Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2018: Forschung

Neue Methoden des Trackings

„Forum Privatheit“ veröffentlicht White Paper zum Thema Tracking

Nahezu jede Aktion, welche im Rahmen von internetbasierten Plattformen oder Diensten getätigt wird, wird aufgezeichnet und ausgewertet. Das „Tracking“ ist vor allem über die Browsercookies bekannt geworden. Doch neben den klassischen Cookies sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe von weiteren Tracking-Technologien entwickelt worden. Das Besondere dieser Verfahren: sie agieren ungleich invasiver und intransparenter. So werden beispielsweise unhörbare Ultraschallwellen zur geräteübergreifenden Nachverfolgung von Nutzerinnen und Nutzern eingesetzt, Wischgestenmuster auf dem Smartphone werden zur Identifizierung einzelner Nutzerinnen und Nutzer verwendet oder schwierig zu löschende Evercookies sollen das Tracking bei Webseiten unumgänglich machen.

 

Welche Dimensionen das Tracking angenommen hat und welche Techniken dabei zum Einsatz kommen, das ist ein Schwerpunkt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Projekts „Forum Privatheit“. Darin zusammengeschlossen sind deutschlandweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Informatik, dem Recht, der Soziologie, den Medien- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Philosophie/Ethik. Dieser Bereich im Forum ist durch das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen vertreten.

 

Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit ist ein White Paper mit dem Titel „Tracking. Beschreibung und Bewertung neuer Methoden“ entstanden. Darin wird insbesondere kritisch herausgestellt, dass bei der Nutzung internetfähiger Technologien das Tracking des Nutzerverhaltens nicht nur intransparent, sondern auch nahezu zwangsläufig erfolgt, obwohl es mitunter einen massiven Eingriff in die Privatheit bedeutet. Um dies zu verhindern, sind unter anderem alternative Finanzierungsmodelle zur Betreibung von Plattformen auszubauen, bei denen auf ein Tracking verzichtet werden kann, so die Empfehlung des White Papers. Wenn dennoch Tracking eingesetzt wird, so sollten nach Einschätzung der Autoren die asymmetrischen Wissensverhältnisse zwischen den Nutzerinnen und Nutzern einerseits und den Datenverarbeitern andererseits ausgeglichen werden, indem der Einsatz von Tracking-Verfahren transparenter erfolgt.

 

Thilo Hagendorff

    

White Paper „Tracking. Beschreibung und Bewertung neuer Methoden“

Das White Paper „Tracking. Beschreibung und Bewertung neuer Methoden“ entstand unter der Leitung des IZEW, verantwortlich sind Professorin Dr. Regina Ammicht Quinn, PD Dr. Jessica Heesen, Andreas Baur sowie Dr. Thilo Hagendorff.

Link zum White Paper