Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2017: Schwerpunkt

Schreiben in der Forschungsphase

Alles, was im Rahmen der Promotion erarbeitet wird, ist am Ende relevant für den endgültigen Text

Für das Schreiben einer Dissertation, insbesondere einer Monographie – im Gegensatz zu einer kumulativen, das heißt publikationsbasierten Promotion – wird häufig von der „Schreibphase“ am Ende der Promotionszeit gesprochen. Und auch in Gesprächen mit Promovierenden wird die Vorstellung, dass sie am Ende der Promotion „einfach alles zusammenschreiben“, immer wieder deutlich.


Es gibt auch Promovierende, die tatsächlich erst zum Ende der Promotion mit dem Schreiben beginnen und dann praktisch „in einem Rutsch“ ihre Arbeit herunterschreiben können. Diese sind aber in der Minderheit. Und auch sie haben im Vorhinein bereits viel Arbeit in ihren Text investiert, die auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt und unmittelbar in den endgültigen Text einzufließen scheint. Denn Schreiben, insbesondere das wissenschaftliche Schreiben, ist als Prozess ein komplexes Zusammenspiel aus lesen, denken, verstehen, analysieren, visualisieren etc. und nicht zuletzt dem eigentlichen „Worte auf Papier bzw. den Bildschirm bringen“. Tatsächlich ist alles, was im Rahmen der Promotion erarbeitet wird, am Ende relevant für den endgültigen Text, auch und gerade die Arbeiten, die innerhalb der Forschungsphase anfallen.


In Zusammenhang mit der Vorstellung dieser „Schreibphase“ zum Ende der Promotion – und möglicherweise damit verbundenen schlechten Erfahrungen – hört man immer wieder den Ratschlag, so früh wie möglich mit dem Schreiben zu beginnen. Was heißt aber „so früh wie möglich“? Das ist in der Praxis  abhängig vom Schreibtyp und der Art der Promotion. Ein spontaner Drauflosschreiber wird von sich aus schon sehr früh mit dem Schreiben beginnen und dafür später mehr Zeit für die Überarbeitung benötigen. Die strukturierte Planerin zählt dagegen schon eher zu der Zielgruppe für den Ratschlag, bereits in einer frühen Phase zu schreiben. Es ist grundsätzlich gut, möglichst früh mit der Textproduktion anzufangen, denn in der Regel ist es immer leichter, einen vorhandenen Text zu überarbeiten und zu ergänzen, als vor dem berühmten „leeren Blatt“ zu sitzen. Es ist auch ein gutes Gefühl, bereits Text zu haben, dadurch kann dem allgegenwärtigen schlechten Gewissen und möglicherweise daraus resultierenden Schreibhemmungen vorgebeugt werden.


Schreibprobleme, Schreibhemmungen, teilweise sogar bis hin zu ausgewachsenen Schreibblockaden können zum Beispiel entstehen, wenn die eigenen Ansprüche der Schreiberin oder des Schreibers sowohl an den Text als auch an sich selber zu hoch sind. Dies ist weit häufiger der Fall, als dass die tatsächlichen Anforderungen der Schreibaufgabe zu hoch sind. Insbesondere ein ausgeprägter Perfektionismus und die Vorstellung, sofort einen fertigen Text produzieren zu müssen, führen häufig zu Selbstüberforderung. Aber auch die Angst, nichts oder nicht das Richtige zu sagen zu haben, sowie der Anspruch, die „ultimative Arbeit“ zu dem gewählten Thema schreiben zu wollen, können zur sogenannten Aufschieberitis oder Prokrastination führen. Hier kann es helfen, gezielte Schreibstrategien anzuwenden, die das spontane Schreiben fördern, beispielsweise das Freewriting.


Wichtige Grundlagen zum wissenschaftlichen Schreiben sowie anwendbare Strategien und Techniken, wie auch große Schreibaufgaben in den Griff zu bekommen sind, lassen sich in speziellen Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Schreiben lernen:

 

Das Diversitätsorientierte Schreibzentrum bietet auch Einzelberatungen bei Schreibproblemen an.


Bei besonders ausgeprägten Schreibblockaden kann die Psychosoziale Beratungsstelle der Universität weiterhelfen.

 

Julia Schmidt

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