Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 1/2018: Forum

Leopold Lucas-Preis 2018 für Sarah und Guy Stroumsa

Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler ging an den Theologen Jan Schole

Die Religionsphilosophen Sarah und Guy Stroumsa haben im Mai den Dr. Leopold Lucas-Preis der Universität Tübingen erhalten. Beide Wissenschaftler legen in ihren Arbeiten einen Fokus auf historische Zusammenhänge zwischen den Religionen und darauf, wie sich diese auf die Entwicklungen der jeweiligen Religionen ausgewirkt haben. Die Evangelische Fakultät würdigte mit der Auszeichnung ihre Forschung zur Ausprägung und gegenseitigen Beeinflussung von Judentum, Christentum und Islam seit der Spätantike sowie zur Philosophie und zum religiösen Gedankengut in der islamischen Welt des Mittelalters. In ihren international anerkannten Arbeiten verstünden es beide in besonderer Weise, weiterführende Thesen zu entwickeln und im wissenschaftlichen Diskurs deren Tragfähigkeit zu prüfen.

 

Durch den mit 50.000 Euro dotierten Preis werden hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Theologie, Geistesgeschichte, Geschichtsforschung sowie der Philosophie gewürdigt. Ein besonderes Anliegen ist es, Persönlichkeiten zu ehren, die sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht und so die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern gefördert haben.

 

Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler ging in diesem Jahr auf Vorschlag der Evangelisch-Theologischen Fakultät an den Theologen Dr. des. Jan Schole. Er wird für seine Dissertation „Der Herr der Zeit“ am Lehrstuhl für Systematische Theologie geehrt, in der er sich mit theologischen, philosophischen und physikalischen Vorstellungen des Verhältnisses von Gott, Ewigkeit und Zeit auseinandersetzt. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Forschung zur arabischen philosophischen und theologischen Ideengeschichte im Mittelalter

Sarah Stroumsa. Foto: Wissenschaftskolleg zu Berlin
Sarah Stroumsa. Foto: Wissenschaftskolleg zu Berlin

Sarah Stroumsa (geb. 1950) hatte die Alice and Jack Ormut Professur für Arabische Studien an der Hebräischen Universität Jerusalem inne. Sie lehrte am Institut für „Arabic Language and Literature“ sowie am Institut „Jewish Thought“ und war von 2008 bis 2012 als erste Frau Rektorin dieser Universität. Sie ist Mitglied der berlin-brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste, zudem wurde sie mit dem Humboldt Forschungspreis und dem Verdienstorden Italiens ausgezeichnet. Sie erforscht unter anderem die arabische philosophische und theologische Ideengeschichte in der islamischen Welt des Mittelalters, Jüdisch-Arabische Literatur des Mittelalters sowie die Geistesgeschichte von Moslems und Juden im islamischen Spanien.

Religiöse Phänomene aus vergleichender Perspektive

Guy Stroumsa. Foto: Wissenschaftskolleg zu Berlin
Guy Stroumsa. Foto: Wissenschaftskolleg zu Berlin

Guy Stroumsa (geb. 1948) hatte an der Hebräischen Universität Jerusalem die Martin Buber-Professur für „Comparative Religion“ inne (1991-2009) und war an der Universität Oxford „Professor for the Study of the Abrahamic Religions“. Er ist Mitglied der israelischen Akademie der Wissenschaften, Ehrendoktor der Universität Zürich sowie Ritter des französischen Verdienstordens und wurde mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet. In seiner Forschung untersucht er religiöse Phänomene aus vergleichender Perspektive. Er interessiert sich dabei besonders für das Aufeinandertreffen religiöser Traditionen und Institutionen im Römischen Reich und in der Spätantike sowie für die Entstehung abrahamitischer Überlieferungen als Grundlage des Islam.

„Ewigkeitsmodell“ mit Ideen aus der Physik und aus Schellings Spätphilosophie

Jan Schole. Foto: privat
Jan Schole. Foto: privat

Jan Schole (geb. 1984) studierte evangelische Theologie (erste theologische Prüfung) und Physik (Diplom) in Hannover, Bielefeld, Tübingen und Heidelberg. Seit 2016 arbeitet er als Softwareentwickler. In seiner Dissertation an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen entwickelte er ein „Ewigkeitsmodell“, das Ideen aus der Physik und aus Schellings Spätphilosophie aufnimmt: Vor dem Hintergrund der theologischen Diskussion um das Ewigkeitsverständnis sowie physikalischer Zeittheorien begründet er die These, dass Gott zwischen verschiedenen Zeitbezügen wechseln kann. So kann er zeitlich existieren wie wir Menschen sich aber auch alle Zeiten vergegenwärtigen. Gottes Ewigkeit ist nach dieser These die Macht, seinen eigenen Bezug zur Zeit selbst bestimmen und ändern zu können.

Antje Karbe