Japanologie

DAAD-JSPS Joint Research Program – "Japanische Kollokationen"

Erfolg der Tübinger Japanologie beim „DAAD-JSPS Joint Research Program“ mit einem Projekt zu maschinenunterstützter Übersetzung

 

Das „DAAD-JSPS Joint Research Program“ fördert die Kooperation zwischen japanischen und deutschen Forschungsgruppen. Notwendig zur Teilnahme war eine Parallelbewerbung eines deutschen und eines japanischen Partners beim DAAD bzw. bei der JSPS (Japan Society for the Promotion of Science) für ein gemeinsames Forschungsvorhaben.

 

Auf Seiten der Tübinger Universität stellte Dr. Ulrich Apel von der Abteilung für Japanologie des AOI den Antrag. Auf der japanischen Seite zeichnet Prof. Dr. Kyo Kageura von der Universität Tokyo verantwortlich. Er leitet dort an der Graduate School of Education das Library and Information Science Laboratory.

 

Das Projekt steht unter dem Titel „Flexibler Abgleich japanischer Kollokationen in einer japanisch-fremdsprachigen Umgebung für maschinenunterstützte Übersetzung“. Kurz gesagt geht es darum, Redewendungen, Verwendungsbeispiele, Komposita und Ableitungen, die in einem sehr umfassenden japanisch-deutschen Wörterbuch bereits erfasst sind, in einem System für maschinenunterstützte Übersetzung nutzbar zu machen, auch wenn diese in einer varianten Form vorliegen und eben nicht ganz identisch sind.

 

Ein solches Übersetzungssystem wird seit 2005 am Laboratorium für Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Universität Tokyo entwickelt – „Minna no Hon’yaku“, was auf Deutsch „Übersetzen für alle“ bedeutet: <http://trans.trans-aid.jp/>. Dieses System soll es insbesondere Übersetzern aus NGOs und NPOs erleichtern, Texte aus dem Englischen ins Japanische zu übersetzen.

 

Theoretisch lässt sich das System auch für Übersetzungen aus dem Japanischen verwenden, indem beispielsweise ein japanisch-deutsches Wörterbuch integriert wird wie „WaDokuJT“: <http://www.wadoku.eu/> bzw. <http://www.wadoku.japanologie.uni- tuebingen.de>. Dieses Wörterbuch entstand 1998 auf Initiative von Dr. Ulrich Apel. Es ist mit über 110.000 Lemmata und weit über 270.000 Datensätzen das umfassendste seiner Art. Das Wörterbuch wird laufend überarbeitet und entwickelt sich ständig weiter. 2009 erhielt das Projekt den renommierten JaDe-Preis der JaDe-Stiftung, deren Zweck die Förderung der kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und der Bundesrepublik Deutschland ist.

 

Erst ein flexibler Abgleich von Wortgruppen eines zu übersetzenden Originaltextes mit Wortgruppen einzelner Einträge des Wörterbuches kann die Stärken eines solchen Übersetzungssystems wirklich voll ausspielen.

 

Das Abgleichsystem mit Deutsch als Pilotsprache sollte für Übersetzungen aus dem Japanischen in andere europäische Fremdsprachen relativ leicht anpassbar sein. Der erreichte verbesserte und flexible Abgleich von Kollokationen und die Verwendung neuer Wörterbücher und Übersetzungsspeicher sollte menschlichen Übersetzern eine Textübersetzung wesentlich erleichtern und die Qualität von Übersetzungen verbessern.

 

Das Auswahlverfahren für das Programm war ausgesprochen kompetitiv. Wichtig für den Erfolg war, dass sich beide Seiten ausgesprochen gut ergänzen: die Tokyoter Seite mit dem Hintergrund in Informationsverarbeitung und Computerlinguistik und die deutsche Seite mit Lexikographie und japanisch-deutscher Sprach- bzw. Übersetzungskompetenz.

 

Das Programm fördert insbesondere die Mobilität und die Forschungsmöglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses. Neben den Projektleitern nehmen insgesamt drei Doktoranden und eine Masterstudentin an diesem Projekt teil. Der Förderzeitraum beläuft sich auf zunächst zwei Jahre.