Sándor Veress (1907–1992) – 25 Jahre der Edition seiner Werke

Projektleiter: Andreas Traub, Claudio Veress

 

Sándor Veress (geb. 1907 in Klausenburg, gest. 1992 in Bern) gehört zu den bekannten, aber nicht zu den bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Vom Krieg und den politischen Entwicklung in Ungarn war der Lebensweg überschattet, schwierig gestaltete sich das Verhältnis des Komponisten zu den Verlagen. Nach und neben Versuchen, mit Universal Edition in Wien und mit Boosey & Hawkes in London Verträge abzuschließen, was zu keinen belastbaren Resultaten führte, entstand schrittweise ein Vertragsverhältnis mit Suvini Zerboni in Mailand. Obwohl zwischen 1943 und 1986 rund dreißig Werke bei Suvini Zerboni verlegt wurden, etwa ein Drittel des Gesamtwerkes, tat der Verlag wenig, sie bekannt zu machen. Zudem blieben wesentliche Werke, etwa die Transsylvanische Kantate von 1935, ungedruckt. Verkürzt gesagt: Der Verlag zeigte seinerseits kein Interesse an den Drucklegungen, und Veress war persönlich nicht willens und in der Lage, sich und seine Werke aufdrängen zu wollen. Dies führte nach dem Tod des Komponisten dazu, dass ungeplant Editionsschritte unternommen werden mussten, wenn man nicht das Risiko eingehen wollte, durch unvorhersehbare Verluste welcher Art auch immer das Werk dieses Komponisten insgesamt in Fragmente zerfallen zu lassen.

 

Als Sándor Veress am 4. März 1992 in Bern starb, waren alle Werke seiner letzten Schaffensperiode – ab 1977, mit Emeritierung als Professor für Musikwissenschaft an der Universität Bern – noch nicht gedruckt. Ebenso ungedruckt blieben bereits bekannte Werke aus früherer Zeit. Die Durchsicht des unerwartet umfangreichen Nachlasses ergab und ergibt, dass zudem Material zu Werken vorhanden ist, von denen man bisher dachte, sie seien Verlust durch den Krieg (Zerstörung des Hauses in Budapest) oder den Gang ins Exil 1949. Veress selbst hatte über die Drucklegung seiner Werke nichts bestimmt. Die Aufgabe fiel somit den testamentarisch eingesetzten Nachlassverwaltern Claudio Veress, Heinz Holliger und Andreas Traub zu.

 

Hierzu liegt als schriftliche Basis vor: Andreas Traub, Zur Editio critica der Werke von Sándor Veress, in: Musikedition als Vermittlung und Übersetzung. Festschrift Weber, hrsg. von Christian Speck, Bologna 2016, S. 249-265.

 

Internationales Symposium mit Vorträgen, Diskussionen, Workshop und Konzert

26. November 2017

DFG

Tagungsorganisation: Andreas Traub, Claudio Veress, Thomas Schipperges

 

Nach 25 Jahren ist nun ein vorläufiger Abschluss dieser Arbeit erreicht. Auf einer Internationalen Tagung soll in Vorträgen, Diskussionsrunden, einem Workshop und einem Konzert in einem Kreis von Musikforschern, Editoren, Archivaren und Musikverlegern aber auch Veress-Interpretinnen und –Interpreten, den (kritischen) Rezipienten also der Editionsarbeit, über die Ergebnisse Rechenschaft gegeben und die fortbestehenden Editionsprobleme und –aufgaben an ausgewählten Werken diskutiert werden.