Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 1/2018: Uni intern

Ausbildungsberuf Staudengärtner

„Wenn’s regnet und wenn’s schneit sind wir draußen.“

Ruben Herter und Marco Alt zeigen im Gewächshaus Rosmarinsetzlinge und junge Stechapfel-Pflanzen. Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen
Ruben Herter und Marco Alt zeigen im Gewächshaus Rosmarinsetzlinge und junge Stechapfel-Pflanzen. Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen

Janis Schmitt sitzt auf einer Bank im Betriebshof des Botanischen Gartens und blinzelt in die Sonne. Trotz der Minustemperaturen trägt der Staudengärtnerazubi über dem dicken Pulli nur einen Schal und genießt die letzten Minuten der Frühstückspause: Die Februarnacht war bitterkalt, nun gibt die strahlende Morgensonne einen Vorgeschmack auf den Frühling. „Aber gleich muss ich wieder runter in den Keller – Samen putzen“ kündigt Janis Schmitt an. Er gibt damit auch eine Antwort auf die Frage: Was machen Gärtner eigentlich im Winter?

 

Im Sommer und Herbst des letzten Jahres haben die 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Botanischen Garten den Samen von insgesamt über 1500 verschiedenen Pflanzenarten gesammelt und zum Trocknen eingelagert. Janis Schmitt und sein Mitauszubildender Marco Alt entfernen durch Sieben und Schütteln zunächst altes Laub und Schmutz. Dann sortieren sie die Samen mithilfe eines Siebs der Größe nach und verpacken sie in Tüten. Eine Liste dieser Kostbarkeiten verschickt der Botanische Garten später weltweit an andere Gärten und tauscht die Samen gegen Raritäten, die es in Tübingen bislang noch nicht gibt. „Die Samentauschbörse ist wie eine Wunschliste für die Gärtner“ sagt Marco Alt verschmitzt.

    

Carl Pfeiffer beim Aussäen. Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen
Carl Pfeiffer beim Aussäen. Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen

Im sonnendurchfluteten Gewächshaus arbeiten die beiden Azubis Carl Pfeiffer und Ruben Herter. Sie bereiten junge Pflänzchen auf den Frühling vor – Stecklingsvermehrung ist angesagt. Dafür haben sie kleine Zweige von einer Rosmarinpflanze abgeschnitten und Erde mit Sand und Kompost vermischt. Jetzt füllen sie dieses Pflanzsubstrat mit geübten Bewegungen in eine schwarze Schale aus vielen zusammenhängenden Kunststofftöpfchen, die sogenannte Pflanzplatte; mit dem Holzstab streichen sie die Oberfläche glatt, drücken kleine Vertiefungen in den lockeren Boden, setzten die Rosmarinstecklinge hinein, festdrücken, dann die nächste Platte. Das muss sitzen; Arbeitsvorbereitung und Bewegungsablauf beim Stecklinge stecken sind Teil der Zwischenprüfung. Nach einigen Tagen werden die Stecklinge dann neue Wurzeln bilden – so werden aus einer Pflanze viele.

  

„In Betrieben, die Pflanzen für den Verkauf produzieren, sind die Arbeitsweisen natürlich andere“ stellt Carl Pfeiffer klar. Dort werden Maschinen eingesetzt, die schneller und mehr Töpfe befüllen. Die vier Azubis aus dem Botanischen Garten verbringen deshalb 2 Monate im Jahr bei externen Betrieben, zum Beispiel einer großen Staudengärtnerei auf den Fildern. Nach ihrer Ausbildung werden sie nicht übernommen – deshalb müssen sie auch mit Arbeitsbedingungen im sogenannten Produktionsgartenbau vertraut sein. „Dass wir nicht bleiben können wussten wir von Anfang an. Aber wir bekommen hier eine sehr gute Ausbildung. Die Kollegen nehmen sich viel Zeit, um uns Dinge zu erklären.“ betont Marco Alt.

   

Die vier Staudengärtnerazubis im Botanischen Garten Tübingen. V.l.n.r.: Ruben Herter, Carl Pfeiffer, Janis Schmitt, Marco Alt. Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen
Die vier Staudengärtnerazubis im Botanischen Garten Tübingen. V.l.n.r.: Ruben Herter, Carl Pfeiffer, Janis Schmitt, Marco Alt. Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen

Als angehende Staudengärtner lernen sie, wie man Stauden produziert und pflegt, also mehrjährige und nicht verholzende Pflanzen, die zum Beispiel in einer Knolle oder Zwiebel überwintern. Dafür müssen sie die genauen Anforderungen der einzelnen Pflanzen an die Umwelt kennen. Hat eine Pflanze beispielsweise gelbe Blätter – Chlorose – oder wächst kaum noch – Kümmerwuchs – sollten sie die Ursachen finden und beheben können. „Dafür muss man sich mit chemischen Zusammenhängen auskennen,“ erklärt Ruben Herter. Wichtig ist auch die Gewächshaustechnik: die Heizung, Pumpen, Beregnungsanlage und Beleuchtung wollen bedient werden; wenn eine Scheibe kaputt geht, kommt der Glasschneider zum Einsatz.

 

Technisches und handwerkliches Geschick sind also wichtige Voraussetzungen, wenn man Staudengärtner werden will. Angst vor dem Lernen sollte man dagegen besser nicht haben: „Wir müssen viele lateinische Pflanzennamen kennen“ erläutert Janis Schmitt. Am wichtigsten aber ist Spaß am Umgang mit der Natur – auch bei widrigen Bedingungen: „Wenn’s regnet und wenn’s schneit sind wir draußen. Wetterfest muss man da schon sein, “ erklärt Marco Alt stolz. Er bereitet sich auf seine Abschlussprüfung im Sommer vor und er liebt seinen Beruf: „Am meisten Spaß macht die Abwechslung – das ist schon richtig cool!“

 

Susanne Zahn