Dr. Angelika Zirker

Literaturwissenschaft / Englisches Seminar, Eberhard Karls Universität Tübingen

 

 

Kontakt

angelika.zirker [aτ] uni-tuebingen.de

 

Eberhard Karls Universität Tübingen

Englisches Seminar

Wilhelmstraße 50

D-72074 Tübingen

 

Tel.: +49 (7071) 29-73260

 

 

 

Projekt: Explizite Sprecher und implizite Kommunikation: Das Wortspiel in der Lyrik der Frühen Neuzeit

Ausgehend von der etablierten Beobachtung, dass in dramatischen Texten wie auch in der Prosa häufig eine zweite Kommunikationsebene außerhalb des Textes eine Rolle spielt, nämlich zwischen ‚Autor‘ und ‚Leser‘ bzw. ‚Publikum,‘ untersucht das Projekt inwieweit eine solche weitere Kommunikationsebene auch in der Lyrik zum Tragen kommen kann. Es wird postuliert, dass die Sprache selbst, geformt durch den Autor, als weitere Ebene neben dem lyrischen Ich mit dem Leser kommuniziert. Das Textkorpus umfasst englische Gedichte der Frühen Neuzeit, in denen beispielsweise ein zunächst verstecktes und nicht offensichtliches Wortspiel funktional wird, etwa im Sinne eines ernsten Spiels (insbesondere in der religiösen Dichtung), um mittels der Sprache selbst versteckte Wahrheiten auf einer weiteren Kommunikationsebene zu enthüllen, die somit eine ungewöhnliche Sprecher-Hörer-Interaktion ermöglichen. Dazu gehören weiterhin Wortspiele, die auf Figurenebene unerkannt bleiben oder zunächst keine Rolle spielen, sich aber interpretativ auf den Gesamttext auswirken und etwa ikonisch wirksam werden, was vom Leser erkannt wird und zu einer weiteren Verständnisebene beiträgt.

 

Biographie

Angelika Zirker studierte Anglistik, Germanistik und Romanistik (Französische Literatur- und Sprachwissenschaft) für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken sowie in Metz und Cardiff. 2009 promovierte sie an der Eberhard Karls Universität Tübingen zum Thema Der Pilger als Kind: Spiel, Sprache und Erlösung in Lewis Carrolls Alice-Büchern. In ihrem Habilitationsprojekt zu „Stages of the Soul in Early Modern Poetry“ befasst sie sich mit dem lyrischen Werk William Shakespeares und John Donnes. Seit 2009 arbeitet sie zudem gemeinsam mit Esme Winter-Froemel in einem interdisziplinären Kontext zum Wortspiel (vgl. u.a. die 2013 gemeinsam organisierte Tagung „Wordplay and Metalinguistic Reflection – New Interdiscipinary Perspectives / Les jeux de mots et la réflexion métalinguistique – nouvelles perspectives interdisciplinaires, Tübingen, 7.-9.3.2013).

 

Die Forschungsgebiete Angelika Zirkers sind in den Bereichen Sprache und Literatur, insb. Wortspiel und Ambiguität, Literatur und Religion sowie Literatur und Ethik angesiedelt. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Literatur der Frühen Neuzeit, vornehmlich William Shakespeare und John Donne, religiöser Lyrik der Epoche, den Dramen des Mittelalters bis zum 17. Jahrhundert, dem viktorianischen Roman (insb. Dickens), Kindheitskonzeptionen und derzeit auch mit der Lyrik des Ersten Weltkriegs.


Angelika Zirker war Antragskoordinatorin und ist assoziiertes Mitglied des GRK 1808 Ambiguität: Produktion und Rezeption (Sprecher: Prof. Dr. Matthias Bauer). Sie ist außerdem assoziiertes Mitglied im Projekt A2 „Interpretierbarkeit im Kontext“ des SFB 833 Bedeutungskonstitution in Tübingen; ferner hat sie an den Tübinger Promotionsverbünden „Dimensionen der Ambiguität“ (Sprecher: Prof. Dr. Matthias Bauer, 2008-2011) und „Heilige Texte“ (Sprecherin: Prof. Dr. Birgit Weyel, 2011-2013) mitgewirkt und ist Mitglied des Tübinger Zentrums Vormodernes Europa. Sie ist auch Mitherausgeberin der internationalen Zeitschrift Connotations: A Journal for Critical Debate. Außerdem ist sie Mit-Initiatorin des Peer-Learning Projekts „Annotating Literature“.

 

Publikationen (Auswahl)

Zirker, Angelika (2010). „‘Time No Longer’: The Context(s) of Time in Tom’s Midnight Garden“, in: Mike Cadden (Hg.): Telling Children's Stories: Narrative Theory and Children’s Literature. Lincoln, NE: University of Nebraska Press, 268–291.

Zirker, Angelika (2011). „Physiognomy and the Reading of Character in Our Mutual Friend“, in: Partial Answers 9.2, 379–390.

Zirker, Angelika (2011). „‘You Can’t Stay Downstairs’: Death-in-Life and Life-in-Death in Frances Hodgson Burnett’s In the Closed Room“, in: Matthias Bauer, Rüdiger Pfeiffer-Rupp, Claudia Sasse und Ursula Wienen (Hg.): Sprache, Literatur, Kultur: Translatio delectat. Festschrift für Lothar Černy. Münster: LIT, 157–174.

Dietrich, Julia; Angelika Zirker (2012). (mit Julia Dietrich). „Noch nie war das Böse so clever: Iagos Soliloquien in Shakespeares Othello aus literaturwissenschaftlicher und ethischer Perspektive“, in: Franz Fromholzer, Michael Preis und Bettina Wisiorek (Hg.): Noch nie war das Böse so gut: Die Aktualität einer alten Differenz. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 197–218.

Zirker, Angelika (2012). „Weak, sexless, one-dimensional, boring? Reading Amy Dorrit“, in: Norbert Lennartz und Francesca Orestano (Hg.): Dickens’s Signs, Readers’ Designs: New Bearings in Dickens Criticism. Rom: Aracne, 169–189.

Zirker, Angelika (2013). „Ngaio Marsh’s Innocent Vicarage: Character, Religion and Performance in Overture to Death“, in: Anya Morlan & Walter Raubicheck (Hg.): Christianity and the Detective Story. Newcastle-upon-Tyne: Cambridge Scholars P, 2013. 20–36.

Bauer, Matthias; Angelika Zirker (2013). mit Matthias Bauer). „Sites of Death as Sites of Interaction in Donne and Shakespeare“, in: Judith Anderson und Jennifer Vaught (Hg.): Shakespeare, Donne, and the Cultural Imaginary. New York: Fordham University Press. 17–37.

Antoni, Klaus; Matthias Bauer; Jan Stievermann; Birgit Weyel; Angelika Zirker (Hg.; 2013). Heilige Texte: Literarisierung von Religion und Sakralisierung von Literatur im modernen Roman. Münster: LIT.