Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 1/2018: Forum

Zu Besuch im Kupferbau

50 Jahre Hörsaalzentrum in der Hölderlinstraße

Der Haupteingang des Kupferbaus an der Hölderlinstraße. Links im Bild die Metallplastik des Bildhauers Hans Uhlmann. Fotos: Friedhelm Albrecht/Universität
Der Haupteingang des Kupferbaus an der Hölderlinstraße. Links im Bild die Metallplastik des Bildhauers Hans Uhlmann. Fotos: Friedhelm Albrecht/Universität

Mit dem Kupferbau begeht in diesem Jahr das seinerzeit erste Hörsaalzentrum der Universität Tübingen sein 50-jähriges Jubiläum. Entworfen von Paul Baumgarten, der auch schon 1966 für die Mensa Wilhelmstraße verantwortlich zeichnete, kann der Kupferbau an der Ecke Hölderlin-/Gmelinstraße auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken: hier finden bis heute neben den Vorlesungen zahlreiche Veranstaltungen mit großer Öffentlichkeitswirkung statt. 

 

„Ich schätze, dass seit dem Bau des Kupferbaus 1968 hier insgesamt rund 180.000 Veranstaltungen stattgefunden haben müssen“, erklärt Michael Seifert, ehemaliger Pressesprecher der Universität Tübingen. Er selbst hat bereits in den 70er Jahren als Student an Lehrveranstaltungen in dem markanten Gebäude teilgenommen. „Das Gebäude ist sehr gut schallisoliert und die Hörsäle haben keine Fenster – als hätte man damals schon vorausgesehen, wie der Autoverkehr in der Hölderlinstraße in den kommenden Jahrzehnten zunehmen würde“, meint Seifert. Die Metallplastik des Berliner Bildhauers Hans Uhlmann direkt vor dem Kupferbau wurde 1972 errichtet.  

 

Abgesehen von einer großen Brandschutzsanierung und dem Einbau eines Aufzugs befindet sich der Kupferbau weitgehend noch im ursprünglichen Zustand. Vor dem Bau hielten die Professoren die Vorlesungen in kleineren Hörsälen der in der ganzen Stadt verteilten Universitätsgebäude. 1972 weihte die Universität mit dem Hörsaalzentrum Morgenstelle den zweiten, ausschließlich für Veranstaltungen vorgesehenen Bau auf dem Campus ein. Bereits in den 80er Jahren kam der Kupferbau aber wieder an seine räumlichen Kapazitätsgrenzen, so dass angesichts der stark angewachsenen Studierendenzahlen auf andere Gebäude ausgewichen werden muss.

Generationentreffen beim Studium Generale und der Kinder-Uni

Im Juli 2011 war der inzwischen verstorbene Schriftsteller Henning Mankell im vollen Hörsaal 25 des Kupferbaus zu Gast. Als Afrika-Kenner sprach er im Rahmen des 5. öffentlichen Forums des Projekts Wertewelten mit Bundespräsident a. D. Horst Köhler zum Thema „Schicksal Afrikas — Welche Werte entscheiden?“.
Im Juli 2011 war der inzwischen verstorbene Schriftsteller Henning Mankell im vollen Hörsaal 25 des Kupferbaus zu Gast. Als Afrika-Kenner sprach er im Rahmen des 5. öffentlichen Forums des Projekts Wertewelten mit Bundespräsident a. D. Horst Köhler zum Thema „Schicksal Afrikas — Welche Werte entscheiden?“.

Neben Vorlesungen vor allem aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften haben seit Jahren auch die Kinder-Uni und das Studium Generale ihren festen Platz im Kupferbau. „Das Studium Generale wurde in den 70ern von Hans Küng und Walter Jens wiederbelebt. Die beiden gehörten damals zu den absoluten Hörsaalfüllern im Kupferbau. Und wenn der Philosophie-Professor Walter Schulz hier seine Vorlesungen gehalten hat, kamen Studierende aus allen Fachbereichen“, erinnert sich Seifert. In den 70ern hat er bei einer gemeinsamen Veranstaltung im Kupferbau auch Rudi Dutschke zusammen mit Rudolf Bahro, einem der Gründer der Grünen, erlebt.

 

Seit 2003 findet im Kupferbau im Hörsaal 25 auch die 2002 von Michael Seifert und Redakteuren des Schwäbischen Tagblatts ins Leben gerufene Kinder-Uni statt. Bei der Veranstaltungsreihe stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche Schülerinnen und Schülern zwischen 7 und 12 Jahren ihre Forschung vor. „An den Treppengeländern sind mittlerweile sogar Netze angebracht, um die Unfallgefahr für die kleinen Kinder-Uni-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zu verringern“, erzählt Seifert. „Im Sommersemester, wenn Regel-Vorlesungen, Kinder-Uni und Studium Generale am selben Tag stattfinden, geben sich hier im Kupferbau drei Generationen die Klinke in die Hand“.

 

Bei den Protesten gegen Studiengebühren zwischen 2005 und 2009 spielte auch der Kupferbau eine zentrale Rolle. Studierende veranstalteten Vollversammlungen, und Demonstrationszüge nahmen hier ihren Anfang. Das Gebäude wurde 2009 zweimal von Protestierenden besetzt. Einmal ließ die Hochschulleitung einen besetzten Hörsaal wegen einer anstehenden Veranstaltung räumen.

 

Johannes Baral