Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2010: Schwerpunkt

Raum für Vielfalt schaffen

Pro Biodiversität: Die Initiative "Bunte Wiese" an der Universität Tübingen

Laubheuschrecke
Übertriebene Ordnungsliebe im innerstädtischen Bereich wie auch in privaten Gärten begrenzen den Lebensraum für Heuschrecken. Insekten wie diese Laubheuschrecke (Tettigoniidae) werden erst spät im Jahr "erwachsen" und brauchen daher auch spät gemähte Wiesen. Foto: Jennifer Theobald

Seit vielen Jahren geht die Zahl der Pflanzen- und Tierarten in Deutschland deutlich zurück. Hauptgrund hierfür ist der stetig anhaltende Verlust naturnaher Lebensräume.

Im Zuge des Jahres der Biodiversität 2010 und der EMAS-Zertifizierung der Universität Tübingen gründeten Studierende und Mitarbeiter der Universität die "Initiative Bunte Wiese – Für Artenvielfalt im öffentlichen Grün". Der neue Arbeitskreis ist Teil der Studierendeninitiative Greening the University und setzt sich für mehr Artenvielfalt auf öffentlichen Grünflächen ein – denn auch diese vom Menschen intensiv genutzten Flächen können attraktive Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere sein. Angestrebt wird die Ausarbeitung nachhaltiger Pflegekonzepte in öffentlichen Parks und auf den Grünflächen der Stadt Tübingen, der Kliniken sowie der Universität. Die fachkundige Betreuung dieses Arbeitskreises übernimmt das Institut für Evolution und Ökologie mit der Abteilung Evolutionsbiologie der Invertebraten und der Abteilung Vegetationsökologie.

 

Gemüsewanze auf Ackerdistel
Randstreifen und Böschungen an Strassen oder Eisenbahnlinien können Rückzugsorte für Arten extensiv genutzter Lebensräume der Kulturlandschaft sein. Hier die Zierliche Gemüsewanze (Eurydema dominulus) auf einer Ackerdistel (Cirsium arvense). Foto: Inka Harms

Unter dem Motto "Wir möchten Raum für Vielfalt schaffen!" wird die Pflege der Grünflächen naturschutzfachlich optimiert. Viele der bisherigen Pflegemaßnahmen, die von der Universität, der Stadt oder den Universitätskliniken in Bezug auf Rasenflächen und Gehölze ergriffen wurden, führen durch intensives Mähen und starken Rückschnitt zu artenarmen Beständen, zu einer negativen Kohlendioxid-Bilanz und zu einer geringeren Feinstaubbindefähigkeit. In Zusammenarbeit mit der Stadt Tübingen und dem Amt Tübingen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg werden bestehende Maßnahmen überdacht und verbessert. Anknüpfend an bereits bestehende Ideen soll ein Konzept entwickelt und verwirklicht werden, das exemplarisch zeigt, wie Artenvielfalt schon auf kleinen Flächen erfolgreich gefördert werden kann. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die wirtschaftliche und nachhaltige Nutzung des anfallenden Grünschnitts. Denn bei einer artenschonenden Mähweise kann dieser nicht einfach als Mulch liegen gelassen werden, mögliche Alternativen könnten die Trockenfermentation des Grünschnitts oder die thermische Verwertung durch Heuverbrennung im Heizkraftwerk sein.

 

Beitrag von CampusTV zur Biodiversität. Zum Aufrufen des Videos ins Bild klicken.

Die "Initiative Bunte Wiese" wurde bereits in den Maßnahmenkatalog für die EMAS-Zertifizierung der Universität Tübingen aufgenommen, konkret sind im Umweltprogramm 2010 Kartierungsarbeiten von Flora und Fauna auf öffentlichen Grünflächen der Stadt und der Universität vorgesehen. Diese Bestandsaufnahmen werden im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten vergeben und ermöglichen einen ersten Überblick über den aktuellen Zustand der Artenzusammensetzung und der Auswirkung bestehender Pflegemaßnahmen auf den kartierten Flächen – als Grundlage für ein naturschutzgerechteres Pflegekonzept für die Zukunft und für Artenvielfalt.

 

Mehr Informationen: http://www.greening-the-university.de/index.php/bunte-wiese

 

Kontakt: buntewiese(at)greening-the-university.de

 

Maria Georgi, Philipp Unterweger, Michael Koltzenburg, Professor Dr. Oliver Betz