Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2014: Studium und Lehre

Unser Kulturerbe besser verstehen

Teach@Tübingen-Gast: Der Germanist Gabriel Trop aus den USA

Gabriel Trop ist zu Gast mit dem Teach@Tübingen-Programm. Foto: Amanda Crain
Gabriel Trop ist zu Gast mit dem Teach@Tübingen-Programm. Foto: Amanda Crain

Im Jahr 2010 schrieb Gabriel Trop seine Doktorarbeit im Fach Germanistik an der University of California Berkeley und ging im selben Jahr als Assistant Profesor zur University of North Carolina, Chapel Hill. Seit Mai 2014 hält er Lehrveranstaltungen am Deutschen Seminar der Universität Tübingen. Möglich gemacht hat Trops Gastaufenthalt das Teach@Tübingen-Programm, das einen wichtigen Beitrag zum Austausch mit den Tübinger Partneruniversitäten leistet.

 

Gabriel Trop liebt besonders Hölderlin und Novalis, die für ihn – trotz ihrer gemeinsamen Ausgangspunkte – sehr unterschiedlich seien. „Hölderlin ist ein Dichter für Dichter“ so Trop. „Seine Werke sind sehr reich, enthalten sehr viel, sind schwer zu verstehen. Jedes Gedicht ist wie ein Puzzle. Hölderlin spricht Menschen an, die ihren Weg verloren haben, die von Zweifeln geplagt werden… Es ist eine sehr poetische Art zu denken und zu schreiben. Dazu haben wir heute die Verbindung verloren… Hölderlin will, dass die Realität einen Sinn macht; er will die Welt zusammenhalten.“ Ganz anders Novalis, der radikal sei und die Welt auseinandernehmen wolle – ein ganz anderer poetischer Ansatz.

 

Wie alle Teach@Tübingen-Gastwissenschaftler hält Trop seine Veranstaltungen auf Englisch. Die Befragung zeigte, dass die Studierenden die Gelegenheit, auf Englisch zu diskutieren, sehr schätzen. Trop hat imponiert, dass die deutschen Studierenden dafür offen sind. „Das ist etwas Besonderes und zeigt, dass Tübingen global denkt.“

 

Trop betont, dass die unterschiedlichen akademischen Traditionen in Deutschland und den USA ihre Vor- und Nachteile haben. „In Deutschland ist man methodologisch und konzeptuell sehr präzise… In Amerika ist man lockerer. Das heißt, man kann besser lateral denken, aber die Präzision kann dabei zu kurz kommen.“ Wichtig sei, dass man voneinander lernt.

 

Trop freut sich über die herzliche Aufnahme am Deutschen Seminar. „Ich habe ein eigenes Büro bekommen, wir sind auch auf Exkursion in den Schwarzwald gefahren.“ Aber das wichtigste seien die Verbindungen, die dadurch aufgebaut werden. „Die Leitung muss offen bleiben“ sagt er. „Den Austausch brauchen wir nicht nur zwischen Deutschland und den USA, sondern mit vielen Teilen der Welt. Das bereichert unser Verständnis von unserem Kulturerbe.“

 

Für den Amerikaner hat Tübingen eine besondere Aura. „Das sind die Straßen, die schon Hölderlin betrat; hier waren meine Helden.“ Es sei eine historische Verbindung zu dem, was kulturell so bedeutend ist. Bis zum Ende seines Aufenthalts im August wird Gabriel Trop das auskosten.

Amanda Crain