Leibniz Kolleg

studium generale - Fächer und Kursangebot

Denken ohne Geländer, das ist es in der Tat, was ich zu tun versuche.

Hannah Arendt

Die Kollegiat*innen wählen aus folgenden Bereichen mindestens je einen Kurs:

  • Rechts- und Sozialwissenschaften,
  • Geisteswissenschaften,
  • Naturwissenschaften,
  • Künstlerische Praxis, Musisches, Kreativität, Medien.

Die Sprachkurse sind ein freies Zusatzangebot.

Verbindlich für alle sind die Einführungswochen, die Methodenworkshops in den Geistes- und in den Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften, das Wochenende zur einem politischen Thema, das gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt wird, das Vorbereitungsseminar zur Studienreise, das Seminar zur Einführung in die Rhetorik und vom Haus zusätzlich angesetzte Exkursionen sowie die wöchentlichen Vorträge, der wöchentliche Konvent und die Studierendenkonferenz am Ende des Kursjahres.

Rechts- und Sozialwissenschaften

Geschlechterforschung

Dozentin: Elvira Martin

Geschlecht neu denken?! - Einführung in Gender Studies: Selbstverständnis, Methodik und Praxisbeispiele

„….  Wie müssen wir dann die „Geschlechtsidentität“ (gender) reformulieren, damit sie auch jene Machtverhältnisse umfasst, die den Effekt eines vordiskursiven Geschlechts (sex) hervorbringen und dabei diesen Vorgang der diskursiven Produktion selbst verschleiern?"

Judith Butler (aus: Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies. Frankfurt/M. 1991, S.24)

In unseren Köpfen und Denkfiguren sowie in unserem Handeln ist in der Regel verankert, dass beim Menschen zwei Geschlechter vorhanden sind: Mann und Frau. Seit den 1980er Jahren  etablierte der sozialwissenschaftliche-feministische Diskurs zunächst die begriffliche Trennung zwischen dem biologischen Geschlecht (‚sex‘) und dem sozialen Geschlecht (‚gender‘). ‚Gender‘ bezeichnet dabei die durch Gesellschaft und Kultur geprägten Geschlechtseigenschaften einer Person, ‚sex‘ das dazu in Abgrenzung gedachte biologischen Geschlecht als unveränderbare „Natürlichkeit“ .

Das Konzept des sozialen Geschlechts ermöglicht, durch  konsequentes politisches und praktisches Handeln konkreten Diskriminierungserfahrungen zu begegnen. In der politischen Praxis des Gender Mainstreamings basiert jedoch die Beachtung der Geschlechterperspektive weitgehend auf einer dualen und polaren Geschlechterorganisation männlich/weiblich. Die Gestaltung aller im Rahmen von Gender Mainstreaming-Prozessen stattfindenden Projekte, Programme, Abläufe und Inhalte sind ausgerichtet auf Chancengleichheit und Gleichstellung von Frauen und Männern.

Judith Butler verweist nun in dem oben zitierten Passus darauf, dass das, was wir als natürliches Geschlecht zu erkennen glauben, ebenfalls das Ergebnis eines gesellschaftlichen Diskurses ist. Das ist eine herausfordernde Position. Geschlecht als Struktur- und Denkkategorie in Frage zu stellen scheint zunächst unerhört und  völlig im Widerspruch zu den Erkenntnissen biologisch-medizinischer Wissenschaft zu stehen.

Gedanklich den Spuren Judith Butlers zu folgen, bedeutet eingefahrene Denkstrukturen zu verlassen, Vorannahmen radikal in Frage zu stellen und tatsächlich bei der Reflexion die Perspektive zu wechseln.

Bezugnehmend auf Judith Butler nehmen wir  im Verlauf der Studiengemeinschaft unter anderem in den Blick: Wie vereinbart sich die dekonstruktivistische Sichtweise von Geschlecht nach Butler mit einer politischen Praxis der Gleichstellung? Welche Rolle kommt dabei dem Ansatz der Intersektionalität zu? Unter Intersektion verstehen wir die Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person, allerdings nicht im Sinne einer bloßen „Addition“, sondern im Sinne eines jeweils spezifischen Zusammenwirkens.

Im Rahmen der Gender Studies –Studiengemeinschaft wollen wir dazu verschiedene Positionen und Ansätze kennen lernen, erörtern und  Hinblick auf ihre praktische und politische Bedeutung ausloten. Wir werden sie in Beziehung setzen zu den Konstruktionen von Geschlecht und Reproduktionen von Geschlechterverhältnissen seit dem 18. Jahrhundert. Wir fragen nach, wie das Beharrungsvermögen des Konzepts der Zweigeschlechtlichkeit zu Stande kommt. Darüber hinaus werden wir im Verlauf der Studiengemeinschaft Fragen der Methodik erörtern und diese anhand konkreter Beispiele aus Forschung und Praxis nachvollziehen.

Gender Studies arbeiten interdisziplinär, bedienen sich Methoden unterschiedlicher Fachrichtungen (z. B. aus der Geschichte, Soziologie, usw.) und erweitern sie um spezifische Anforderungen für die Geschlechterforschung.

Zentraler Leitfaden und Impulsgeber für den Verlauf des Seminars wird uns dabei unter anderem das Buch „Making Sex Revisited“ von Heinz-Jürgen Voß sein.

Nachhaltige Entwicklung

Dozent: Marius Albiez

Sei es in der Werbung, in Geschäftsberichten von Unternehmen, in der Tagespresse oder in den Wahlprogrammen der Parteien: An vielen Stellen in unserem Leben begegnen wir den Begriffen „Nachhaltigkeit“ oder „Nachhaltige Entwicklung“ in unterschiedlicher Weise.

Die wohl bekannteste Definition aus dem sogenannten Brundlandt-Bericht definiert Nachhaltige Entwicklung, „als eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ (WCED 1987, S. 41)
Doch was bedeutet das konkret und welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um das Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung (Grunwald und Kopfmüller 2012) tatsächlich umzusetzen?
Diesen und weiteren Fragen wollen wir im Seminar „Nachhaltige Entwicklung gestalten“ nachspüren und anhand lebensweltlicher Fragestellungen gemeinsam diskutieren.

Die im Seminar behandelten Themen sind dabei so vielseitig wie die Verwendung des Wortes selbst. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte des Nachhaltigkeitsbegriffs, unterziehen ihn einer kritischen Betrachtung und nehmen zudem verschiedene Konzepte zur Umsetzung des Leitbildes unter die Lupe. Des Weiteren sollen Teilbereiche wie nachhaltige Ernährung, nachhaltige Stadtentwicklung (Parodi et al. 2016) sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Haan 2009) beleuchtet und gemeinsam weitere Handlungsfelder identifiziert werden. Dabei werden auch nachhaltigkeitsnahe Diskurse wie Postwachstum (Kopfmüller et al. 2016), transdisziplinäre Wissenschaft (Bergmann et al. 2010) oder Bürgerbeteiligung behandelt.

Die Veranstaltung bietet zudem Raum, um aktuelle globale, nationale und lokale Themen im Lichte einer Nachhaltigen Entwicklung zu diskutieren. Die Auswahl erfolgt dabei in Absprache mit den Teilnehmer*innen. Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt auf der praktischen Umsetzung Nachhaltiger Entwicklung. So werden ausgewählte Inhalte am Beispiel aktueller Nachhaltigkeits- und Forschungsprojekte in Tübingen und darüber hinaus behandelt.

Pädagogik

Dozent: Sebastian Engelmann

Wie kommt es eigentlich, dass Gesellschaften über die Jahre hinweg stabil bleiben und wir fast alles wissen, was unsere Eltern schon wussten? Warum gibt es eigentlich Schulen? Wie lernen Menschen? Was für Einflüsse verändern unser Leben? Warum wird Bildung immer noch so gefeiert? All diese Fragen stellen sich Forscher_innen im Bereich der Erziehungswissenschaft. Und auch klassische Positionen der Pädagogik bearbeiten diese Fragen. Diesen wollen wir uns im Seminar gemeinsam nähern.

 

In unserem Seminar werden wir uns anhand von ausgewählten Texten mit zentralen Begriffen der Erziehungswissenschaft auseinandersetzen. Erziehung, Bildung, Lernen und Sozialisation werden uns dabei besonders interessieren. Die vier Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft werden in den Seminaren aus unterschiedlichen Perspektiven textbasiert in den Blick genommen. Wir lesen, erarbeiten, diskutieren, visualisieren und systematisieren verschiedene Texte, die sowohl der Erziehungswissenschaft als auch der Soziologie, Philosophie etc. zugeordnet werden können. All diese Texte können uns Informationen darüber geben, wie Erziehung, Bildung, Lernen und Sozialisation über die Jahrhunderte hinweg verstanden wurden. Zugleich erarbeiten wir uns den Kontext der Texte und versuchen, uns die systematischen Elemente zu vergegenwärtigen, die in diesen Texten enthalten sind.

 

Bitte bedenkt auch, dass Erziehungswissenschaft aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verortung auch mit dem aktuellen politischen Geschehen und mannigfaltigen geschichtlichen Entwicklungen verbunden ist. Die zusätzliche Lektüre von Tageszeitungen und Romanen, aber auch die erziehungswissenschaftlich informierte Sichtung von bspw. Serien und Filmen kann Anregungen liefern, Erziehungswissenschaft zu erschließen, zu begreifen und schlussendlich zu verstehen!

Politik

Recht

Dozent: Max Mayer

Das Recht ist ein seltsames Ding: einerseits ist es ein Mittel zum Schutz Schwacher vor der Macht der Starken, auf der anderen Seite sollen wir uns auch dann daran halten, wenn mit seiner Unterstützung oder unter seinem Schutz die größten Ungerechtigkeiten verübt werden. Trotz dieser Ambivalenz ist das Recht aus unserer globalisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Wer die Tageszeitung aufschlägt, ist ganzseitig mit juristischen Fragen konfrontiert. Wer versorgt das Scheidungskind? Wer darf kommen, wer muss gehen, wird Beate Z. bestraft? Darf die NSA in Deutschland abhören, ist der Krieg in Syrien erlaubt?


Politische Fragen sind häufig zunächst einmal juristische und so scheint es heute kaum noch ein gesellschaftliches Problem zu geben, das nicht zumindest auch nach der eigenartigen, nicht nur für Laien rätselhaften Logik des Rechts geprägt ist. Aber was steckt hinter dieser speziellen Art und Weise der Behandlung von Konflikten? Wie funktioniert juristisches Denken und was passiert eigentlich genau, wenn Konflikte nach juristischen Verfahren entschieden werden? Was geschieht im Jura-Studium und was kann ich später damit tun? Diesen Fragen werden wir in der Studiengruppe Recht nachgehen.

Das Seminar beginnt mit einem Überblick über die Welt des Rechts und einer kurzen Einführung in juristische Methodik. Anschließend werden wir an drei konkreten politischen Problemen der Grenzziehung und -überschreitung – Migration, Verantwortung transnationaler Unternehmen und Geschlecht – beispielhaft untersuchen, welche gesellschaftlichen Konflikte ihnen zugrunde liegen und wie diese durch das Recht strukturiert und behandelt werden. Diese Fälle werden grundlegende Fragen über die Funktion und den Sinn des Rechts in der Gesellschaft aufwerfen, denen wir im dritten Teil anhand von zentralen rechtsphilosophischen Texten über das Verhältnis von Recht und Moral, über Demokratietheorie und zur Philosophie der Menschenrechte nachgehen. Am Ende steht ein Einblick über Inhalt und Art des Jurastudiums: Was lernt man dort und was lernt man nicht? Wie lernt man es und was lässt sich danach anstellen?


Ziel ist, eine Vorstellung von den Gegenständen des Rechts, seiner Funktionsweise, aber auch von seiner Einbettung in die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu gewinnen. Wir werden sehen: das Recht ist keine natürliche, neutrale, immerwährende Art gesellschaftlicher Organisation. Es ist immer geprägt von den historisch hergebrachten Widersprüchen unserer Zeit.

Rhetorik

Dozent*innen: Svenja Heesch und Maximilian Rühl

 

Volkswirtschaftslehre

Dozent: Prof. Dr. Rainer Berkemer

In diesem Kurs behandeln wir zunächst wesentliche Begriffe aus der volkswirtschaftlichen Theorie, damit dann im späteren Verlauf auch aktuelle wirtschaftspolitische Themen von den Studierenden kompetent diskutiert werden können. Das Menschenbild des homo oeconomicus wird dabei über alle drei Trimester kritisch reflektiert.

 

Im ersten Trimester werden aus den beiden Bereichen der VWL, der Mikro- sowie der Makroökonomie, ausgewählte Kapitel aus dem Lehrbuch von Peter Bofinger behandelt. Damit kann ein Verständnis der Arbeitsteilung sowie der grundsätzlichen Funktionsweise von Märkten erreicht werden. Den Marktpreisen, die eine Signal- und Anreizfunktion haben, kommt eine Schlüsselrolle in der Mikroökonomie zu. Aus dem Bereich der Makroökonomie sind zunächst die Kapitel zu betrachten, die eine Definition der Zielgrößen vornehmen. Was ist das Bruttoninlandsprodukt (BIP) und wie kann es berechnet werden? Wie werden Arbeitslosenziffern bestimmt und worauf ist zu achten, dass hier keine manipulative oder missverständliche Interpretation geschieht? Wann sprechen Ökonomen von Inflation und warum ist auch das Gegenteil (eine Deflation) nicht unproblematisch? Zentral ist auch das Verständnis des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts. Erst wenn Begriffe wie Leistungsbilanz, Handelsbilanz, Kapitalbilanz, etc. sauber definiert und verstanden sind, haben wir eine verlässliche Grundlage, um später etwa die Staatsschuldenkrise und Ungleichgewichte im Euroraum zu thematisieren.

 

Im zweiten Trimester können auf dieser Grundlage dann aktuelle Themen der Wirtschafts- und Finanzpolitik diskutiert, sowie einzelne Konzepte kritisch hinterfragt werden: Wie sinnvoll ist die vereinfachende Annahme des homo oeconomicus wirklich? Zu dieser Frage können auch Erkenntnisse aus der experimentellen Spieltheorie beitragen. Ein weiteres Thema ist die Wachstumskritik: Muss das BIP eigentlich immer weiterwachsen? Welche Alternativen gäbe es? Was würde mit den ganzen Schulden geschehen, wenn die Wirtschaft nicht immer weiterwächst? Wir stellen uns auch die Frage, wie die Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Wirtschaft und die Arbeitswelt der Zukunft prägen werden.

 

 

 

Im dritten Trimester stehen Finanzmärkte im Mittelpunkt. Hierbei ist zunächst dringend zu klären, was Banken von anderen Unternehmen unterscheidet. Warum ist für diese das Arbeiten mit sehr viel Fremdkapital (Ökonomen sprechen vom „Leverage“- oder Hebel-Effekt) so besonders relevant? Müssen Banken so hoch verschuldet sein oder wollen sie dieses nur – und wenn ja, warum? Und was folgt daraus für die Stabilität des Finanzsystems? Welche Ergebnisse liefern Studien aus neueren Bereichen, etwa „Behavioral Finance“, zum tatsächlichen Verhalten von Menschen in Finanzmärkten und wie stark sind die Abweichungen zum Modell des homo oeconomicus?

Geisteswissenschaften

Anglistik

Dozent: Scott Stelle

This course will chronologically explore selected works of British and American prose fiction through the short story and novel. Our year-long introduction to English literature is divided into two parts. The first part will take place in trimesters I and II and the second part in trimester III. Discussions will include analysis of the texts and the eras that produced them. We will develop skills of close reading and interpretation through the study of representative works of English literature. This course is also designed to introduce students to criticism, which connects novels to one another and to the culture. A novel is always influenced by the atmosphere of ideas and culture in which it's produced, even if the story has nothing to do with the actual society.

The first part deals with the short story, a format which tends to be more pointed, which draws our attention to the relationship between society, language and culture. These short narratives enable us to entertain various points of view and levels of society. The Two Drovers (1827, set around 1795), Sir Walter Scott; The Murder in the Rue Morgue (1841), Edgar Allan Poe; The Adventure of Wisteria Lodge (1908), Sir Arthur Conan Doyle; The Open Boat (1897), Stephen Crane; The Snows of Kilimanjaro (1936), Ernest Hemingway; Barn Burning (1939), William Faulkner; and H.G. Wells' novella The Time Machine (1895). The second quarter will end with Edith Wharton's The Age of Innocence (1920).

For the third trimester we shall read longer works and move closer to the present. Mary McCarthy's The Group (1963) and Robert Heinlein's The Moon Is A Harsh Mistress (1966) are two mid-20th century stories. Our final story, The Satanic Verses (1988) by Salman Rushdie, Britain's best-known postmodern novelist. His depiction of Mohamed provoked a major controversy among Muslims in many countries and the global media, which even included death threats and a fatwa from Iran's Ayatollah in 1989.

Architektur- und Siedlungsbaugeschichte

Dozentin: Irene Gocht

Das Seminar ist einerseits gedacht als allgemeine Einführung in das Thema für alle einfach so Interessierten, andererseits aber auch für diejenigen unter Euch, die sich überlegen, Kunstgeschichte zu studieren, und zwar speziell als Ergänzung des Angebots an kunsthistorischen Instituten. Denn einst Königsdisziplin innerhalb der Kunstgeschichte, ist die Architekturgeschichte dort mittlerweile unterrepräsentiert; nur wenige Kunsthistoriker haben sich auf diesem Gebiet spezialisiert.

Nach einem einleitenden Block, in dem auch ein Grundverständnis für technische Zusammenhänge gelegt werden soll (u.a. anhand der gemeinsamen Konstruktion eines kleinen Modells), werden wir uns mithilfe von Referaten in chronologischer Abfolge mit den einzelnen Epochen befassen. Anfangen werden wir bei Architektur und Siedlungsbau in der Altägäis und enden werden wir mit dem späten 20. Jahrhundert. Themenübergreifend wird uns auch die Entwicklung der Denkmalpflege und das Problem der Rekonstruktion beschäftigen, das trocken klingt, aber heiße Diskussionen birgt. In einer abschließenden eintägigen Exkursion durch Tübingen werden wir als Abrundung die erworbenen Kenntnisse anwenden und exemplarisch die Tübinger Bausubstanz gemeinsam diskutieren, enträtseln und zeitlich einordnen.

Es sind keine Vorkenntnisse notwendig und es wird auch keine Überschneidungen mit dem Romkurs geben. Vielmehr ist das Seminar als sinnvolle Ergänzung zu sehen. Denn während der Architektur- und Städtebaugeschichtskurs einen weitgespannten Überblick liefern soll, bietet die intensive exemplarische Auseinandersetzung mit einer Stadt wie Rom die Möglichkeit, den kulturellen Wandel im Detail zu verfolgen. (Abgesehen davon, dass nicht einmal in Rom alle Kunstepochen vertreten sind). Kurze Information zum Fach: Die Architekturhistoriographie gibt es (bislang jedenfalls) nicht als eigenes Studienfach. Sie ist entweder in der Kunstgeschichte oder innerhalb der Ingenieurwissenschaften bzw. innerhalb des Studiengangs 'Architektur und Städtebau' in der (Bau-)Technikgeschichte angesiedelt. Das spiegelt die traditionelle Kontroverse wider, ob es sich bei Architektur primär um Kunst oder um ein technisches Erzeugnis handle.

Die Architektur- (und Siedlungsbau)geschichte unterscheidet sich aber von anderen Teildisziplinen dieser Fächer in wesentlichen Punkten. Denn Komplexität und Prozesshaftigkeit des Forschungsbereichs führen zu einer fachübergreifenden Verschränkung mit diversen Nachbarwissenschaften und deren Methoden (v. a. mit Klassischer Archäologie, Mittelalterarchäologie, Kulturgeographie, Geschichtswissenschaft und Kulturanthropologie [EKW/ Volks-kunde]). Daneben gilt für den Kunsthistoriker: ohne Grundkenntnisse baupysikalischer Gesetzmäßigkeiten und Baustofflehre ist eine Analyse vieler Bauwerke kaum möglich.

Das erklärt wohl hinreichend, warum die Architektur- und Städtebaugeschichte weder in den Ingenieurwissenschaften noch in der Kunstgeschichte mit ihrer traditionellen, einseitigen Fokussierung auf die Baukunst der Eliten seit der Spätantike (also auf die Baukunst von Aristokratie und Klerus) eine zufriedenstellende Heimat gefunden hat. Aufgrund dieser prinzipiellen interdisziplinären Komponente ist die Architektur- und Städtebaugeschichte strenggenommen als eigenes, als integratives Fach einzustufen.

Zum Jahresthema (Grenzen): Eine Grenze ist Abgrenzung und Absonderung, erschafft innen und außen, das Eigene und das Andere, Zentrum und Peripherie, sie setzt aber auch ein Gegenüber voraus, gebiert Nachbarschaft. Was wäre geeigneter als Architektur, um soziale, administrative und politische Grenzen körperlich und visuell erfahrbar zu machen? Uns wird aber auch der umgekehrte Fall beschäftigen: der Versuch, klassenübergreifende Sozialutopien und demokratische Ideen architektonisch zu präfigurieren. Die Stellung der Auftraggeber von Bauwerken zu ihrer Mitwelt ist ein zentrales Thema in der Architekturgeschichte.

Stadtmauern (oder umgekehrt: Brücken) sind da banale Schulbuchbeispiele – spannender wird es bei den subtilen Materialisierungen dieses Verhältnisses.

Die Abgrenzung einzelner Räume als Kernaspekt architektonischer Gestaltung wurde in den einzelnen Epochen sehr unterschiedlich gelöst: Unter 'Raum' ist hier zum einen natürlich der einzelne Raum innerhalb eines Gebäudes zu verstehen, zum anderen aber auch der Innen- bzw. der Außenraum der Bebauung sowie der (etwa durch Stadtmauern eingegrenzte) Siedlungsraum. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen Siedlungsplanung und den Außengrenzen eines Territoriums oder Staates (Beispiel Burgensystem). Für die Zeit des frühmittelalterlichen fränkischen Staatsausbaus wurde sogar die Anlage spezieller Plansiedlungen entlang der Staatsgrenzen vermutet. Kurzum und ein wenig pathetisch: Es geht in diesem Seminar nicht um eine Formenlehre, sondern um die unterschiedlichsten Formen menschlichen Miteinanders, die sich in unserer gebauten Umwelt widerspiegeln.

Geschichte

Dozent: Daniel Menning

"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht verstehen.“ Mit dieser Aussage unterstrich der Historiker, Publizist und Schriftstelle Golo Mann die Bedeutung der Geschichtswissenschaften für die Gegenwart. Unter diesem Motto will sich das Seminar mit der Geschichte des Geldes beschäftigen.
 

Geld haben wir alle ständig dabei. Ob Münzen, Scheine oder in Form von Kreditkarten. Wir nutzen es so oft, dass wir selten darüber nachdenken, dass unsere heutig Form der Geldnutzung äußerst Voraussetzungsvoll ist, sich in einem historisch langfristigen Prozess entwickelt hat und in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach wandeln wird. Der geschichtliche Entwicklungsprozess hat Spuren in unseren Nutzungsweisen hinterlassen. Wie kommt es zum Beispiel, dass wir darauf vertrauen, mit Papiergeld, das selber praktisch keinen Materialwert besitzt, auch morgen noch bezahlen zu können? Zugleich scheinen sich Erfahrungen mit Geld ins Unterbewusstsein einzuschleichen. In den gegenwärtig Niedrigzinszeiten wird den Deutschen immer wieder eine tiefe, fast schon genetische Angst vor Inflation, das heißt dem Wertverlust von Geld, attestiert. Diese Sorge resultiere aus der zweifachen Erfahrung der Entwertung aller Guthaben zuerst 1923 und dann nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Beispiele zeigen: Geld ist nicht nur ein höchst nützlicher Gegenstand des Alltags, sondern Diskussionen um und Erlebnisse mit Geld sind Sonden um vergangene Gesellschaften verstehen zu können und die historischen Ursprünge unseres heutigen Lebens aufzudecken.
 

Das Seminar wird sich in den ersten beiden Trimestern zunächst mit einem Überblick über die Geschichte des Geldes und den geschichtswissenschaftlichen Zugängen zur seiner Erforschung beschäftigen. Daran anschließend wird der Frage nach dem Verhältnisses von Geld zu ‚wirklichen‘ oder ‚realen‘ Werten nachgegangen und es werden Erfahrungen mit Inflation und Stabilisierung untersucht. Die Beispiel werden hierbei von der Antike bis ins 20. Jahrhundert reichen. Im dritten Trimester wird uns ein kleineres Forschungsprojekt zu Geld im kolonialen Pennsylvania um 1720 beschäftigen.

Germanistik

Dozenten: Dr. Michael Hermann, Dr. Franz Huberth

Aufstand der Doubles. Schatten und Doppelgänger in der deutschen Literatur nach 1800

Die gespaltene bzw. gedoppelte Persönlichkeit zeigt verschiedene Facetten: eine psychopathologische, eine humoristische, eine unheimliche… Das gleichzeitig Abnorme und Bekannte übt als Sujet seit jeher eine große Anziehungskraft aus, von der Komödie bis zur Gruselgeschichte, von der Romantik bis zur Gegenwartsliteratur, von metaphorischen und realistischen Darstellungen bis zu Science Fiction oder Fantastik. Wir finden diese Gestalten naturgemäß nicht nur in der deutschen Literatur, sondern z. B. in der griechischen Mythologie, in Platons Höhlengleichnis, bei Dostoevskij, Poe oder dem vielleicht bekanntesten ‚seltsamen Fall‘ des Dr. Jekyll and Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson.

Schon an dieser Breite zeigt sich, dass die Motive Doppelgänger, Spiegelung, Schatten, Wiedergänger etc. in literarischen Texten viele Formen annehmen und viele verschiedene Funktionen erfüllen können. Aus diesem großen Spektrum haben wir Werke aus unterschiedlichen Gattungen von der Romantik bis zur Gegenwart ausgewählt, von ETA Hoffmann, Kleist und Droste-Hülshoff, über Heine, Storm und Hofmannsthal, bis zu Peter Weiss und Wolfgang Hilbig. Wir lesen Gedichte und Erzählungen in Kombination mit Texten zu Erzähl- und Analysetheorien, um uns über Literatur Gedanken zu machen: wie sie funktioniert, wie man sich wissenschaftlich mit etwas auseinandersetzen kann, das man doch eigentlich nur gemütlich im Sessel zu lesen braucht, wie man die vielen Schichten aufdeckt, die sich beim ersten Lesen nicht erschließen, was Interpretation bedeutet, wieso der Autor eine unsichere Größe ist und vieles mehr.

Voraussetzungen für die Teilnahme? Lust am Lesen und an zunehmend wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Texten und Kontexten; Neugier, Offenheit und die Bereitschaft zum kritischen (Quer-) Denken. Was braucht Ihr nicht zu haben? Vorkenntnisse und Angst vor überstrukturierten oder komplexen Texten. Was wollen wir nicht? Konsumhaltung, Wikipedia-Zusammenfassungen, vage Spekulationen. Wir wollen gemeinsam Literatur lesen und Wege (Methoden) zu ihr erproben und diskutieren.

Journalismus

Dozentin: Sabine Schröder

Journalistische Textsorten in Print und Digital

„Journalismus ist die zivilisierteste Form von Widerstand!“

Peter Glaser, Kolumnist der Stuttgarter Zeitung und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs

Wie behaupten sich Medien angesichts der Tatsache, dass politische und gesellschaftliche Debatten allzu oft nur noch im Internet oder über die sozialen Medien ausgetragen werden?
Wie  bewältigen Journalisten die  Herausforderungen des Online-Journalismus?  
Gibt es noch Raum für seriöse Berichterstattung?

Wir widmen uns in diesem Seminar nicht nur solchen Fragen, sondern klären auch, wie Medien Nachrichten aufbereiten und nach welchen Kriterien Journalisten wichtige von weniger wichtigen Informationen unterscheiden.

Anhand aktueller Texte aus verschiedenen Medien werden wir journalistische Textsorten analysieren und selbst schreiben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer  lernen, was eine Nachricht ist, schreiben Teaser fürs Internet, rezensieren einen Film und/oder ein Buch, kommentieren ein selbst gewähltes Thema und verfassen ein Portrait. Die Arbeit mit Texten spielt im Seminar die Hauptrolle.

Außerdem haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance, aktuelle gesellschaftliche Debatten zu verfolgen und  zu analysieren, allein oder in Gruppen ein Thema ihrer Wahl zu recherchieren und zur Reportage auszuarbeiten. 

Referate und Trimesterarbeiten sind möglich, Themen können sich aus dem Seminar ergeben.

Kunstgeschichte

Dozentin: Prof. Dr. Eva Mazur-Keblowski

Das Ziel der Einführungsveranstaltung ist es, den Teilnehmer*innen eine Vorstellung von den Fragestellungen und Arbeitsmethoden der Kunstgeschichte zu vermitteln. Dabei sollen die Rolle und die Bedeutung der Kunstgeschichte innerhalb der Geisteswissenschaften plausibel gemacht werden. Wir werden uns Charakteristika ausgewählter Epochen der Kunst vornehmen, uns mit einigen bedeutenden Künstlern der Gotik, der Renaissance und des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen. Im Zentrum unseres Interesses werden einerseits Analysen einiger herausragender Werke der europäischen Malerei stehen und andererseits kulturgeschichtliche Aspekte wichtiger Kunstepochen, vor allem des Impressionismus und der Kunst der Jahrhundertwende. Im Rahmen des Unterrichts sind Tagesexkursionen, z.B. zu den Museen in Winterthur und in das Zisterzienserkloster in Bebenhausen vorgesehen.

Mythenbilder

Dozent: Jan Papenberg

Wenn man an Antike denkt, so fallen einem neben den Ruinen in Griechenland oder Rom und bedeutenden historischen Ereignissen auch immer wieder Mythen ein. Herakles/Herkules bekämpft irgendwelche Monster, Odysseus sucht den Weg nach Hause, Frauen verwandeln sich in Bäume, Spinnen oder Felsen, ränkeschmiedende Götter bestrafen die Menschheit – diese und ähnliche Mythen tauchen in Literatur, Film und anderen Medien bis heute auf. Im Kurs werden wir einen Blick darauf werfen, wie die Antike selbst mit ihren Mythen umging, zum einem in literarischer Form und zum anderen – worauf auch das Hauptaugenmerk liegen soll – in der bildenden Kunst. Mythen sind uns vielfach im Epos wie bei Homer, Drama oder in der Poesie überliefert; wir werden unter anderem übersetzte antike Texte lesen, um zu verstehen, wie der Mythos überliefert wurde. Daneben schauen wir uns aber vor allem antike Mythenbilder an, die es praktisch in jeder antiken Bildgattung gibt: man findet sie auf Vasen, als Wandmalerei oder Mosaik, auf Münzen, als Skulptur, rundplastisch oder als Relief, z.B. als Bauschmuck oder auf Sarkophagen. Verwunderlich ist das eigentlich nicht, ist doch der Mythos für den antiken Menschen ein essentieller Bestandteil seines Lebens, seiner Geschichte, Religion und seiner Weltanschauung, der vom Verhältnis der Götter zu den Menschen berichtet oder Spiegel ist für menschliches Verhalten. Es stellen sich uns verschiedene Fragen: ist ein Bild nur reiner Dekor oder gibt es eine tiefer gehende Interpretation – welche; vermittelt ein Bild den Betrachtern unterschiedlicher Epochen den gleichen Inhalt (wer sind überhaupt die Betrachter) und sind bestimmte Mythen, z. B. jene die von Krieg und Tod handeln, für bestimmte Gattungen prädestiniert? Thema wird also sein, einige Mythen erst einmal genau kennenzulernen, um sich danach der Frage zu widmen, welche Bedeutung deren bildliche Darstellung hatte. Dabei werden wir uns einige antike Zentren wie Athen und Rom genauer anschauen, die in der Produktion von Bildwerken eine große Rolle spielen, auch die neuzeitliche Rezeption von Mythen wird Thema sein.

Philosophie

Dozentin: Ursula Konnertz

Theologie

Dozentin: Angela Baggarley

Wissenschaftstheorie

Dozent: Dr. Reinhard Brunner

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt". Sprache und Welt bei Ludwig Wittgenstein

Das Seminar wird sich mit der einzigen von Ludwig Wittgenstein selbst veröffentlichten Schrift, dem ‚Tractatus logico-philosophicus‘, und der Frage der Grenzen der Sprache auseinandersetzen. Was Wittgenstein mit dem hier angeführten Titelzitat über die ‚Grenzen meiner Sprache‘ sicher nicht meint, ist eine radikal konstruktivistische Auffassung der strukturellen Prägung der Welterkenntnis durch die Sprache, die letztlich zu einem Kulturrelativismus führt.

Wittgenstein benennt die Grenze der Sprache als die Grenze des Sagbaren, dessen Jenseits das Unaussprechliche, ja das ‚Mystische‘ darstellt.

Wir werden uns in den ersten beiden Trimestern intensiv, am Text entlang analysierend und interpretierend, mit dieser komplexen Problematik auseinandersetzen.

Ganz nebenbei werden hier die Grundlagen der analytischen Sprachphilosophie kennengelernt und erörtert, die Schriften Russells und Freges sind hier von Bedeutung. Der sogenannte ‚linguisitic turn‘ des 20. Jahrhunderts, dessen Vertreter die klassische Erkenntnistheorie angreifen, wird zu diskutieren sein und vieles mehr. Wir nähern uns also den wissenschaftstheoretischen Fragen von der sprachphilosophischen Seite, dem Verhältnis von Sprache und Welt und der Frage nach den Grenzen, auch der (Natur-) Wissenschaften.

Im dritten Trimester widmen wir uns dem Thema der Grenzen nicht der Sprache, sondern der Philosophie in der heutigen Diskussionslage und diskutieren einige exemplarische Texte der Bestimmung der Philosophie im Verhältnis zu den Wissenschaften. Wittgensteins Position weist implizit viele Parallelen etwa zur Existenzphilosophie Kierkegaards auf. Andere Grenzziehungen der Philosophie und ihrer Möglichkeiten im heutigen Kontext der Verwissenschaftlichung unserer Lebenswelt sind zu diskutieren, etwa die der kritischen Theorie Adornos und seiner Nachfolger, die vorwiegend auf Marx und Nietzsche rekurrieren. Foucaults Rolle der Philosophie zentriert sich auf die Analyse der Macht, die gerade auch in und durch die Wissenschaften ausgeübt wird. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Philosophie des 20. Jahrhunderts in diesen Ausprägungen sich wesentlich als ‚Kritik‘ artikuliert: Sprachkritik, Gesellschaftskritik und Kritik der Macht.

Wir werden also einige exemplarische Texte zur Rolle der Philosophie und Ihren Grenzverhältnissen, sprach- und existenzphilosophisch, gesellschaftstheoretisch und post-strukturalistisch ansehen und diskutieren.

Naturwissenschaften

Astronomie

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Der Weltraum, unendlichen Weiten.

Die Astronomie ist eine der ältesten Naturwissenschaften und diente über Jahrtausende vorrangig der Religion und der Astrologie. Seit der kopernikanischen Wende entwickelte sich aus der rein beobachtenden Astronomie die moderne Astrophysik. Diese untersucht die physikalischen Vorgänge, die zu den beobachteten Phänomenen führen. Der Kurs ist als Einstieg in die Astronomie und Astrophysik gedacht und richtet sich an Anfänger und interessierte Laien. Neben Grundlagen wie Teleskope und Keplergesetze werden wir uns intensiv mit unserem Sonnensystem und Raumfahrtmissionen darin beschäftigen. Im zweiten Trimester steht dann die Astrophysik im Mittelpunkt, wir befassen uns mit Sternaufbau und Sternentwicklung, unserer Milchstraße und Kosmologie.

Das dritte Trimester ist anwendungsorientiert: Aufgaben aus dem Astronomischen Anfängerpraktikum der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät werden in Gruppenarbeit gelöst. Wir bestimmen hierbei unter anderem die Masse des Jupiter aus der Bewegung der vier galileischen Monde.

Bei geeignetem Wetter werden wir auch ab und zu einen Blick in den Sternhimmel werfen und hierzu das 80cm Spiegelteleskop des Instituts für Astronomie und Astrophysik auf dem Sand besuchen.

Astrophysik

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Dieser Kurs findet nur im dritten Trimester statt und richtet sich an Interessierte, die bereits ein Fundament in Astronomie und Physik haben oder neue Herausfordungen suchen. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit Strahlungstransport und Spektralanalyse, Sternaufbaugleichungen, der Herleitung der Keplergesetze sowie schwarzen Löchern. Wer an diesem Kurs teilnehmen möchte, sollte folgende Vorraussetzungen erfüllen:

  • keine Angst vor Gleichungen, Integralen und Ableitungen
  • Kenntnisse bzgl. Atomaufbau, elektromagnetisches Spektrum, Entstehung von Spektrallinien

Biologie

Dozentin: Dr. Giulia Santomauro

Von der Biomineralisation zur Bioinspirierten Materialsynthese und Bionik

In der Industrie und Technik braucht man für viele Anwendungen verschiedene Keramiken, die mit großem Energieaufwand chemisch/physikalisch hergestellt werden. Dagegen können in der Natur keramische Materialien von vielen Tier- und Pflanzenarten unter moderaten Umweltbedingungen produziert werden. Dieser Vorgang heißt Biomineralisation. Die Biominerale dienen häufig als Schutz, wie Muschel- oder Schneckenschalen oder als Stütze, wie unser Skelett. Sogar nur Mikrometer große Einzeller bilden komplex strukturierte Schalen. Jedoch sind die meisten Biominerale für technische Anwendungen schlecht geeignet. Daher haben sich in den letzten Jahren neue Forschungsgebiete, wie die Bionik oder die bioinspirierte Materialsynthese entwickelt, in der die Biomineralisation imitiert wird oder bei denen Organismen selbst sogar technisch verwendbare Materialien herstellen.

Auch hier ist das Thema Grenzen sehr wichtig. Zum einen die Grenze der Imitation, also, inwieweit technisch/biologisch/chemisch/physikalische Lösungen das Ideal des biologischen Vorbilds kopieren können, auch damit das entstehende Material technisch anwendbar ist. Und zum anderen die biologisch/ chemische Grenze in den Organismen, also die Stelle, wo die lebenden Tiere oder Pflanzen anorganische Minerale herstellen.

Im Seminar werden aktuelle Themen aus den Bereichen Biomineralisation, Bioinspirierte Materialsynthese und Bionik behandelt. Zu Beginn des Seminars wählt jeder Teilnehmer ein Thema und erarbeitet selbstständig einen Vortrag mithilfe bereitgestellter und selbst recherchierter Texte. Die meisten Forschungsergebnisse werden in englischsprachigen Zeitschriften veröffentlicht, daher sind viele in diesem Seminar behandelten Texte auf Englisch.

Das Seminar wird durch Exkursionen abgerundet.

Informatik

Dozentin: Felicia Saar

Die Studiengemeinschaft "Angewandte Informatik" konzentriert sich auf eine Kerndisziplin der Informatik: das Programmieren. Ihr Ziel ist es die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die zum Schreiben eigener Programme nötig sind.

Sie gewährt dadurch nicht nur einen Einblick in die Informatik, sondern bietet auch für Interessierte anderer Fachrichtungen eine bedeutende Bereicherung. Diese Bereicherung äußert sich neben der Förderung des analytischen Denkens ganz konkret in der Fähigkeit, Programme für eigene Problemstellungen zu schreiben. Egal ob ein Experiment simuliert, ein Datensatz ausgewertet oder eine Anwendung zur Automatisierung von Routinearbeiten realisiert werden soll: wer einmal richtig Programmieren gelernt hat wird zu jedem dieser Probleme eine Lösung in Form eines konkreten Programms entwickeln können.

Um dieses gewagte Versprechen zu erfüllen wird die Programmiersprache Python vermittelt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch von Interessierten ohne jegliche Programmierkenntnisse als leicht empfunden und gleichzeitig von Erfahrenen für die unglaubliche Vielfalt ihrer Erweiterungen gelobt wird. Die Erweiterung SciPy (Scientific Python) bietet beispielsweise umfassende Möglichkeiten zur statischen Datenanalyse und Simulation an und wird sowohl im akademischen als auch im industriellen Umfeld häufig eingesetzt.

In den ersten beiden Trimestern findet der Python-Grundkurs statt. Der Kurs setzt keinerlei Programmierkenntnisse voraus und führt - angefangen bei der Installation des benötigten Programms - schrittweise in die Sprache ein. Das Niveau des Kurses wächst subtil mit der Zeit an, so dass auch Programmiererfahrene neues entdecken und lernen können.

Die wichtigsten Sprachkonzepte der Programmiersprache Python werden in diesem Kurs von Grund auf erklärt und in der Form von Beispielen, Aufgaben und kleinen Projekten praktisch vertieft, wobei die Möglichkeiten zum eigenständigen Experimentieren mit jedem Kapitel des Kursskripts stark wachsen.

Die Kursstunden beginnen in der Regel mit einem kurzen Vortrag des Dozenten oder einer Besprechung der vorangegangenen Aufgaben. In der übrigen Zeit arbeiten die Kursteilnehmer*innen einzeln oder in Gruppen das Kursskript durch und haben jederzeit die Möglichkeit den Dozenten zu konsultieren.

Im dritten Trimester findet eine Anschlussveranstaltung des Python-Kurses statt, die sich auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet (z.B. wissenschaftliche Datenanalyse und Simulation) konzentriert. Die im ersten Kurs erworbenen Programmierkenntnisse in Python sollen in diesem Kurs auf konkrete, praktische und realistische Problemstellungen angewendet werden. Genauere Informationen zu diesem Kurs werden gegen Ende des zweiten Trimesters bekannt gegeben.

Mathematik

Medizinische Vortragsreihe

Dozent: Prof. Dr. Klaus Hamprecht

Die medizinische Vorlesungsreihe wird im dritten Trimester von Klaus Hamprecht mit Kolleg*innen aus der medizinischen Fakultät organisiert und in unterschiedliche Forschungs- und Praxisfelder der Medizin Einblicke gegeben.

Physik

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Die faszinierende Welt der Physik

Glühbirnen, Fernseher, Handys, DigiCams, Kernkraftwerke... Ohne die Erkenntnisse der modernen Physik wären die meisten Erfindungen des letzten Jahrhunderts nicht möglich gewesen und wir würden auch heute noch ein recht karges Dasein fristen. Dieser Kurs gibt euch einen Einblick in die faszinierende Welt der Physik ohne den in der Schule gebräuchlichen Weg des eintönigen Rechnens einzuschlagen. Hierzu werden wir uns auf eine Reise entlang der Temperaturskala machen, beginnend bei Werten von Milliarden Grad Kelvin und endend bei Werten von Milliardstel Grad Celsius, und uns die dort jeweils interessantesten physikalischen Phänomene anschauen und zu verstehen versuchen. Am Ende des Kurses wird jeder in der Lage sein, Begriffe wie "Kernfusion", "Neutrino", "Supraleitung" oder "Bose-Einstein-Kondensat" in den entsprechenden Kontext einzuordnen und mitzureden.
Im zweiten Trimester werden wir außerdem Labore der Atom- und Festkörperphysiker besuchen, um einen Eindruck vom Arbeiten eines Physikers in der Wissenschaft zu bekommen.


Das dritte Trimester steht dann ganz im Zeichen experimenteller Physik. Wir wollen kleine Experimente aus dem Anfängerpraktikum durchführen, zu jedem Experiment verfasst ihr eine schriftliche Auswertung. Details dazu erfahrt ihr am Ende des zweiten Trimesters.

Psychologie

Dozentin: PD Dr. Susanne Diekelmann

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ Richard David Precht

Dieser Kurs bietet euch die Möglichkeit, das spannende Feld der Psychologie kennenzulernen – der Lehre des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Am Ende dieses Kurses werdet ihr etwas besser verstehen, wer wir eigentlich sind, was uns ausmacht, wie wir so werden wie wir sind und was in diesem Prozess schiefgehen kann. Wir werden uns mit verschiedenen Gebieten und Themen der Psychologie beschäftigen, u.a. mit Lernen und Gedächtnis, Emotion, Motivation und Persönlichkeit. Darüber hinaus erhaltet ihr einen Einblick in die Entwicklungspsychologie und die Psychologie sozialer Interaktion und Kommunikation. Auch mit einigen Beispielen der klinischen Psychologie werden wir uns beschäftigen, u.a. mit Depression, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen.

Ihr werdet euch außerdem einige methodische Kenntnisse der psychologischen Forschung aneignen und verstehen, wie psychologische Phänomene untersucht werden. Dabei werdet ihr z.B. lernen, wie ein psychologisches Experiment funktioniert und welche zunehmende Rolle neurowissenschaftliche Methoden in der psychologischen Forschung spielen.

Schließlich werden wir uns auch mit ethischen und philosophischen Fragen beschäftigen, die die psychologische Forschung und ihre Erkenntnisse aufwerfen. Wie verändert das Wissen über den Zusammenhang von Hirnaktivität mit menschlichem Erleben und Verhalten unser Menschenbild? Welche Konsequenzen hat das für unser Verständnis von freiem Willen und der Verantwortung für unser Handeln? Können wir mit neuen Medikamenten und Techniken unsere Fähigkeiten und unsere Persönlichkeit verändern? Welche Folgen hätte das für uns? Können solche Techniken missbraucht werden und falls ja, wie beugen wir dem vor? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren.

Virologie

Dozent: Prof. Dr. Klaus Hamprecht

Einführung und Basiswissen

  • Was sind Viren? Meilensteine der Virusforschung; Infektionszyklus; Taxonomie
  • Virusstruktur, Genomtypen, Klassifizierung
  • Was macht das Virus in der Zelle?
  • Wie vermehren sich Viren? Grundlagen der DNA-und RNA-Replikation
  • Von der Pflanze zum Mensch: Virusfamilien

Virusnachweismethoden: Vorlesung und Labordemonstration

  • Direkter Virusnachweis: vom Elektronenmikroskop zum Virom
  • Indirekter Virusnachweis: vom ELISA zur Neutralisation
  • Labordemonstration im Institut für Medizinische Virologie

Präventionsstrategien: aktive und passive Impfung

  • Von den Kuhpocken zur HPV-Impfung
  • Impfpräventable und nicht-impfpräventable Virusinfektionen

Antivirale Therapie und Resistenz: Vorlesung und Labordemonstration

  • HIV: vom AZT zu HAART
  • HCV: Aktueller Paradigmenwechsel der Behandlunsoptionen
  • Herpesviren: Cytomegalovirus (CMV) und Herpes simplex virus (HSV)
  • Virustatikaresistenz: Grundlagen antiviraler Therapie bei Herpesviren
  • Labordemonstration: Nachweis der Aciclovirresistenz

Trimester 2: Häufige Virusinfektionen des Menschen

Atemwegsinfektionen

  • Influenza: vom Schwein zum Mensch
  • Influenza: von der Diagnose zur Prävention und Therapie

Virusinfektionen von globaler Bedeutung

  • HIV: Epidemiologie, Diagnose, Therapie
  • Hepatitis B: Epidemiologie, Diagnose, Prävention
  • Hepatitis C: Wandel der Therapieoptionen

Virusinfektionen in der Transplantationsmedizin

  • CMV-Infektionen bei Organ-und Stammzelltranplantation
  • Weitere herpesvirale Infektionen: Epstein-Barr-Virus, HSV

Viren und Krebs

  • Humane Papillomviren (HPV): von der Diagnose zur Prävention

Virusinfektionen in der Schwangerschaft: von Ringelröteln zum ZIKA-Virus

  • Parvo B19-Infektionen
  • CMV: Lange Leidensgeschichte von der Zufallserkennung zum Screening
  • ZIKAV: von Afrika und Polynesien ins Rheintal?

Musische und kreative Fächer

Chor

Dozent:

Der Chor steht allen offen, die Spaß am Singen haben. Es ist keine bestimmte musikalische Vorbildung nötig und es findet auch kein Vorsingen statt. Das Repertoire wird in Absprache mit den Teilnehmern festgelegt und umfasst alle Stile und Epochen: Von Alter Musik bis zu Popsongs und Gospel soll ein möglichst breiter Einblick in die Chormusik gewonnen werden. Auch Stimmbildung findet im Rahmen der Chor- und Stimmproben statt.

Creative Writing

Dozentin: Eva Zeller

Literarisches Schreiben

Vom Brief, über Tagebuch, Miniatur, Porträt, Notat bis zur Kurzgeschichte, Szene und Gedicht: Hier werden literarische Texte geschrieben und gemeinsam diskutiert. Und hier lernen wir Grundsätzliches über das Handwerkszeug des Schreibens. Was sagt der Text genau? Was weiß er, was wir noch nicht wissen? Wie sprechen wir am besten über eigene Texte? Und was bitte ist Literatur?

Filmanalyse und Videoproduktion

Dozent: Harald Weiß

Filme werden viel gesehen und genossen. Aus Filmen erwachsen Gefühle und Gedanken. Das Medium Film ist Kunst und Kommerz. Filme reizen nahezu alle unsere Sinne, unabhängig davon, ob wir sie auf dem Fernsehbildschirm, auf dem Computer- oder Handymonitor oder im Kino anschauen (und anhören). Meistens genießen wir die filmische Unterhaltung, reflektieren aber nicht, warum und wie uns Filme berühren oder zum Nachdenken anregen. Die Wirkweisen und Gestaltungsprinzipien des Mediums Film sind den meisten Rezipienten im Vergleich zum Medium Text/Buch wenig bekannt. Dies will diese Veranstaltung ändern. Es wird analytisch untersucht, wie Filme ihre Wirkungen und Aussagen generieren, und es werden produktiv Aussagen und Wirkungen generiert, indem ein eigener Film erstellt wird. Abgerundet wird das Ganze durch das Ausprobieren verschiedener filmischer Gestaltungsmittel.

Filmanalyse und Filmproduktion ergänzen sich gegenseitig, wobei die Filmanalyse im Verlauf der Veranstaltung der Videoproduktion etwas vorauslaufen wird.

Die Jahrgangsfrage, was eigentlich der Mensch ist, wird im Kurs in vielfacher Hinsicht, vordergründig und hintergründig, eine Rolle spielen: Gibt es einen filmischen Menschen, verändert das Filmschauen uns Menschen, …?

Fotografie

Dozent: Peter Eisen

Der Kurs sollte grob in zwei Abschnitte aufgeteilt werden:

Vermittlung der technischen Grundlagen anhand konkreter Aufgabenstellungen in Aufnahme und Ausarbeitung zum fertigen Bild. Das beinhaltet die Handhabung der Kamera, Wirkung von Belichtungszeit und Blende, Lichtmessung, die Möglichkeit von Wechselobjektiven, die Wirkungsweise von Filtern, Filmmaterialien und Beleuchtungstechnik im Negativbereich sowie das Entwickeln der Filme, die dazu gehörende Chemie, das Erstellen von Abzügen und besondere Dunkelkammertechniken im Positivbereich. Der Schwerpunkt des Kurses wird auf dem Umgang mit Geräten und Materialien aus dem Bereich der herkömmlichen (Silber)-Fotografie liegen, aber auch die technischen Grundlagen der Digitalfotografie und die Grundzüge der digitalen Bildbe- und -verarbeitung werden Themen des Kurses sein.

Anwendung der erlangten Kenntnisse durch das Erarbeiten und die Durchführung eines oder mehrerer Fotoprojekte, die, wenn möglich, zu einer Ausstellung führen sollten. Dies könnte unter unterschiedlichen Gesichtspunkten geschehen. So zum Beispiel im Rahmen einer Reportage oder aus rein künstlerischen Zielsetzungen.

Den Teilnehmer*innen steht ein Fotolabor (schwarz-weiß) im Hause zur Verfügung.

Kunst

Dozent: Jürgen Klugmann

Der Kurs soll ein Angebot sein für kunstinteressierte Menschen, die selbst gerne künstlerisch tätig sein wollen. Hierfür sind Vorkenntnisse nicht nötig, das praktische Arbeiten im Atelier steht im Vordergrund.

Wir werden mit verschiedenen Materialien (Blei, Tusche, Kohle, Graphit,..) zeichnen und uns dabei mit Perspektive und Komposition, Spannung und Harmonie, Kräfte, Tiefe, Fläche und Raum, Linie, Richtung, Strich etc. auseinandersetzen. Gebundenheit und Autonomie der Zeichnung werden uns ebenso beschäftigen wie die (fließenden) Grenzen zur Malerei.

Gemalt wird sowohl mit gekauften als auch selbst gemachten Farben (Öl, Acryl, Tempera...) auf Papier, Holz und Leinwand. Wir können drucken (Holz-, Linolschnitt, Radierung), Landart machen, den Zufall kultivieren, versuchen ein völlig aussagefreies Bild zu schaffen...

Themenfelder gibt es viele, eigene Wünsche und Ideen dürfen gerne eingebracht werden.

Im dritten Trimester soll jede(r) selbständig ein eigenes Projekt erarbeiten, das am Ende in einer kleinen Ausstellung gezeigt wird.

Theater

Dozentin: Annette Burchard

In dem Theaterkurs wird der Schwerpunkt auf Improvisation liegen. Zum einen geht es um das improvisatorische Entwickeln von Figuren (Personage), und zum anderen um das improvisatorische Entwickeln von Szenen. Hier lege ich die Techniken von Keith Johnstone zugrunde (Theatersport).
Darüber hinaus gibt es ein Aufwärmtraining für Stimme und Geist, Übungen zur Körperwahrnehmung, Bühnenpräsenz und Sensibilisierung der Sinne.
Die Erweiterung der darstellerischen, sowie improvisatorischen Möglichkeiten bedeuten für jeden und jede auch eine Erleichterung beim Präsentieren der eigenen Person, was immer wichtiger wird.

Sprachen

Französisch

Dozentin: Karine Garnier

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Italienisch

Dozentin: Elena Bassi

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Spanisch

Dozentin: Olga Ochoa

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Studienreise

Rom-Vorbereitungsseminar

Dozenten: Irene Gocht, Jan Papenberg

Auch in diesem Jahr unternimmt das Leibniz Kolleg seine Studienreise wieder in die "erstaunlichste Stadt des Universums" (Goscinny 1974). Der Vorbereitungskurs richtet sich an die Mutigen, die einfach mehr über die Ewige Stadt erfahren wollen und die bereit sind, ein Teil ihres Wissens in Rom mit der Gesamtheit des Jahrgangs zu teilen. Thematisch deckt der Kurs vor- und die nachchristliche Ära ab: es gibt einen archäologischen, antiken und einen kunstgeschichtlichen Teil, wobei fächerimmanent Aspekte der Topographie, Geschichte, Architektur und Stadtplanung immer wieder eine große Rolle spielen.

Im antiken Part werden wir uns verständlicherweise mit dem Aufstieg Roms zu einem Weltreich auseinandersetzen und wie sich dieser im Stadtbild niederschlägt. Rom wird mit mehr als einer Million Bewohnern zur größten Stadt ihrer Zeit und seit dem ersten Kaiser Augustus massiv ausgebaut. Monumente, Paläste und Tempel künden von Glanz und Gloria des Imperiums und seiner Führer. Wir werden uns anschauen, wie und wofür die Römer ihre Erinnerungs- und Baukultur einsetzen, die sich im ganzen Reich verbreitet hat und deren Formen auch noch heute in Europa und Amerika zu finden sind. Dabei fällt uns dann auch ins Auge, dass die Römer fleißig die griechische Kultur rezipiert haben. Weitere Aspekte, die am antiken Rom höchst interessant sind: Wohnen, Freizeit und Tod. Was macht man mit seinen Verstorbenen und warum, was macht der gemeine Römer den Tag über und warum baut man dafür die größten Komplexe Roms und wo legt der Kaiser mal seine Beine hoch?

Im kunstgeschichtlichen Teil des Seminars werden wir uns anschauen, wie Rom sich zum abendländischen Zentrum des Christentums und damit zur Schatzkammer europäischer Kunst entwickelt. Was wie die selbstverständliche Fortsetzung der Glorie des römischen Imperiums klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als Kraftakt mit einigen Erfolgen und vielen Rückschlägen und mit diversen unvermuteten Details. Da Kunst nie in luftleerem Raum entsteht, spiegelt sie all diese Prozesse und Auseinandersetzungen wider. Römische Kunst ist letztlich (fast) immer (religions-)politische Kunst. Wir werden uns also anschauen, was die frühchristliche römische Kunst in Rom ausmacht, was typisch für die mittelalterliche ist, und wie Rom in

Renaissance und Barock seine Glanzzeit erreicht. Im 19. Jahrhundert schließlich sinkt Roms Stern – die Stadt wird zu einer europäischen Großstadt unter vielen und verliert ihren Vorbildcharakter. Für uns ist sie deshalb nicht weniger interessant, denn auch die Entwicklung Roms zu einer typischen Großstadt des Industriezeitalters und zu einer nationalen Hauptstadt ist spannend zu untersuchen. Das Ziel Mussolinis, an die Größe des antiken Imperiums anzuknüpfen, wird ein weiteres Thema sein. Auch wenn viele seiner Projekte das heutige Gesicht Roms geprägt haben, so haben sie doch überwiegend antike Bausubstanz in Szene gesetzt (wir werden uns allerdings auch die Ausnahmen anschauen, also Beispiele faschistischer Architektur). Der Anschluss an moderne Architektur internationalen Ranges ist Rom erst vor wenigen Jahren wieder gelungen. Auch damit werden wir uns befassen.

Rom bietet eine unübertroffene Vielfalt von der Antike bis heute. Nicht umsonst gehörte eine Studienreise in die Ewige Stadt lange Zeit zum absoluten Muss einer guten Ausbildung. Rom ist einzigartig, und doch werdet Ihr Rom überall in Europa auf Euren künftigen Reisen wiederfinden. Warum das so ist, wollen wir mit Euch klären.

Unmittelbar vor der Romfahrt findet ein Wochenendseminar statt, das für alle Pflicht ist, und den gesamten Jahrgang in die Romfahrt einführt.

Kompakt- und Wochenendseminare

Schreiben wissenschaftlicher Prosa (Propädeutikum, Pflicht)

Dozenten: Dr. Michael Hermann, Dr. Franz Huberth

Das Wochenendseminar zum Schreiben wissenschaftlicher Prosa dient der Einübung des Schreibens nach wissenschaftlichen Kriterien. Letztere werden detailliert vorgestellt. Anschließend wird in kleineren Gruppen schrittweise eine entsprechende Hausarbeit angefertigt. Das Thema lautet: "Europa - von der Utopie zur Dystopie?" Die gemeinsame Textgrundlage bildet ein eigens zu diesem Zweck zusammengestellter Reader, der im Vorfeld der Veranstaltung an alle Teilnehmer*innen verschickt wird.

Praktische Rhetorik (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentin: Dr. Carmen Lipphardt

Das Wochenendseminar zur praktischen Präsentationsrhetorik zielt darauf, das freie Sprechen und Präsentieren wissenschaftlicher Arbeiten vor Gruppen - mit und ohne Notizen - intensiv zu reflektieren und einzuüben. Es kommt hierbei besonders auf die Gewinnung von praktischen Erfahrungen an.

Schreiben naturwissenschaftlicher Arbeiten (Propädeutikum, Pflicht)

Dozenten der naturwiss. Fächer

Das Verfassen naturwissenschaftlicher Arbeiten wird an einem Wochenendseminar im zweiten Trimester gesondert behandelt. Es beinhaltet im Vorfeld hierzu zwei Doppelstunden Excel und zwei Doppelstunden Statistik. Im Rahmen des Seminars wird in Gruppenarbeit ein kleines Experiment durchgef"uhrt, das Grundlage des anschlie"senden Schreibprojektes ist.

Politisches Kompaktseminar in Bad Urach (Propädeutikum, Pflicht)

Das politische Wochenendseminar findet in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung im Haus auf der Alb in Bad Urach statt. Das Thema und das Rahmenprogramm werden gemeinsam von allen Kollegiat*innen bestimmt. Die Programmgestaltung (Auswahl der Referent*innen) übernimmt Bernd Mall von der LZPB in Abstimmung mit der Leitung des Leibniz Kollegs.

 

Methoden der empirischen Sozialforschung (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentin: Dr. Katja K. Hericks

Methoden der empirischen Sozialforschung umfassen neben der Statistik auch viele qualitative Verfahren, das sind zumeist aufwendige Analysen von Text- und Bildmaterial mit kleinen Fallzahlen. In diesem Workshop werden Erhebungsverfahren wie Interviews, teilnehmende Beobachtung, Dokumenten- und Onlineanalyse sowie visuelle Methoden vorgestellt und ausprobiert.
Erinnern Sie sich noch, als Sie - zumeist zu Beginn der Pubertät - in langen Telefonaten mit der besten Freundin oder dem besten Freund über ein kaum eine Minute dauerndes Zusammentreffen mit ihrer/ihrem Angebeteten diskutiert haben und mithilfe der wortgetreuen Wiederholung der Sätze, aus den Blicken, Bewegungen, Mimiken und Kontextwissen versucht haben, herauszulesen, ob Sie jetzt eine Chance haben oder nicht? Damit haben Sie schon Ihre erste qualitative Forschung gemacht: Fragestellung, Erhebungsmethode, ein aufwendiges interpretatives Auswertungsverfahren und Thesenbildung, und das anhand einer sehr sehr kleinen Fallzahl.
Ein Einblick in zwei verschiedene thesenbildende Auswertungsverfahren rundet den ersten Eindruck zu qualitativen Forschungsdesigns ab.

 

Erstellen von wissenschaftlichen Postern (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentin: Marion Springer

Zur Präsentation von Forschungsergebnissen auf Tagungen wird zunehmend nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften verlangt, die Ergebnisse von Arbeiten und Projekten übersichtlich und bildlich angeordnet für ein Fachpublikum oder auch eine interessierte Öffentlichkeit strukturiert aufzubereiten. Dabei kann ein künstlerisch kreativer Zugang sehr hilfreich sein. Ideal wäre die praktische Erarbeitung und Umsetzung einer Präsentation von gemeinsamen Arbeiten zum Jahresthema für das ganze Kolleg auf der Abschlussveranstaltung.

Einführung in Latex (freiwillig)

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Latex ist ein freies Textsatzsystem zum professionellen Erstellen wissenschaftlicher Texte. Es erstellt automatisch, mittels vordefinierter Klassen, ein professionelles Layout, das auf jahrhunderte langer Erfahrung der Setzer und Drucker beruht, und ermöglicht so dem Autor, sich voll und ganz auf den Inhalt zu konzentrieren. Latex ist insbesondere in der naturwissenschaftlichen Welt weit verbreitet, setzt sich aber auch in anderen Bereichen immer mehr durch.

Dieser Kurs gibt eine Einführung in den, für Neueinsteiger etwas gewöhnungsbedürftigen, Umgang mit Latex. Wir werden uns mit der Strukturierung des Dokumentes und Textes, dem Erstellen von Tabellen und Einbinden von Graphiken, dem mathematischen Zeichensatz, dem automatischen Erstellen von Literatur- und sonstigen Verzeichnissen und vielem mehr beschäftigen.