professor Qureshi ist mit seiner jungen Familie vor fünf Monaten nach Tübingen gezogen, insgesamt wird er zwei Jahre am Fachbereich Mathematik arbeiten und forschen.


Professor Qureshi findet Tübingen “fantastisch malerisch” und ist davon begeistert, dass er von seiner Wohnung aus einen Bauernhof, Felder, und Wald sehen kann. Sein Aufenthalt in Tübingen ist rein für Forschung gedacht, ihm schwebt jedoch vor, im zweiten Jahr auch einen Kurs auf seinem Fachgebiet zu unterrichten.

Amanda Crain