Kann ich einen höhenverstellbaren Tisch bekommen?

 

Der alltägliche Sitzmarathon vor dem Bildschirm wirkt sich auf längere Sicht schmerzhaft auf den Rücken aus. Davor schützt auch der beste Schreibtischstuhl nicht. Im Extremfall führen ausgewachsene Rückenleiden zu dauerhafter Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Immer wichtiger für die Prävention werden Ausgleichssport und sogenannte „Arbeitshilfen“.

 

Schreibtische, Schreibtischstühle, Tastatur und Monitor zwingen den Beschäftigten häufig eine verkrampfte Körperhaltung auf, die sich zunächst in Verspannungen äußert, sich mitunter aber auch zu ernsthaften Muskel- und Skeletterkrankungen weiterentwickelt und im späteren Verlauf einen Bandscheibenvorfall begünstigen kann. Das Risiko, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden, steigt, je mehr die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit sitzen und je weniger Ausgleichssport jemand treibt. Wer einmal eine Bandscheibenattacke erlitten hat, weiß, wie sich Rückenschmerzen anfühlen, und beginnt unmittelbar nach der akuten Phase, meistens während eines Reha-Aufenthaltes, mit dem schweißtreibenden Wiederaufbau seiner Rückenmuskulatur, damit es ihn oder sie nicht noch ein zweites Mal erwischt.

 

Ausgleichssport ist wichtig, reicht aber nicht aus

In der Reha werden die PatientInnen einerseits darauf hingewiesen, dass zur Vermeidung weiterer Bandscheibenvorfälle regelmäßiger Bewegungssport erforderlich ist. Zum anderen wird angesprochen, dass insbesondere die Bildschirmbeschäftigten viel zu selten bei der Arbeit stehen. Für Tätigkeiten im Stehen empfehlen Experten 25% der täglichen Arbeitszeit.

Ergonomisch durchdachte Büromöbel wirken sich dabei unterstützend aus: Sehr hilfreich ist ein Arbeitstisch, dessen Höhe samt Computermonitor und allen anderen auf der Arbeitsplatte befindlichen Unterlagen zwischen „Sitzen“ und „Stehen“ stufenlos verstellt werden kann. Der weite Verstellbereich von 68cm bis135cm ermöglicht sogar Zweimetermenschen eine ergonomisch sinnvolle Stehhaltung am Arbeitsplatz.

Mit anderen Worten: Für Beschäftigte, die nach Rückenerkrankungen an ihren Bildschirmarbeitsplatz zurückkehren, sind in der Regel einige Neuanschaffungen, so genannte Arbeitshilfen, erforderlich, z. B. ein Schreibtisch, der sich höher stellen lässt als es bei einem gängigen Schreibtisch möglich ist. Das schont den Rücken und dient der weiteren Prävention.

 

Der höhenverstellbare Arbeitstisch – wie beantragen?

Falls Sie zu den bereits rückengeschädigten Beschäftigten gehören, stellt Ihnen der behandelnde Facharzt ggf. ein Attest aus, dass Sie umgehend an einem höhenverstellbaren Arbeitstisch tätig sein sollten. Dieses Attest ist im Fall der Uni Tübingen an den Betriebsärztlichen Dienst weiterzuleiten, der seinerseits Stellung nehmen muss.

 

Nach der Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und dem Betriebsärztlichen Dienst ist die nächste Anlaufstelle die Zentrale Verwaltung, Abteilung Einkauf. Dorthin senden die Beschäftigten das Attest, die Bestätigung des Betriebsärztlichen Dienstes und die so genannte Artikelbedarfsanforderung. Aufgrund der ärztlichen Bescheinigungen erhöht sich der allgemeine Richtsatz für Schreibtische um 50%. Für einen elektrisch höhenverstellbaren Tisch in der preisgünstigsten Ausführung ist das ein Betrag von knapp 700,-- EURO. Dieser Betrag deckt die Kosten für die elek-trisch höhenverstellbare Grundversion, weil die Vertragsfirmen der Universität hohe Rabatte einräumen. Eine Zusatzausstattung wie z. B. die Memory-Funktion, die die verschiedenen Sitz- und Steh-Höhen abspeichern und auf Knopfdruck die gerade gewünschte Sitz- oder Stehhöhe selbständig anfahren kann, kostet ca. 15.-- EURO mehr und wird nicht übernommen. Trotz individueller Zuzahlung bleibt der höhenverstellbare Schreibtisch auf immer und ewig Eigentum der Universität.

 

Die Alternative: Externer Kostenträger und dafür Privateigentum der Beschäftigten

Falls Beschäftigte mit Rücksicht auf ihren Rücken auf einen höhenverstellbaren Schreibtisch umsteigen müssen, können sie eine alternative Finanzierung wählen, und zwar über die Rentenversicherung.

 

      Sofern die Voraussetzungen für den höhenverstellbaren Schreibtisch gegeben sind (Atteste, s. o.), wenden Sie sich an die Rentenversicherung und beantragen die Finanzierung eines elektrisch höhenverstellbaren Arbeitstisches. Im Moment haben Sie noch große Chancen, dass Ihrem Antrag stattgegeben wird, vor allem dann, wenn Sie nicht unmittelbar vor der Rente stehen. Mit der Rentenversicherung klären Sie ab, welche Ausführung sie komplett übernimmt. Für einen elektrisch höhenverstellbaren Arbeitstisch mit Durchschnittmaßen zahlt die Rentenversicherung normalerweise um die 800,-- EURO. Sobald sie über Ihren Antrag entschieden hat, wenden Sie sich mit allen Unterlagen an die Beschaffungsstelle der Universität. Sie bestellt dann bei ihrer Vertragsfirma den mit der Rentenversicherung vereinbarten Tisch, auf Ihre Veranlassung und zu Lasten Ihres Geldbeutels aber auch eine Ausführung mit mehr Komfort. Die beliebte Memory-Funktion müssen Sie auch in diesem Fall aus eigener Tasche zahlen. Bei dem Tisch, der Ihnen dann geliefert wird, handelt es sich selbstverständlich um Ihr Privateigentum, das am Tag Ihres Ausscheidens aus dem Dienst mit Ihnen zusammen Ihren Arbeitsplatz verlässt.