FINT - Forschungsstelle für islamische Numismatik

Im Jahr 1990 richtete die Universität Tübingen eine der islamischen Numismatik gewidmete Forschungsstelle ein. Ihr Leiter, Dr. Lutz Ilisch, betreut als Kustos den Sammlungsbestand und koordiniert die Aktivität dieser Einrichtung.

Die Forschungsstelle verfügt über eine sehr gute spezialisierte Hand- und Forschungsbibliothek. Regelmäßig werden Veranstaltungen zur Numismatik in das Studienangebot der Abteilung für Orient- und Islamwissenschaft eingebracht.

 

 

Forschungsgegenstand

Unser Bild von der mittelalterlichen Geschichte der islamischen Welt  basiert weitgehend auf der Überlieferung aus Chroniken. Diese sind geschichtliche Sekundärquellen, nämlich Literatur. Ihr Quellenwert schwankt zwischen der neutralen Berichterstattung von Zeitzeugen einerseits und sagenhaften Erzählstoffen andererseits. Im Gegensatz zu Europa sind im Orient die Archivbestände aus der Zeit vor 1500 nur spärlich und sporadisch erhalten. Dabei kommt den islamischen Münzen ein hoher Quellenwert auch außerhalb der Geldgeschichte zu.

 

Durch ihre religiös bedingte Bildlosigkeit zeigen islamische Münzen umfangreiche Aufschriften,  regelmäßig mit  Angabe des Entstehungsortes und des  Prägejahres. Zu den wichtigsten Herrschaftsrechten muslimischer Fürsten zählte die Nennung des eigenen Namens, was aber auch die Namensnennung aller übergeordneter Herrscher notwendig machte. Ein Emir hatte auf seinen Münzen also auch einen Sultan und noch über diesem einen Kalifen zu benennen. Wir kennen heute über tausend verschiedene Prägeorte an denen im Mittelalter islamische Münzen entstanden, die uns auf diese Weise detailliert Auskunft über die Entwicklung der Herrschaftsverhältnisse vermitteln. Sie machen es möglich, die Berichte der Chroniken in Bezug auf die Richtigkeit der Daten und Namen zu überprüfen.


Auch für die Geschichte des Geldes bilden die Münzen eine der wichtigsten Quellen. Zwar waren bargeldlose Zahlungsweisen in der islamischen Welt weit früher verbreitet als in Europa. Dennoch bietet die genaue Datierung der islamischen Münze einen direkten Bezug zum Gang der Geldgeschichte, da der Numismatiker nicht erst nach mühevoller, und im Ergebnis dann doch oft noch unsicherer Forschung die historische Stellung der Münze in Zeit und Raum ermitteln muß.
 

Kontaktadresse

Forschungsstelle für islamische Numismatik
Abt. für Orient- und Islamwissenschaft

Universität Tübingen
Wilhelmstr. 113
D-72074 Tübingen

 

 


Personal

Leiter und Kustos des Sammlungsbestandes: Dr. Lutz Ilisch

Email

Tel. 07071- 29 75208

Fax: 07071- 29 5372

 

 

Verwaltungsangestellte: Patricia Stasch

Email
Tel. 07071- 29 78532
Fax: 07071- 29 5372