Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2013: Leute

Ein musischer Feingeist, ein Macher und Vermittler

Zum Tode von Professor Dr. Dieter Mecke ein Nachruf von Hansgeorg Probst

Am 28. Mai 2013 verstarb Professor Dr. Dieter Mecke in seinem 81. Lebensjahr. Er studierte bis 1959 in Freiburg Chemie und promovierte dort 1963 mit einem biochemischen Thema bei Professor Dr. Kurt Wallenfels. Nach einem Jahr in Berlin am Max Planck Institut bei Professor Dr. Fritz Kaudewitz kehrte er 1964 nach Freiburg, nunmehr ans Biochemische Institut der medizinischen Fakultät, zurück, wo er sich 1969 für das Fach Biochemie habilitierte. Von 1970 bis 1971 war er Dekan dieser Fakultät. 1973 wurde er zum Professor ernannt und folgte 1974 einem Ruf nach Tübingen an das Physiologischchemische Institut (heute "IFIB" = Interfakultäres Institut für Biochemie). Von 1980 bis zu seiner Emeritierung 2001 war er Direktor dieses Instituts. Von 1987 bis 1989 diente er der Universität Tübingen als Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie und von 1994 bis 1999 als Prorektor für Forschung.

 

Generationen von Tübinger Studenten der Biochemie, der Medizin, der Biologie etc. haben Mecke als begeisternden akademischen Lehrer und einfühlsamen Prüfer erlebt. Sein breit gefächertes Forschungsinteresse galt insbesondere der Regulation von Stoffwechsel und Zellvermehrung, der Enzymologie, der Differenzierung des Leberparenchyms sowie Molekularbiologischen und endokrinologischen Fragestellungen. Eine große Zahl vielbeachteter Publikationen belegt seinen Erfolg als Forscher. Er etablierte an seinem Lehrstuhl im Laufe der Zeit insgesamt acht selbständige Arbeitsgruppen, deren Leiter sich meist bald habilitieren konnten und anschließend oft schnell wegberufen wurden.

 

Als Prorektor der Universität und Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie initiierte, förderte und betreute Mecke unter anderem die Etablierung neuer interfakultärer Strukturen, die sich inzwischen als außerordentlich erfolgreich erwiesen haben. Die Rückführung seines eigenen Instituts in eine interfakultäre Einrichtung zwischen Naturwissenschaften und Medizin gelang, trotz intensivster Bemühungen seinerseits, durch widrige Umstände nicht vor seiner Emeritierung, konnte drei Jahre danach jedoch erfolgreich zu Ende gebracht werden. Den in Deutschland lange Zeit einzigartigen eigenständigen Tübinger Biochemie-Studiengang, begründet durch den vorherigen Leiter des Institus, Günter Weitzel, förderte Mecke intensiv und führte ihn zielsicher durch mannigfaltige Gefährdungen. Insgesamt 21 Jahre Amtszeit als, von den Professoren des Instituts gewählter, Institutsdirektor dokumentieren das große Vertrauen, das seine Kollegen in ihn als eine immer um Ausgleich bemühte und absolut integere Persönlichkeit hatten.

 

Eine seiner großen Leidenschaften galt jedoch der Musik. Passend zu seinem bescheidenen, unaufdringlichen Wesen spielte er von früher Jugend an ambitioniert und einfühlsam Cello. Seine hohe Musikalität und seine für einen Nicht-Berufsmusiker beeindruckenden technischen Fähigkeiten brachten ihm viele Bewunderer ein. Er wirkte sein ganzes aktives Berufsleben lang und auch danach immer in verschiedenartigen Ensembles mit, unter anderem im Tübinger Ärzteorchester. Er genoss es besonders, dass er nach der Emeritierung mehr Zeit für sein geliebtes Instrument hatte. Das Ärzteorchester umrahmte die Trauerfeier am 4. Juni in der Pfarrkirche Rottenburg-Oberndorf eindrucksvoll. Eine beeindruckend große Trauergemeinde, darunter viele aus seiner Tübinger Universität, begleitete seinen Sarg in einem weit über 100 Meter langen Zug von der Kirche zum Oberndorfer Friedhof.

 

Die Tübinger Universität und insbesondere die Tübinger Biochemie sind schmerzlich betroffen vom Tod Dieter Meckes und werden ihn immer in ehrender Erinnerung behalten.