Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2017: Schwerpunkt

incoming: Für die Promotion in Philosophie zu Gast in Tübingen

Interview mit Anton Kabeshkin, PhD-Student an der Johns Hopkins University

Anton Kabeshkin. Foto: privat
Anton Kabeshkin. Foto: privat

Anton Kabeshkin stammt aus Tscheljabinsk. In Russland studierte er Informatik und war danach vier Jahre berufstätig. In seiner Freizeit las er viele Bücher und entschied sich, neben dem Job ein Philosophie-Studium in Russland aufzunehmen. Dann wechselte er in die USA und machte mit einem Fulbright-Stipendium seinen Master in Philosophie an der Texas A&M University.

An welcher Universität promovieren Sie?

Ich mache aktuell meinen PhD in Philosophie an der Johns Hopkins University in den USA. Der Schwerpunkt meiner Promotion liegt auf der klassischen deutschen Philosophie: Hegel, Kant und Schelling. Ich untersuche den Zusammenhang zwischen Metaphysik und der Philosophie der Natur, insbesondere bei Hegel und Schelling.

Wie lange bleiben Sie für Ihren Gastaufenthalt in Tübingen?

Ich bin am 29. September hier angekommen und bleibe bis Ende Juli 2018, also insgesamt zehn Monate.

Welches Forschungsvorhaben haben Sie für Ihren Aufenthalt in Tübingen?

In Tübingen will ich unter anderem den Zusammenhang zwischen der Hegelschen und Schellingschen Philosophie einerseits und der gegenwärtigen analytischen Philosophie der Wissenschaft andererseits untersuchen.


In diesem Semester werde ich in Tübingen drei Seminare oder Lesekreise bei meinem Gastgeber Professor Dr. Ulrich Schlösser bzw. seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besuchen und vielleicht auch Kurse zur Philosophie der Antike – die interessieren mich auch sehr.

Warum haben Sie sich für einen Forschungsaufenthalt im Ausland entschieden? Warum für Deutschland, warum Tübingen?

Ich bin gerade am Beginn meines siebten Jahres für meinen PhD und möchte in gut einem Jahr fertig sein. Für die ersten fünf Jahre des PhD‘s bietet die Johns Hopkins University grundsätzlich eine Finanzierung an. Für das sechste Jahr hatte ich  eine zusätzliche Gelegenheit, als teaching assistant für meine Fakultät zu arbeiten und habe als  Dozent (primary instructor) einen eigenen Kurs zur „Geschichte der Ästhetik“ unterrichtet. Nach diesem Jahr war ich auf der Suche nach einer weiteren Finanzierungsmöglichkeit für meine Dissertation und habe mich auch deswegen für einen Auslandsaufenthalt beworben. Für die Abschlussphase des PhD – nach meinen Aufenthalt in Tübingen – bietet meine Fakultät an der Johns Hopkins University eine spezielle Stipendien-Förderung an, so dass das letzte Jahr meines PhD damit abgedeckt ist.


Ich bin nach Deutschland gekommen, um mit deutschen Wissenschaftlern zu diskutieren. Ich habe mir vorab einige deutsche Universitäten sowie die Webseiten der philosophischen Fakultäten dieser Universitäten angeschaut. Ich habe gesehen, dass in Tübingen mehrere für mich interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen – insbesondere Ulrich Schlösser –, die an ähnlichen Themen arbeiten und ähnliche Forschungsschwerpunkte haben wie ich. Darum habe ich mich für Tübingen entschieden. 

Wie finanzieren Sie Ihren Aufenthalt in Tübingen?

Ich bin mit einem DAAD-Stipendium nach Tübingen gekommen. Im zweiten Anlauf war meine Bewerbung erfolgreich.

Wie haben Sie von dem DAAD-Stipendium erfahren?

Einige meiner Kolleginnen und Kollegen waren bereits mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Deutschland.

Haben Überlegungen zur Karriereplanung eine Rolle gespielt?

Ich glaube, dass mein Aufenthalt in Deutschland nochmals ein Plus für meinen Lebenslauf und für weitere Bewerbungen ist. Und das Stipendium des DAAD hat ein sehr hohes Renommee. Das ist ebenfalls gut für meinen Lebenslauf.

Wer hat Sie bei Ihrer Bewerbung für einen Aufenthalt in Tübingen unterstützt?

Die Bewerbung habe ich größtenteils selbst gemacht. Unterstützung habe ich vom Stipendienbüro der Johns Hopkins University bekommen. Dort wurde ich beraten, das Büro hat meine Unterlagen gesichtet und auch meine Bewerbung an den DAAD abgeschickt.


Professor Dr. Ulrich Schlösser hat mir die offizielle Einladung für meine Bewerbung geschrieben, von meinem Doktorvater Professor Eckart Förster von der Johns Hopkins University habe ich ein Empfehlungsschreiben bekommen.

Wer hat Sie hier in Tübingen unterstützt?

Mein Status ist Gastwissenschaftler, ich bin nicht als Student an der Universität Tübingen eingeschrieben. Als ich hier ankam, bin ich zu Kirsten Sonnenschein gegangen, der Leiterin des  Welcome Centers. Sie hat mich unterstützt und beraten, mit ihrer Hilfe konnte ich meine Anmeldung beim Tübinger Einwohnermeldeamt erledigen.

Frau Sonnenschein hat mir auch geholfen, wichtige Formulare auszufüllen. Das ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Service – insbesondere für Gäste, die wenig Deutsch sprechen. Und über den Stammtisch des Welcome Centers konnte ich erste Kontakte in Tübingen knüpfen.

Wie haben Sie Ihren Aufenthalt im Vorfeld geplant?

Die wichtigste Vorbereitung war die Suche nach einer Wohnung. Das war etwas schwierig, aber ich habe glücklicherweise schon vor meiner Ankunft in Tübingen etwas gefunden.

Was würden Sie anderen Promovierenden empfehlen, die in Deutschland forschen möchten?

Vor allem sollten sie Deutsch lernen: das macht vieles leichter, sowohl im akademischem Kontext als auch in sozialem Bereich – wenn es zum Beispiel darum geht, Leute kennenzulernen. Es ist auch gut, wenn sie mit jemandem sprechen können, der schon in Deutschland gewesen ist, um dort Forschung zu betreiben.

 

Das Interview führte Maximilian von Platen