Veranstaltungen im Rahmen des Projekts

5.-6. Juni 2015, Internationaler Workshop „Zirkulation von Nachrichten und Waren: Medien und Praktiken der eleganten Welt des langen 19. Jahrhunderts“, Universitätsbibliothek Tübingen, Bonatzbau

 

Referentinnen und Referenten des Workshops: Dr. Astrid Köhler (Queen Mary University of London), PD Dr. Hedwig Pompe (Universität Bonn), Prof. Dr. Annegret Pelz (Universität Wien), Prof. Dr. Susanne Marten-Finnis (University of Portsmouth), Prof. Dr. Dorothee Kimmich (Universität Tübingen), Dr. Marina Čizmić Horvat (Zagreb), Dr. Hedvig Újvári (Katholische Universität Péter Pázmány, Piliscsaba), Frank Bauer (IdGL, Tübingen), Prof. Dr. Carl Bethke (Universität Tübingen), Dr. Tina Theobald (Universität Heidelberg).

 

Veranstalterin: Dr. Anna Ananieva, Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde, in Kooperation mit dem Zentrum zur Erforschung deutscher Geschichte und Kultur in Südosteuropa an der Universität Tübingen.

 

 

Seminar und Ausstellung „Stadtleben, Kultur und Konsum im östlichen Europa des 19. Jahrhunderts“

 

Seminar: Sommersemester 2015; freitags 13-16 Uhr; Beginn: 17. April Großer Übungsraum, Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Hegelbau)

 

 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Lebenswelten der aufstrebenden osteuropäischen Städte wie Prag und Buda-Pest. Sie entwickelten sich im 19. Jahrhundert in einer engen Auseinandersetzung mit den städtischen Kulturen imperialer Metropolen wie London und Paris, Wien und St. Petersburg. Das Seminar fokussiert die damit einhergehende Nachrichten- und Warenzirkulation zwischen „West“ und „Ost“. Ziel der Veranstaltung ist, die Vermittlung neuer urbaner Lebensentwürfe zu rekonstruieren und die wechselseitigen Prozesse der Modernisierung exemplarisch zu beleuchten.

 

Dabei werden weit gestreute Bereiche des Kulturkonsums thematisiert: von materieller Kultur über gesellige Praktiken bis hin zu Musik und Literatur. Neben der Beschäftigung mit den Objektfeldern wie Zimmereinrichtung (Textilien, Tapeten, Möbel), Kleidung oder Kosmetik spielt die Vermittlung dieser Konsumwaren in der deutschsprachigen Kulturpresse eine große Rolle in dem Programm der Veranstaltung. Zeitungen und Zeitschriften berichten ausführlich über die urbanen Lebenswelten in europäischen Städten und sind maßgeblich an der Verbreitung des aktuellen Wissens über den urbanen Lebensstil, die kulturellen Praktiken und Warenwelten er Metropolen beteiligt.Im Rahmen der Seminars wird eine Ausstellung zum Thema Kulturkonsum im östlichen Europa des 19. Jahrhunderts konzipiert und vorbereitet, die vom November bis Dezember 2015 in der Universitätsbibliothek Tübingen gezeigt wird.

14. Februar 2014, Arbeitsgespräch und Vorstellung des Forschungsprojekts (Interner Workshop):

 

TeilnehmerInnen der Veranstaltung:  Márta Fata, Olivia Spiridon (Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde); Carl Bethke, Frank Bauer (Institut für Osteuropäische Geschichte), Schamma Schahadat, Irina Wutsdorff (Slavisches Seminar); Barbara Thums (Germanistisches Seminar); Renate Dürr, Ewald Frie (Seminar für Neuere Geschichte) und  Juliane Brandt von dem IKGS in München.

25. April 2014, Tübinger Fenster für Forschung – TÜFFF – Universität Tübingen präsentiert sich der Öffentlichkeit:

 

Das Forschungsprojekt nimmt an dem TÜFFF 2014 mit einem Informationsstand teil und stellt sich einer interessierteren Öffentlichkeit vor.

5. Juni 2014, Internationale Tagung „Epochenumbruch. Von der Aufklärung zur Romantik im Russischen Reich / От просвещения к романтизму. Литература и культура Российской империи на рубеже 18 -19 вв.“ Alfried Krupp Wissenschaftskolleg und Institut für Slawistik der Universität Greifswald, 4.-7.6.2014.

 

Anna Ananieva hält den Vortrag zum Thema „Aufbruchsstimmung und Unterhaltung: Zur Erfindung ‚europäischer Gegenwart’ in belletristischer Publizistik um 1800“.

8.-10. Juni 2014, Workshop „Mapping and Visualisation of Transnational (Hi)Stories“, University of St Andrews, Centre for Transnational History


Rolf Haaser und Anna Ananieva nehmen teil an dem Workshop zu konzeptuellen und technischen Aspekten von Visualisierung von historischen Netzwerken und transnationalen Bewegungen.

  • Zur ausführlichen Dokumentation des Workshops siehe: Hier
  • Weiterführende Infos zum Tübinger Beitrag siehe: Hier

29. September -1. Oktober 2014, Conference „ Dynamics of Social Change and the Perceptions of Threat”, German Historical Institute London.

 

Anna Ananieva und Rolf Haaser stellen im Rahmen der gemeinsamen Tagung des SFB 923 “Bedrohte Ordnungen” und des DHI London ihre Studie zur Überschwemmungskatastrophe in Buda und Pest als einen Faktor im Prozess des sozialen Wandels der Vormärzzeit vor.

 

16.-19. Mai 2015, Borders & Identity Conference: “Urban Fragmentation(s)”, Humboldt University in Berlin

Mate Eichenseher und Johanna Heisig nehmen an der dritten „Borders & Identity“-Tagung der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin (GWZ e.V.) teil und stellen das BKM-Projekt mit einer Poster-Präsentation vor.

2. – 4. Oktober 2015, Interdisziplinäre Konferenz „Der europäische Salon: Salonmusik des 19. Jahrhunderts“, Music Department, National University of Ireland, Maynooth

Das BKM-Projekt gestaltet im Rahmen der Konferenz mit drei Vorträgen die Arbeit einer Sektion zum Thema „Transformationen von Unterhaltung: Zum Wechselspiel von Salonmusik und Kulturzeitung in mittel- und osteuropäischen Städten“.

 

Kurzbeschreibung:

 

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts findet eine bemerkenswerte Ausdifferenzierung von Unterhaltungspraktiken europaweit statt. Die Tradition einer ambitionierten Gesprächskultur, für die lange Zeit die Literatur als das Leitmedium und der Salon als der privilegierte Ort diente, verwandelt sich in eine Vielfalt von Freizeitvergnügungen, die neue Medien und neue Räume von Unterhaltung hervorbringen. In ästhetisch-sozialer Konkurrenz von „neuen“ und „alten“ Unterhaltungsfigurationen transformiert sich nachhaltig nicht nur die Vorstellung von der Salonkonversation und ihren medialen Bedingungen, sondern auch das Konzept der Geselligkeit überhaupt, die nun nicht ausschließlich als Kommunikation unter körperlich bzw. räumlich Anwesenden verstanden wird. Mit den medialen Transformationen von Unterhaltung gehen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Innovationen einher, die im Mittelpunkt der geplanten Sitzung stehen: Salonmusik und Kulturzeitung. Das Wechselspiel von musikalischer Unterhaltung eines Salons und imaginärer Geselligkeit eines Unterhaltungsblattes, die programmatisch eine gemischte Gesellschaft adressieren, wird in den Beiträgen der Sitzung konzeptuell erörtert (Ananieva) und an zwei Fallstudien (Haaser; Heisig) analysiert. Der Fokus der Studien richtet sich dabei auf deutschsprachige Unterhaltungsmedien in mittel- und osteuropäischen Städten und nimmt verschiedene Akteursgruppen der europäischen Salonkultur in den Blick. Der konzeptuelle Rahmen der thematischen Schwerpunktsetzung der geplanten Sitzung ist zugleich Gegenstand des Vortrages „Transformationen von Unterhaltung zwischen Konversation und freier Geselligkeit in der Biedermeier- und Vormärzzeit“ von Anna Ananieva. Hier werden vor dem sozio-kulturellen Hintergrund die medienhistorischen Entwicklungen erörtert, die ein spezifisches Wechselspiel von Salonmusik und Kulturzeitung entstehen lassen. Sie finden u.a. in zeitspezifischen, ästhetisch-sozialen Entwürfen einer gemischten Gesellschaft der „Eleganten“, einer Salongesellschaft, ihren Ausdruck.  Nicht nur, aber gerade auch in der Presse- und Musikstadt Leipzig gehörten Musikalien und Notenblätter zum Requisitenarsenal der geselligen Zirkel. Rolf Haaser geht in seinem Vortrag „Geselligkeit und Musikalienhandel in Leipzig“ den Tätigkeiten der musikaffinen Verlegerfamilie Voss, den Inhabern des Leipziger Voss-Verlages, nach, in dem seit 1801 die erste deutschsprachige Kulturzeitung „Zeitung für die elegante Welt“ erschien. Große Aufmerksamkeit widmete der Verlag einem in das Musikfach einschlagenden Titel von Nina d’Aubigny von Engelbrunner, auf den der Vortrag näher eingeht. Ihre „Briefe an Natalie über den Gesang, als Beförderung der häuslichen Glückseligkeit und des geselligen Vergnügens“ (1803) wurden zeitnah zu ihrem Erscheinen in den Kulturjournalen des Verlages beworben, rezensiert und in Auszügen abgedruckt. Zur Verbreitung musikalischer Unterhaltungspraktiken in St. Petersburg und zur Erweiterung des Salonrepertoires von Frauen trug in den zweiten und dritten Dezennien des 19. Jahrhunderts ganz wesentlich Charles Mayer (Carl Meyer, 1799-1862) bei. Der Komponist und Pädagoge ging u.a. mit seinen „Salonstücken“ in die Musikgeschichte ein und genoss seinerzeit nicht nur im Russischen Reich ein hohes Ansehen. Als Klaviervirtuose reiste er durch Europa und wurde von dem Publikum und der Kulturpresse gefeiert. Im Rahmen einer Fallstudie wird in dem Vortrag von Johanna Heisig „Von Petersburg nach Dresden – der Salonmusiker Charles Mayer“ anhand von Berichterstattungen und Rezensionen in europäischen Kulturzeitungen der Transfer musikalischer Unterhaltung von St. Petersburg über Wien und Prag bis Dresden nachgezeichnet.