Kommentierte Edition des Briefwechsels Heinrich Besseler – Jacques Handschin (1925-1954) (DFG)

 

Projektleiter: Thomas Schipperges

Akademischer Mitarbeiter: Jörg Büchler

Studentische Hilfskraft: Jannik Franz

 

Drittmittel: DFG

Projektlaufzeit: August 2017-Juli 2018

 

Projektbeschreibung

Der langjährige Briefwechsel zwischen Heinrich Besseler und Jacques Handschin stellt eine einzigartige fach- und wissenschaftsgeschichtliche Dokumentation dar. Die nachhaltige Wirksamkeit dieser beiden Musikhistoriker bis in die heutige Zeit hinein, lässt sich mit kaum anderen Protagonisten des Faches vergleichen. Die Korrespondenz reicht von 1925 bis 1954, das Jahr vor Handschins Tod. Sie spiegelt a) die Konzentriertheit beider Forscher im Bemühen um die Interpretation von Quellen der mittelalterlichen Musik, b) unterschiedliche methodische Zugänge und ihre Deutung und Umsetzung, c) unterschiedliche weltanschauliche und (kultur-) politische Positionierungen in der Zeitgeschichte vor und nach 1933 und 1945. Besseler verfolgte den strengen philologischen Weg seines Göttinger Lehrers Friedrich Ludwig, Handschin suchte, geprägt durch Erich von Hornbostel und Robert Lachmann, den Einbezug musikethnologischer Denkweisen. Zunehmend, im so konträren Blick aus Deutschland und der Schweiz, tritt mit der Machtübergabe an die Nazis die Einbindung von Wissenschaft ins Weltgeschehen hinzu (auch im persönlichen Umfeld beider Forscher: Hornbostel und Lachmann wurden vertrieben, Besseler vermittelte seinen Meisterschüler Manfred Bukofzer an Handschin in Basel, ein Gutachten zu Otto Gombosi, um das ihn Handschin bat, lehnte er politisch begründet ab). Schlaglichter der Wissenschaftskommunikation beleuchten etwa die Korrespondenzen im Zusammenhang der Neubesetzung des Lehrstuhls Sandberger in München 1930 oder um den Kongress der IGMW in Barcelona 1936. Der Austausch ist schließlich ein anschaulicher und lebendiger Spiegel der Situation der deutschsprachigen Musikwissenschaft in der frühen Nachkriegszeit. Der Briefwechsel bildet eine zentrale fach- und zeitgeschichtliche Quelle und fand und findet entsprechend unter beiden Gesichtspunkten, bisher allerdings nur in Ausschnitten für Forschungen herangezogen und durch Einzelzitate zugänglich, Aufmerksamkeit.

 

The correspondence between Heinrich Besseler and Jacques Handschin from 1925 to 1954 (the year before Handschin's death) represents a unique documentation of the history of musicology and the history of science. The continuous effectiveness of these two historians of music up to the present time is unique within the discipline. It reflects a) the constant efforts of both researchers to interpret the sources of mediecal music, b) different methodological approaches in the construction of history, and c) different ideological and culturalpolitical positioning in the Contemporary History before and after 1933 and 1945. Besseler has followed the strict philological path of his teacher in Goettingen, Friedrich Ludwig, and Handschin, influenced by Erich von Hornbostel and Robert Lachmann, has pursued the inclusion of musicethnological concepts. With the Nazi's seizure of power (so called Machtübernahme), the integration of science into the world politics is increasingly taking place (also in the personal environment of both researchers: Hornbostel and Lachmann were expelled, Besseler placed his student Manfred Bukofzer to Handschin in Basel, but when Handschin asked Besseler to write an expert opinion letter for Otto Gombosi he refused for political reasons. The correspondence illuminates also some important points of science communication, e.g. the replacement of professorship of Adolf Sandberger in Munich in 1930 or the congress of the IGMW in Barcelona in 1936. Finally, the exchange is a clear and lively reflection of the situation of the German-speaking musicology in the early post-war period. The correspondence is a central source of the history of musicology and the Contemporary History; it was closely attended to terms of both aspects but up to now only in excerpts.

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