Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 5/2012: Studium und Lehre

Universität Tübingen diskutiert Zukunft der Masterstudiengänge

Ein Ergebnis: Das Y-Mastermodell muss weiterentwickelt werden

Er soll Sprungbrett in die Arbeitswelt sein oder erster Schritt zur wissenschaftlichen Karriere, er soll Spezialwissen vermitteln und gleichzeitig Querschnittskompetenzen: Wer Masterstudiengänge anbietet, ist mit vielfältigen Anforderungen konfrontiert. Was genau macht einen Master attraktiv? Zu diesem Thema diskutierten Wissenschaftler, Studierende und Mitarbeiter der Universität Tübingen bei der ersten „Masterveranstaltung“ im November unter Leitung von Professor Dr. Stefanie Gropper, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre, und Lucia Vennarini, Leiterin des Dezernats Studium und Lehre. Die Moderation der abschließenden Plenumsdiskussion übernahm Heike Schmoll, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Alumna der Universität Tübingen.

 

Ein Ergebnis der ausführlichen Diskussionen war, dass noch enormer Entwicklungsbedarf für den Y-Master besteht. In dem Tübinger Modell sollen sich Masterstudierende im Laufe ihres Studiengangs für eine von zwei möglichen Ausrichtungen entscheiden: Entweder sie ergänzen ihr Studium durch Praxisbezüge und finden so besser den Einstieg ins Berufsleben. Oder sie schlagen eine forschungsorientierte Richtung ein, mit der Möglichkeit, ihre Master-These gleich als Exposé für ein Promotionsprojekt zu formulieren. Das Modell war vor allem im Hinblick auf naturwissenschaftliche Fächer entwickelt worden, um deren Masterstudierenden mehr Zeit für Praktika einzuräumen.

 

Dafür brauche es kein Y-Modell, so die Rückmeldung von Vertretern einiger Fakultäten, sondern maßgeschneiderte Angebote für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Fachbereiche. In den Sozial- und Geisteswissenschaften hatten zwar vereinzelt Fächer das Y-Modell aufgegriffen, um damit noch stärker forschungsbezogene Angebote zu etablieren. Doch auch hier lautete die Kritik, das Y-Modell –und die damit verbundene Entscheidung zwischen „zwei Wegen“ – greife viel zu kurz. 

 

Gesprächsbedarf besteht auch weiterhin zum Thema „Nachhaltigkeit“, wie eine erste Workshop-Runde zeigte: In Bezug auf die Masterstudiengänge gibt es hier zahlreiche Ansätze, von einer nachhaltigen Etablierung der Studienstrukturen über Vermittlungsmethoden bis hin zu Curricula-Inhalten zum Thema Nachhaltigkeit, die mehr als ökologische Themen umfassen. Journalistin Heike Schmoll empfahl, für künftige Konzepte auf Begriffe wie „gesellschaftliche Verantwortung“ oder  „ethische Reflexion“ zurückzugreifen, statt den vielfältig besetzten Begriff „Nachhaltigkeit“ zu verwenden. Gefragt ist hier das Engagement aller Fakultäten bzw. Fachbereiche, für sich entsprechende Inhalte zu definieren, so das Fazit der Veranstaltung.   


Antje Karbe