Philologisches Seminar

Latein

1. Studienabschlüsse

Das Fach Lateinische Philologie kann entweder im Rahmen eines Lehramtsstudienganges oder im Rahmen eines B.A.- und M.A.-Studienganges studiert werden.

Die Einschreibung in beide Studiengänge, Lateinische Philologie Lehramt und B.A., ist grundsätzlich unproblematisch, da die Fächer zulassungsfrei sind. Auch ein Wechsel zwischen beiden Studiengängen ist möglich, wozu das Seminar eine Anrechnungsbescheinung der Scheine ausstellt. Voraussetzung für das Studium des M.A. Latein ist ein Bachelor-Abschluss im Fach Latein oder ein gleichwertiger Abschluss mit mindestens der Note 2,5.

2. Voraussetzungen für das Studium

Voraussetzung für ein Studium der Lateinischen Philologie ist die Immatrikulation als Studierende(r) an der Universität Tübingen. Darüber hinaus ist im Hauptfach das Latinum und das Graecum (dieses spätestens zur Zwischenprüfung), im Nebenfach das Latinum nachzuweisen. Für den Fall, daß das Graecum nachgeholt werden muß, wird dringend angeraten, eine entsprechende Übung zur Vorbereitung auf das Graecum (2 Semester, je 6-st.) sofort zu Beginn des Studiums zu besuchen.

3. Organisation und Aufbau des Studiums

Eine wesentliche Voraussetzung für den Studienerfolg ist das organische Zusammenspiel zwischen der Teilnahme an Lehrveranstaltungen, in denen exemplarisch die Methodik wissenschaftlich-philologischer Arbeit vermittelt wird, und der ergänzenden selbständigen Textlektüre, die allein zum Erwerb der für einen erfolgreichen Studienverlauf erforderlichen Lesefähigkeit führen kann.

Im Lauf ihres Studiums sollen die Studierenden die Fähigkeit erlangen, sich mit Hilfe der an bestimmten Themen und Texten exemplarisch erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten beliebige Texte und Textcorpora sowie die zugehörigen Sachbereiche verfügbar zu machen. Die eigene Studienleistung der Studierenden geht also über die unmittelbare Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen weit hinaus.

Die Veranstaltungsempfehlungen, die über die von Prüfungsordnungen vorgeschriebenen Anforderungen hinausgehen, sind deshalb als Orientierungsgrößen zu verstehen, die im Einzelfall nach Beratung durch die Mitglieder des Lehrkörpers, insbesondere den Studienfachberater, modifiziert werden können.

Übersicht über die Veranstaltungstypen

Vorlesungen (V, V-Üb) 2-3(4) SWS

Vorlesungen zielen auf systematischen Wissenserwerb und auf die Einführung der Studierenden in den gegenwärtigen Stand der Forschung. In den Vorlesungen wird in der Regel entweder im Überblick eine Epoche oder ein Sachgebiet der Literaturgeschichte oder im Längsschnitt die Geschichte einer literarischen Gattung dargestellt (V-Üb) oder auch exemplarisch das Werk eines Autors oder ein Sachthema behandelt. Die Veranstaltung ist in der Regel zwei- bis dreistündig und verlangt eine Nachbereitungszeit von etwa gleichem Umfang.

Grammaticum (2 SWS + 2 SWS obligatorisches Tutorium)

Das Grammaticum dient dazu, die im Latinum verlangten grammatischen Kenntnisse sowie Übersetzungsfähigkeiten zu sichern und zu vertiefen sowie einen grundlegenden Lektürewortschatz und aktive Kenntnis der Formenlehre über das Latinum hinaus zu vermitteln.

Stilübungen (SÜ) 2 SWS

Die Stilübungen dienen im Übersetzen von deutschen Texten ins Lateinische dem Erwerb aktiver Sprachbeherrschung. Auf der Anfängerstufe (Unterstufe I und - darauf aufbauend - II) werden grammatische Kenntnisse und ein angemessenes Vokabular mit dem Ziel der aktiven Anwendung gefestigt. In der Oberstufe (I) treten stilistische Gesichtspunkte stärker in den Vordergrund: Die Beherrschung von Ausdrucksvarianten ist unter anderem wichtige Voraussetzung für das Verständnis unterschiedlicher Stilebenen (in der passiven Lektüre). Die zu übersetzenden deutschen Texte lehnen sich zunächst an Originaltexte an, durch deren selbständige Lektüre der notwendige aktive Wortschatz zu erwerben ist. Dabei wird die Fähigkeit entwickelt, auch freie deutsche Texte aus dem Gegenstandsbereich der Antike zu übersetzen. Zusammen mit den regelmäßigen häuslichen Übersetzungsaufgaben kann ein Zeitbedarf von etwa sechs zusätzlichen Stunden für die zweistündige Veranstaltung veranschlagt werden. Die Stilübungen schließen mit einer Klausur, die Stilübung Unterstufe II mit einer Klausur unter Zwischenprüfungsbedingungen. Weitere Klausuren können entsprechend den Erfordernissen der jeweiligen Lehrveranstaltung gestellt werden. Die Stilübungen der Oberstufe II dienen unmittelbar der Vorbereitung auf die dt.-lat. Staatsexamensklausur; sie sind daher nicht Pflichtbestandteil des Magisterstudiengangs.

Sprachliche Übungen an lateinischen Texten/Lektüreübungen (LÜ) 2 SWS

Die in der Regel zweistündige Lektüreübung baut auf der regelmäßigen vorbereitenden Originaltextlektüre auf. Sie behandelt - bei Veranstaltungen für Anfänger in besonderem Maße - sprachliche Probleme und führt in das verstehende Lesen der Werke eines Autors, einer Gattung oder von Texten aus einem Bereich der Kulturgeschichte ein. Eine zweistündige Veranstaltung erfordert etwa vier Vorbereitungsstunden; sie schließt in der Regel mit einer Abschlußklausur. Ein Sonderfall der Sprachlichen Übungen sind die Übersetzungsübungen zur Vorbereitung auf die lat.-dt. Klausur des Staatsexamens (KÜ).

Proseminare (PS) 2 SWS

Das Proseminar I führt anhand überschaubarer Werke oder Werkausschnitte in philologische Methoden, Arbeitsmittel und Arbeitstechniken ein. Über die regelmäßige Mitarbeit hinaus werden schriftliche Hausarbeiten oder mündliche Referate erwartet. Das Proseminar II setzt in der Regel den Besuch des Unterseminars I voraus und vertieft die methodische Einführung in der Arbeit an einem Autor oder Werk. Unterseminar I wie II erfordern zudem die selbständige Lektüre eines Lesepensums einschließlich des im Seminar behandelten Textes und damit einen Zeitaufwand von wenigstens acht Stunden für die zweistündige Veranstaltung. Die Proseminare schließen regelmäßig mit einer Klausur, das Proseminar II mit einer unter Zwischenprüfungsbedingungen.

Hauptseminare (HS) 2-3 SWS

Dieser Veranstaltungstyp schließt methodisch an das exemplarische Vorgehen der Unterseminare an. In der Behandlung ganzer Texte oder Textcorpora, aber auch kleinerer Werkausschnitte oder systematischer, kulturgeschichtlicher und rezeptionsgeschichtlicher Fragestellungen werden unterschiedliche Methoden angewandt. In einem größeren Referat oder einer größeren Hausarbeit üben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Strukturierung von Problemen, den selbständigen Umgang mit Hilfsmitteln und die Auseinandersetzung mit der neuesten Forschung ein. Abhängig von der Intensität dieser selbständigen Arbeit kann der Zeitaufwand jenen der Unterseminare übersteigen. Wird vom Seminarleiter eine schriftliche Hausarbeit gefordert, so ist diese grundsätzlich während der Vorlesungszeit des laufenden Semesters fertigzustellen.

Kolloquien (K) 2 SWS

In freier Form gemeinsamer Interpretation und Diskussion, unter Umständen mit kürzeren oder längere Referaten, werden besonders schwierige Texte oder Spezialprobleme der Forschung in kleinerem Kreis besprochen. Die zweistündige Veranstaltung richtet sich in erster Linie, wenn auch nicht ausschließlich, an Studentinnen und Studenten im Hauptstudium.

Aufbau des Studiums

Grundstudium

Das Grundstudium ist in der Regel nach vier Semestern mit der Zwischenprüfung abzuschließen (für Studierende, die zusätzlich das Graecum erwerben müssen, wird ein Aufschub der Zwischenprüfung um zwei Semester gewährt).

Während des Grundstudiums sollten sich die Studierenden sowohl durch die Teilnahme an den in der Zwischenprüfungsordnung geforderten Lehrveranstaltungen als auch durch intensive Eigenarbeit (umfängliche Lektüre) folgende Kenntnisse erwerben: angemessene Sprachbeherrschung - auch aktive - einschließlich metrischer und stilistischer Grundkenntnisse; Vertrautheit mit den wichtigsten Arbeitsmethoden und wissenschaftlichen Hilfsmitteln; einen ersten Überblick über die lateinische Literaturgeschichte sowie im Hauptfach außerdem einen Einblick in Fragestellung und Methoden anderer Disziplinen, die sich ebenfalls mit dem griechisch-römischen Altertum beschäftigen, insbesondere mit der Klassischen Archäologie, der Alten Geschichte, der antiken Philosophie und der antiken Religionswissenschaft.

Die Abfolge der zu besuchenden Lehrveranstaltungen ist grundsätzlich frei, jedoch bauen im Bereich der aktiven Sprachausbildung in Verbindung mit vertiefter Ausbildung in Syntax und Phraseologie das Grammaticum und die einzelnen Stufen der Stilübungen aufeinander auf.

Ebenso wird auch im Bereich der Proseminare in der Regel zunächst ein Proseminar I zur Einführung in die philologischen Methoden, Arbeitsmittel und Arbeitstechniken besucht, ehe im Proseminar II die vertiefende Einführung in bestimmte Methodenbereiche folgt.

Den Umfang der Veranstaltungen, die bis zur Zwischenprüfung belegt werden müssen, erfahren Sie aus den jeweiligen Prüfungsordnungen.

 
Hauptstudium

Das Hauptstudium ist einerseits auf die Ausbildung und Weiterentwicklung eigener wissenschaftlicher Interessen, andererseits auf die Verbreiterung und Vertiefung der Kenntnisse gerichtet.

Dies gilt insbesondere für den Erwerb sicherer Sprachkenntnisse (Wortschatz und Grammatik auch in ihrer aktiven Anwendung) und eines auf Lektüre in der Originalsprache gegründeten Überblicks über die römische Literaturgeschichte sowie die Fähigkeit, Texte im Zusammenhang des Werkes und der Gattung zu interpretieren und sie in ihrer historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingtheit zu verstehen; darüber hinaus für die Aneignung von Kenntnissen in den Bereichen Literaturtheorie (vor allem Poetik und Rhetorik), Wirkungsgeschichte der römischen Literatur, Geschichte des griechisch-römischen Altertums, Archäologie, Mythologie und Religion sowie der Geographie des Mittelmeerraumes und der Topographie Roms.

4. Prüfungen

Voraussetzung für alle Prüfungen ist der Nachweis bestimmter Studienleistungen (s. Übersicht).

Zwischenprüfung

Die Zwischenprüfung wird in der Regel nach dem vierten Semester abgelegt. Die Meldung zur Prüfung erfolgt am Semesterende, die mündliche Prüfung zu Beginn des darauffolgenden Semesters. Das Nachlernen einer Sprache hat aufschiebende Wirkung (2 Semester).

Die Zwischenprüfung besteht aus zwei Klausuren und einer mündlichen Prüfung (bei GymPO im Anschluss an die Lektüre mit hohem Eigenanteil).

Die erste Klausur prüft die aktive Sprachbeherrschung. Sie besteht aus einer Übersetzung ins Lateinische. Die zweite Klausur prüft das Textverständnis. Sie besteht aus einer Übersetzung eines lateinischen Textes ins Deutsche. Zusatzfragen, die sich aus dem Text ergeben, sind möglich. Die Klausuren werden im Rahmen der Stilübungen der Unterstufe sowie des Proseminars II, die mit einer entsprechenden Klausur verbunden waren, abgelegt. Ihr Ergebnis wird auf dem Seminarschein getrennt von der Bewertung der übrigen Leistungen ausgewiesen.

Gegenstand der mündlichen Prüfung ist ein vom Kandidaten mit dem Prüfer vereinbartes Gebiet (entweder das Werk eines Autors, bei umfangreichen Werken auch ein angemessener Teil daraus, oder ein entsprechendes Textquantum einer literarischen Gattung bzw. eines bestimmten Sachgebiets). Die Prüfungszeit beträgt 30 Minuten. Die Gesamtnote der Zwischenprüfung ergibt sich aus dem Ergebnis der beiden Klausuren und der mündlichen Prüfung im Verhältnis 1:1:1.

Erstes Staatsexamen

Gemäß WPO besteht die Staatsexamensprüfung aus der Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit, zwei Klausuren und einer mündlichen Prüfung.

Wenn der Bewerber die in einem seiner Hauptfächer erforderliche wissenschaftliche Arbeit im Fach Latein anfertigen will, gilt auch hier Folgendes: Die wissenschaftliche Arbeit ist vor der mündlichen Prüfung anzufertigen. Der Bewerber erhält sein Thema frühestens im 7. Fachsemester durch einen von ihm gewählten Universitätslehrer. Die Ablieferung der Arbeit hat vier Monate nach Vergabe des Themas zu erfolgen.

Es sind zwei je vierstündige Klausuren ohne Hilfsmittel zu absolvieren: Übersetzung eines deutschen Textes ins Lateinische; Übersetzung eines lateinischen Textes ins Deutsche und Beantwortung von Fragen zum Text.

Es findet ein Prüfungsgespräch zur römischen Literatur unter besonderer Berücksichtigung je eines vom Bewerber angegebenen Gebietes aus Poesie und Prosa statt (in der Regel je ein Schwerpunkt- und drei Studiengebiete in Poesie und Prosa). Bei der Auswahl der Prüfungsgebiete ist zu beachten, daß sowohl alle Epochen (Republik, Kaiserzeit, Spätantike) als auch die wichtigsten Gattungen (Prosa: Geschichtsschreibung, Rhetorik, Philosophie; Dichtung: Epos, Drama, Lyrik) repräsentiert sein müssen. Der Kandidat hat bei der Prüfung der beiden Schwerpunktgebiete jeweils auch einen ihm vorgelegten Textabschnitt laut zu lesen und ins Deutsche zu übersetzen. Die Dauer der Prüfung beträgt 60 Minuten. Im Beifach beträgt die Dauer etwa 45 Minuten (in Analogie zur Hauptfachprüfung finden vom Bewerber angegebene Gebiete Berücksichtigung: in der Regel je ein Schwerpunkt- und zwei Studiengebiete in Poesie und Prosa).

Bei GymPO ergibt sich die Examensnote aus den Modulnoten, einer wissenschaftlichen Arbeit und einer mündlichen Prüfung (unter Aufsicht des Ministeriums).

B.A.- und M.A.-Prüfung

Im B.A.- und M.A.-Studiengang ergeben sich die Examensnoten ebenfalls aus den Modulnoten und dem Prüfungsmodul, das eine wissenschaftliche Arbeit und, im Master, eine mündliche Prüfung umfasst.

Links zu den Prüfungsordnungen finden Sie auf der übergeordneten Seite Studiengänge.