Leitbild für die Universität Tübingen

1. Selbstverständnis

Die Eberhard Karls Universität Tübingen ist eine Forschungsuniversität von internationalem Rang. Als Volluniversität zeichnet sie sich durch ihre Vielfalt an Fächern und den sich daraus ergebenden Chancen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Forschung und Lehre aus. Unter Wahrung ihrer Fächervielfalt positioniert sich die Universität dennoch klar durch Schwerpunktsetzungen in den Bereichen, in denen exzellente Leistungen in Forschung und Lehre erbracht werden und sich zukunftsfähige Entwicklungsmöglichkeiten ergeben.

 

Die Universität Tübingen bekennt sich zu ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Wissenschaft. Damit sie ihre kritische Funktion wahrnehmen kann, hält sie am Grundsatz der Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre fest.

 

In einer verantwortungsbewussten Wissenschaft ist die ethische Reflexion der Mittel und der Folgen von Wissenschaft für Mensch und Umwelt unverzichtbar.

 

Die Lehre an der Universität Tübingen basiert auf dem Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre. Bei der Konzeption ihres Lehrangebotes berücksichtigt die Universität die zunehmende Verflechtung von Bildungs- und Berufsphasen.

 

Die Universität Tübingen begreift Vielfalt als Basis wissenschaftlicher Exzellenz und entwickelt daher eine auf Diversität und Chancengleichheit basierende Hochschulkultur, in der alle ihre Mitglieder unabhängig von Geschlecht, ethnischer Abstammung, Alter, sozialem und religiösem Hintergrund, einer Behinderung oder der sexuellen Orientierung ihre individuellen Fähigkeiten entfalten und einbringen können.

Die Universität strebt ein barrierefreies Forschungs- und Lehrumfeld an. Dies beinhaltet sowohl die physische Barrierefreiheit der universitären Einrichtungen als auch den Abbau sozialer, sprachlicher und kultureller Barrieren.

 

Die Herstellung tatsächlicher Chancengleichheit in der Wissenschaft ist eine Voraussetzung für wissenschaftliche Leistungs- und Innovationsfähigkeit. Die Universität Tübingen setzt sich daher zum Ziel, die noch bestehenden Benachteiligungen für Frauen in Studium, Forschung und Lehre abzubauen. Sie wird dieses Ziel – als durchgängiges Leitprinzip im Sinne des Gender Mainstreaming – bei allen Entscheidungen mit berücksichtigen.

Die Universität sieht es als ihre Aufgabe an, Arbeits- und Studienbedingungen unter Einhaltung der Sozialstandards zu schaffen, die es allen Studierenden, Beschäftigten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erlauben, ihre Verantwortung in Familie und Gesellschaft wahrzunehmen. Die Universität Tübingen setzt es sich zum Ziel, familienfreundliche Hochschule zu sein.

 

Alle Mitglieder der Universität Tübingen, Forschende, Lehrende, Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen gemeinsam durch ihre Kompetenzen und ihr Engagement zum Erfolg und zur Weiterentwicklung der Universität in Forschung und Lehre bei.

 

Die Universität Tübingen implementiert ein System der umfassenden Qualitätssicherung, um ihre Leistungen in Forschung, Lehre und Studium, Dienstleistungen und universitärer Selbstverwaltung zu überprüfen und kontinuierlich weiter zu entwickeln.

 

Die Universität Tübingen bekennt sich zur Maxime einer nachhaltigen Entwicklung. Sie sieht Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil von Forschung und Lehre an und sie setzt die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen in Forschung, Lehre und Organisation verantwortungsvoll und effizient ein.

2. Forschung

Die Universität will durch herausragende Leistungen ihren internationalen Ruf in der Grundlagenforschung weiter stärken. In den dafür geeigneten Bereichen soll diese Grundlagenforschung durch anwendungsbezogene und gesellschaftsrelevante Fragestellungen ergänzt werden. Ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird die Universität Tübingen ein forschungsfreundliches Umfeld und den nötigen Freiraum für ihre Kreativität ermöglichen.

 

Die Universität Tübingen ist eine Forschungseinrichtung, die eine klare Positionierung in der Forschung und die Sichtbarkeit als internationale Forschungsuniversität als Voraussetzungen für künftigen Erfolg betrachtet.

Daher verfolgt die Universität die gezielte Förderung von Sonderforschungsbereichen, Forschergruppen, Graduiertenkollegs und herausragender Einzelforschung sowie von Kooperationen mit Wirtschaft und Industrie, insbesondere aber auch mit den Universitäten und Hochschulen der Region sowie mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

 

Die Studierenden werden frühzeitig an aktuelle Forschungsfragen herangeführt und erhalten die Gelegenheit, sich aktiv an Forschungsprojekten zu beteiligen.

 

Die Förderung von Promotionsverbünden bindet den wissenschaftlichen Nachwuchs zunehmend in eine strukturierte Promotion ein und unterstützt interdisziplinäre Forschungsprojekte. Die Universität verpflichtet sich zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses über die Promotion hinaus und unterstützt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Entwicklung eines eigenen wissenschaftlichen Profils.

3. Lehre und Studium

Als Volluniversität verankert die Universität Tübingen in ihrem Lehrangebot die unterschiedlichen Fächerkulturen und bekennt sich zu ihrer Verantwortung in der Lehramtsausbildung. Sie bietet den Studierenden ein innovatives und an aktuellen Forschungsfragen orientiertes Lehrprogramm an, das den Studierenden Gestaltungsfreiheit und eine individuelle Profilbildung ermöglicht. Internationale Studiengänge und die Möglichkeit, Auslandsaufenthalte in das Studium zu integrieren, kennzeichnen das Studienangebot der Universität Tübingen. Die Universität setzt sich zum Ziel, ihre Attraktivität für ausländische Studierende weiter zu erhöhen.

 

Das Studium an der Universität Tübingen bietet neben einer hohen wissenschaftlichen Fachqualifikation ein anspruchsvolles und umfassendes Angebot an überfachlichen berufsfeldorientierten Kompetenzen. Transparente Information und umfassende Beratungsmöglichkeiten tragen zu einem optimalen Studienverlauf bei. Die Universität Tübingen ist sich der Verantwortung bewusst, ihre Absolventinnen und Absolventen sowohl auf eine wissenschaftliche Laufbahn als auch auf den Einstieg in einen außeruniversitären Beruf vorzubereiten. Das Studium vermittelt Kompetenzen in der fachwissenschaftlichen Methodik sowie die Fähigkeit zum interdisziplinären und zum interkulturellen Dialog.

 

Die Studienprogramme folgen dem Prinzip einer breiten Grundlagenausbildung mit zunehmender Möglichkeit zur Vertiefung und Spezialisierung. Mit neuen Lehr- und Veranstaltungsformaten sowie innovativen Prüfungsformen wird die Studierbarkeit gewährleistet. Die Universität trägt Sorge dafür, dass die Studiengänge in der Regelstudienzeit studiert werden können.

 

Die Universität Tübingen unterstützt die hochschuldidaktische Weiterbildung ihrer Lehrenden. Regelmäßige Evaluationen sichern die Qualität der Lehre. Die Universität Tübingen strebt die Systemakkreditierung an, um die Qualität des gesamten Studienangebots und die Kompatibilität der Studiengänge zu garantieren.

 

Die Studierenden beweisen ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft durch ihr Engagement im Studium und in den Gremien der Universität.

Die Universität Tübingen unterstützt ihre Absolventinnen und Absolventen beim Einstieg ins Berufsleben und pflegt den Kontakt zu ihren Ehemaligen, deren Erfahrungen zu der kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung der Studiengänge beitragen.

4. Weiterbildung

Neben den Aufgaben in Forschung, Lehre und Studium nimmt die Universität Tübingen den gesetzlichen Auftrag der wissenschaftlichen Weiterbildung aktiv im Rahmen des lebenslangen Lernens an. Angesichts des schnellen technologischen und soziokulturellen Wandels kann Bildung nicht als etwas Abgeschlossenes gesehen werden. Das Weiterbildungsangebot der Universität wird sich an diejenigen Menschen richten, die ihr erworbenes Wissen und ihre beruflichen Qualifikationen erneuern und erweitern möchten.

 

Hochschuldidaktische Angebote ergänzen die Weiterqualifizierungsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

5. Transfer von Wissen

Die Universität Tübingen stellt ihr Wissen und die Ergebnisse ihrer Forschung Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zur Verfügung. Darunter versteht die Universität nicht nur den klassischen Wissenstransfer einschließlich der Forschungs- und Entwicklungsverträge sowie der Lizenzierung von Patenten, sondern auch die konkrete Unterstützung für Gründer und im Vorfeld dessen die Vermittlung entsprechender Expertise.

 

Die Universität stellt sich den zentralen Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und unterstreicht damit ihre wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie fördert den freien Zugang zu Wissen und Forschungsergebnissen.

6. Beschäftigte

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden eine wichtige Grundlage für den Erfolg der Universität Tübingen. Als Arbeitgeberin bietet die Universität attraktive und zukunftsfähige Arbeitsplätze in einem sich ständig wandelnden Umfeld an.

 

Die Universität fördert die persönliche und berufliche Weiterentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bestärkt ihre Beschäftigten, dauernd neue Kompetenzen zu erwerben und damit entsprechende zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.

 

Die Universität sieht in einer kontinuierlichen Personalentwicklung eine wichtige und wesentliche Aufgabe. Dabei strebt die Universität Tübingen die Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern an.

7. Mitwirkung und Partizipation

Die Universität Tübingen ist eine Gruppenuniversität und bekennt sich zum partizipativen Führungsstil. Die Mitglieder der Universität wirken an der akademischen Selbstverwaltung und der Erfüllung der Aufgaben der Universität in den Organen und Gremien mit. Über ihre Repräsentanten sind alle Mitglieder der Universität an den Entscheidungsprozessen beteiligt.

8. Serviceorientierte Universität

Die Zentrale Verwaltung und die Zentralen Einrichtungen unterstützen die Forschenden, die Lehrenden, die Studierenden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben durch effiziente und effektive Organisationsstrukturen.