Cultural anthropology

Basiseinkommen und soziale Sicherung in Namibia

Gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung 2011

1. Projekttitel
Basiseinkommen und soziale Sicherung in Namibia. Eine ethnologische Analyse

2. Projektleiterin
Dr. Sabine Klocke-Daffa
Asien-Orient-Institut
Abteilung für Ethnologie
Schloss
72070 Tübingen

3. Inhalt des Projekts

In Namibia ist im Jahre 2008 ein Modellprojekt der Evangelischen Kirche von Namibia gestartet, das weltweit für Aufsehen und Diskussionen gesorgt hat. Es geht dabei um die Gewährung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BIG = Basis Income Grant) in Höhe von 100 NAM pro Monat, das jedem namibischen Bürger unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Einkommen/Vermögen gewährt werden soll. BIG hat die ökonomische und soziale Situation der verarmten Landbevölkerung im Testgebiet wesentlich gestärkt, lässt aber die Frage nach den kulturellen Implikationen offen. Nachhaltig wird BIG nur dann sein, wenn die gewährten Mittel in die informellen, auf reziprokem Austausch basierenden Unterstützungssysteme integriert werden, die den größten Teil aller Sicherungsleistungen abdecken. Im Mittelpunkt des Projektes steht deshalb die Frage, ob und in welchem Umfang das BIG-Einkommen dazu dient, die Position der Nehmer so weit zu stärken, dass sie im informellen Austauschsystem (wieder) Geber sind und dadurch langfristig Nehmer bleiben können. Damit wäre die Gewährung eines bedingungslosen Grundeinkommens in einer sehr kulturspezifischen Weise auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Forschung schließt damit an die aktuelle Diskussion um die Interdependenz von formellen und informellen Sicherungskonzepten an und verspricht Aufschluss über den Zusammenhang von Sozialstruktur, Akzeptanz und Umsetzung moderner Sicherungsmechanismen zu geben.