Professorin Dr. Heike Oberlin hat zum 1. Oktober 2026 das Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Tübingen übernommen. Zuvor war sie seit März 2024 stellvertretende Universitätsgleichstellungsbeauftragte.
Heike Oberlin ist außerplanmäßige Professorin für Indologie und Geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Indologie am Asien-Orient-Institut der Philosophischen Fakultät. Sie studierte Indologie und Ethnologie an der Universität Tübingen und promovierte an der Universität Würzburg zur südindischen Sanskrittheatertradition Kūṭiyāṭṭam. 2013 habilitierte sie sich in Tübingen; 2016 wurde sie zur außerplanmäßigen Professorin ernannt.
Ihre wissenschaftliche Arbeit verbindet Indologie, Theaterwissenschaft und Gender Studies. Ein besonderer Fokus liegt auf Schauspielerinnen und weiblichen Rollenfiguren sowie auf Fragen von Gender und gesellschaftlicher Teilhabe in Südasien. Für ihre wissenschaftliche Arbeit und ihr Engagement im deutsch-indischen Austausch wurde sie mehrfach ausgezeichnet: 2008 erhielt sie den Ernst-Waldschmidt-Preis, 2018 wurde sie im Rahmen des „Erudite Program“ der Regierung Keralas zur „Scholar in Residence“ ernannt, 2019 erhielt sie vom Indian Council for Cultural Relations den Gisela-Bonn-Preis für besondere Verdienste um die deutsch-indischen Beziehungen.
Seit vielen Jahren engagiert sich Oberlin in der akademischen Selbstverwaltung und in Fragen der Gleichstellung. Von 2014 bis 2019 war sie etwa Gleichstellungsbeauftragte der Philosophischen Fakultät und befasste sich dort mit einem breiten Spektrum gleichstellungsrelevanter Themen – von Nachwuchsförderung und Fragen der Vereinbarkeit über den Umgang mit sexualisierter Belästigung und Diskriminierung bis hin zur Chancengleichheit in Berufungs- und Stellenbesetzungsverfahren. Von 2021 bis September 2026 war sie gewähltes Mitglied des Universitätsrats.
Im Zentrum ihrer Tätigkeit als Universitätsgleichstellungsbeauftragte steht die gesetzlich verankerte Aufgabe, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Studium zu fördern und bestehende strukturelle Benachteiligungen abzubauen (Landeshochschulgesetz). Dazu gehören insbesondere faire Beteiligungs- und Karrierechancen, transparente Verfahren sowie die angemessene Berücksichtigung von Gleichstellungsaspekten in Berufungen, Stellenbesetzungen, Nachwuchsförderung und universitären Entscheidungsprozessen.
Oberlin verbindet diesen Auftrag mit einem umfassenden Verständnis von Chancengleichheit. Als „First Generation Academic“ richtet sie besonderes Augenmerk auf die Frage, wie strukturelle Bedingungen wissenschaftliche Laufbahnen ermöglichen, erschweren oder bestimmte Potenziale unsichtbar machen können. Dabei nimmt sie auch die unterschiedlichen Statusgruppen innerhalb der Universität in den Blick. Wissenschaftliche Leistung und Verantwortung sind keineswegs auf Professuren beschränkt; gerade im sogenannten akademischen Mittelbau finden sich ebenso hohe fachliche Qualifikation, langjährige Erfahrung und institutionelles Engagement, die in bestehenden Karriere- und Anerkennungsstrukturen oft nicht angemessen sichtbar werden. Mit dem Begriff der „latenten Exzellenz“ verbindet Oberlin daher die Aufgabe, wissenschaftliches Potenzial auch dort wahrzunehmen und zu fördern, wo es aufgrund von Geschlecht, Status, institutionellen Hierarchien oder tradierter Karrierewege übersehen wird. Gleichstellung versteht sie in diesem Sinne als Beitrag zu einer Universitätskultur, in der Frauen und Männer in Wissenschaft und Studium tatsächlich gleiche Chancen auf Teilhabe, Anerkennung und berufliche Entwicklung erhalten.
Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben wird Professorin Dr. Heike Oberlin vom Team Equity (Gender, Diversity, Care) unterstützt.