Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2011: Leute

Neu berufen: Jan Born (Video-Podcast)

Lehrstuhl für Medizinische Psychologie

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Video-Podcast "Neu in Tübingen"

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Prof. Dr. Jan Born. Foto: Seifert
Prof. Dr. Jan Born. Foto: Seifert

Seit Anfang Dezember 2010 ist der Schlafforscher Jan Born an der Universität Tübingen tätig. Hier hat er den Ruf auf den Lehrstuhl für Medizinische Psychologie angenommen und tritt damit die Nachfolge von Niels Birbaumer an. Beide Professoren werden auf einer sogenannten „Überrollprofessur“ mehrere Jahre nebeneinander arbeiten. Mit seiner Berufung nach Tübingen lehnte Born einen Ruf an die Charité Berlin ab. Jan Born wurde 1958 in Celle geboren und studierte Psychologie in Tübingen. 1982 ging er als wissenschaftlicher Mitarbeiter nach Ulm, von wo aus er 1985 als externer Doktorand an der Universität Tübingen promovierte. Die Habilitation folgte 1989 in Ulm im Bereich Physiologie. Im Anschluss folgte eine Professur für Physiologische Psychologie an der Universität Bamberg. Parallel dazu baute Jan Born die Klinische Forschergruppe der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) „Klinische Neuroendokrinologie“ an der Universität Lübeck auf, wo er 1999 die Professur für Neuroendokrinologie übernahm und ab 2002 das Institut leitete.

 

In Tübingen beschäftigt sich der Forscher, der 2010 den hochdotierten Leibniz-Preis der DFG bekam, mit der Gedächtnisbildung im Schlaf. In diesem Zusammenhang konnte er feststellen, dass sich das Gedächtnis im Tiefschlaf bildet und nicht - wie lange Zeit angenommen - im sogenannten REM-Schlaf (Rapide-Eye-Movement). Das Gehirn bearbeitet die aufgenommenen Informationen, die tagsüber in den Zwischenspeicher des Hippocampus aufgenommen werden, und leitet sie in den Langzeitspeicher im Neocortex weiter. In Tübingen will Born analysieren, was neuropsychologisch im Schlaf passiert, das heißt, wie die Gedächtnisbildung stattfindet. Dafür werden Versuche mit Menschen im Schlaflabor und auch im Tiermodell mit Ratten durchgeführt. Born geht davon aus, dass Informationen, die im Schlaf langfristig abgespeichert werden sollen, bereits bei ihrer Aufnahme eine Art „tagging“, das heißt eine Markierung erhalten, die über die weitere Verarbeitung und Konsolidierung dieser Inhalte im Schlaf entscheidet: Zum einen seien hier emotionale Qualifizierungen ausschlaggebend, zum anderen könne das Gehirn Dinge als wichtig markieren, die erst in der Zukunft für die Person bedeutsam werden. Zusätzlich möchte Born untersuchen, wie sich Gedächtnissysteme pränatal und im frühkindlichen Leben in Abhängigkeit vom Schlaf entwickeln.

Simona Steeger-Przytulla