Prof. Dr. Susanne Winkler

Englisches Seminar - Englische Linguistik


E-Mail: susanne.winkler[at]uni-tuebingen.de

Homepage: Susanne Winkler

Prof. Dr. Susanne Winkler

Susanne Winklers zentralen Forschungsschwerpunkte sind theoretische Syntax, Informationsstruktur und empirische Grammatikforschung (Erwerb, Verarbeitung, Sprachstörung). Die neueren Forschungsaktivitäten sind interdisziplinär ausgerichtet und umfassen lokale und globale Ambiguität sowie neurolinguistische Fragen der Sprachverabeitungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen mit linkshemisphärischen Läsionen. Ihr Hauptinteresse gilt seit langem der Frage, wie Bedeutung fast gleichzeitig zum Gehörten entsteht, welche Rolle dabei der Sprecher spielt, warum Hörer Sätze zu Ende sprechen können, unvollständige Sätze verstehen können und oft durch die Betonung Signale bekommen, was mit dem Satz gemeint ist.

 

Sie betreibt Grundlagenforschung zur Frage wie sprachliche Strukturen repräsentiert und verarbeitet werden und wie sie im Diskurs interpretiert werden. Das Ziel besteht darin, konkrete Aussagen treffen zu können, wie Menschen aus komplexen Wortabfolgen in hoher Geschwindigkeit Bedeutung aufbauen können. Dabei untersucht sie insbesondere die sprachbezogenen Prozesse, die der kognitiven Verarbeitung von gehörten oder gelesenen Sätzen zugrunde liegen. Die Erkenntnisse aus dieser Forschung sollen klären, warum es uns gelingt, Sprache in kürzester Zeit und ohne sichtbare Anstrengung zu verstehen, Mehrdeutigkeiten aufzulösen, Fehlinformationen im Kontext auszufiltern und bei Verletzung des Gehirns in sehr frühem Alter, Sprache in die unverletzte Gehirnregion zu verlagern. Es soll auch geklärt werden, wodurch diese hocheffizienten Prozesse gestört werden, oder gar zusammenbrechen und wir das Gehörte oder Gelesene nicht mehr verstehen. Ein wichtiger Forschungszweig betrifft die Frage, wie genau grammatische Regeln und Prinzipien funktionieren und welche Rolle kognitive Prozesse dabei spielen.

 

Aktuelles Projekt 1

SFB 833 A7: Fokuskonstruktionen und Freezing

 

(Projektleitung; von der DFG im Rahmen des SFB 833: Bedeutungskonstitution gefördert; Homepage des Projektes: http://www.sfb833.uni-tuebingen.de/a-bereich-kontext/a7.html)

 

Das Projekt untersucht informationsstrukturelle Mechanismen an der Syntax/Semantik-Schnittstelle. Der Phänomenbereich umfasst Fokuskonstruktionen, die wie andere Inselkonfigurationen meist extraktionsresistent sind und durch die Freezing-Hypothese erfasst werden. Das Ziel besteht darin, die kausalen Bedingungsfaktoren für die Freezing-Effekte zu isolieren und dabei die Rolle der Informationsstruktur beim Abbildungsprozess zwischen Syntax und Semantik zu bestimmen. Es soll erklärt werden, wann Wortstellungsveränderungen zu gefrorenen Strukturen führen und unter welchen Bedingungen der Mismatch zwischen Syntax und Semantik die Interpretation des Satzes aufwändig oder unmöglich macht.

 

 

Aktuelles Projekt 2

SFB 833 B5: Syntax und Semantik Reorganisierter Sprache und ihre neuronale Architektur


(gemeinsame Projektleitung mit Prof. Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann und Dr. Karen Lidzba; gefördert von der DFG im Rahmen des SFB 833 Bedeutungskonstitution; Homepage des Projekts: http://www.sfb833.uni-tuebingen.de/b-bereich-kognition/b5-lidzbawinklerkraegeloh-mann.html)

 

Sprache ist i.d.R. linkshemisphärisch lateralisiert. Bei frühkindlichen linksseitigen Schädigungen kann das Gehirn Sprache jedoch rechtshemisphärisch reorganisieren. Hinsichtlich der Charakterisierung dieser Reorganisierten Sprache (RS) besteht auf allen linguistischen Beschreibungsebenen ein eklatantes Forschungsdefizit. Das Ziel des Projektes besteht darin, RS auf der Grundlage von spezifisch linguistischen Hypothesen und Methoden zu untersuchen und zu beschreiben und damit einen Beitrag zur Frage der Adaptivität von Sprache zu leisten. Bildgebende Verfahren werden zur Lokalisation der Sprache eingesetzt.

 

Aktuelles Projekt 3

Graduiertenkolleg "Ambiguität - Produktion und Rezeption"

 

(gefördert von der DFG als GRK 1808 ab 1.10.2013; Homepage des Projekts: http://www.uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/graduiertenkollegs/grk-ambiguitaet-produktion-und-rezeption.html )

 

Ob Fachgespräch oder Party-Small-Talk: Ambiguität, verstanden als Doppel- oder Mehrdeutigkeit, ist ein charakteristisches Merkmal von Sprache und Kommunikation. Das macht das Konzept der Ambiguität so zentral für die Linguistik und für alle Disziplinen, die sich mit sprachlichen Äußerungen befassen. Das GRK „Ambiguität: Produktion und Rezeption“ bringt erstmals unterschiedliche sprachbezogene Forschungsansätze zusammen, um zu verstehen, warum Kommunikation trotz oder sogar aufgrund von Mehrdeutigkeit gelingt, warum sie deshalb aber auch scheitern kann und welche Effekte durch Ambiguität ausgelöst werden. Durch die Überwindung der fachlichen Isolation sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden, wie Ambiguität produziert und rezipiert, ausgelöst, aber auch aufgelöst wird. Damit werden auch die Grundlagen für eine spätere Ausweitung der Fragestellung auf nichtsprachliche Zeichensysteme, wie im Bild oder der Musik, gelegt.