Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2017: Schwerpunkt

Promotion – Die Forschungsphase

Schreiben, gute wissenschaftliche Praxis, Auslandsaufenthalt, Karriereplanung

Die Forschungsphase ist die Phase im Promotionsprozess, in der der Großteil der Forschungsarbeiten umgesetzt wird. Sie schließt an die Einstiegsphase (siehe hierzu auch Schwerpunkt Die Promotion – Worauf kommt es in der Einstiegsphase an? im Newsletter 2/2016) der Promotion an, in der grundlegende Fragen zur Betreuung und zur Finanzierung geklärt und ein erster Projektplan erstellt werden. In der Forschungsphase gilt es, das Promotionsprojekt unter Beachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis stetig weiterzuentwickeln. Oft ist während dieser Phase ein Auslandsaufenthalt zur Umsetzung des Projekts sinnvoll, der rechtzeitig geplant werden muss. Bereits in der Forschungsphase spielt auch das Thema Karriereentwicklung eine wichtige Rolle. Alle diese Aspekte beleuchtet der Schwerpunkt „Promotion – Die Forschungsphase“ in dieser Ausgabe des Newsletter „Uni Tübingen aktuell“.

Wie gestaltet sich die Forschungsphase?

Die Forschungsphase ist der längste Abschnitt eines Promotionsprojekts. Abhängig von der Ausrichtung des Projekts dauert sie in der Regel zwei bis zweieinhalb Jahre. In der Forschungsphase wird der in der Einstiegsphase erstellte Projektplan der Promotion umgesetzt. Je nach Projekt und Fachbereich werden beispielsweise Daten erhoben und ausgewertet oder Quellen gesichtet und interpretiert. Die Ergebnisse werden gesichert, dokumentiert und nach und nach verschriftlicht.


Ziel der Forschungsphase ist die Beantwortung konkreter Forschungsfragen, die aus dem in der Einstiegsphase formulierten Thema abgeleitet werden. Forschungsfragen spezifizieren, was genau mit der Dissertation herausgefunden werden soll. Bei der Umsetzung des Projektplans wird in der Regel deutlich, dass dieser stellenweise angepasst und weiterentwickelt werden muss. Dies kann beispielsweise von der Verfügbarkeit oder Ergiebigkeit von Quellen oder von der Effektivität einer bestimmten Methode bei der Datenerhebung abhängig sein. Eine weitere Eingrenzung des Themas trägt dazu bei, dass der Forschungsgegenstand in der verfügbaren und oft knappen Zeit zufriedenstellend bearbeitet werden kann. Voraussetzungen dafür sind auch ein gutes Zeitmanagement, eine effiziente Durchführung von Literaturrecherche und Datenerhebung sowie ein regelmäßiger Austausch mit der Betreuerin beziehungsweise dem Betreuer der Promotion.

1. Zeitmanagement

Besonders in der Forschungsphase ist es für Promovierende eine große Herausforderung, verschiedene berufliche und private Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren und zugleich ausreichend Zeit zur Bearbeitung der Dissertation zur Verfügung zu haben. Deshalb gilt es, Zeitfenster, die für die Arbeit an der Dissertation genutzt werden können, zu identifizieren. Denn eine kontinuierliche Arbeit am Projekt ist wichtig für den erfolgreichen Abschluss der Promotion.

2. Auswertung von Forschungsliteratur

Um sich nicht im großen Angebot an Forschungsliteratur zu verlieren und eventuell viel Zeit mit der Lektüre weniger relevanter Literatur zu verbringen, empfiehlt es sich, eine eigene Systematik zur Literaturerfassung und -auswertung zu entwickeln und verschiedene Lesetechniken zu kennen und anzuwenden.
Bei der Erfassung und Auswertung von Literatur helfen Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi oder EndNote dabei, den Überblick zu behalten.

3. Erhebung von Daten und/oder Sichtung von Quellen

Um möglichst effektiv zu arbeiten, muss frühzeitig ein eigenes System zur Sicherung von Daten und ersten Ergebnissen entwickelt werden. Bei Projekten mit empirischen Komponenten ist ggf. das Führen eines Laborbuchs durch die Fakultät vorgeschrieben und in jedem Fall zu empfehlen. Bei der Sicherung von Daten muss auch eine nachhaltige Langzeitarchivierung bedacht werden. Laut der Denkschrift „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der DFG müssen Primärdaten mindestens zehn Jahre lang in der Institution aufbewahrt werden, in der sie entstanden sind.

4. Regelmäßiger Austausch mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer

An der Universität Tübingen schließen Promovierende bei Annahme an der Fakultät eine Betreuungsvereinbarung mit ihren Betreuenden ab. Sollte im Verlauf der Promotion der Fall eintreten, dass Unstimmigkeiten zwischen Betreuerin/Betreuer und der bzw. dem Promovierenden eine Schlichtung durch eine neutrale Person erforderlich machen, können die Ombudspersonen für Promotionsangelegenheiten angerufen werden, die die Fakultäten eingesetzt haben.


Die Herausforderungen, die sich während der Forschungsphase der Promotion ergeben, tragen zur Entwicklung wichtiger persönlicher und professioneller Kompetenzen bei wie etwa Durchhaltevermögen, Selbstmotivation und Zeit- und Selbstmanagement. Diese Kompetenzen sind bei einer späteren Tätigkeit im akademischen Bereich oder außerhalb von großem Wert.

Martina Bross

Weiterführende Informationen

Literaturverwaltungsprogramme

Literatur:

  • Becker, Julia. Das Einmaleins der Promotion. Die Promotionsfibel 2016. Hamburg: academics, 2016.
  • Knigge-Illner, Helga. Der Weg zum Doktortitel. Strategisch für die erfolgreiche Promotion. Frankfurt: Campus, 2002.
  • Nünning, Ansgar und Roy Sommer (Hrsg.). Handbuch Promotion. Forschung – Förderung – Finanzierung. Stuttgart: Metzler, 2007.
  • Vurgun, Sibel (Hrsg.). Kompetenzen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Entwicklung eines Kompetenzmodells. UniWiND-Publikationen Band 6, 2016.
  • Wolfsberger, Judith. Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Wien: Böhlau, 2007.
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