Uni-Tübingen

Tübinger Poetik-Dozentur

Tübinger Poetik-Dozentur 2026

Die 39. Tübinger Poetik-Dozentur findet von 16. bis 20. November 2026 statt. Wir freuen uns, dieses Jahr Nora Gomringer, Herbert Grönemeyer und Michael Lentz in Tübingen begrüßen zu dürfen. Kurzportraits unserer Gäste und weitere Termine und Informationen finden Sie unten. Weitere Informationen folgen in Kürze.

Die Termine im Überblick

Die Termine im Überblick

Lesung von Nora Gomringer, am Sonntag, 15. November, um 16 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall.

Veranstaltungen an der Universität Tübingen

jeweils 19 Uhr, Audimax/Festsaal (Geschwister-Scholl-Platz). Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist nicht notwendig. Einlass ab 18:30 Uhr.

  • Montag, 16. November: Grönemeyer - Ein Abend mit Michael Lentz und Herbert Grönemeyer
  • Dienstag, 17. November: Michael Lentz mit Gunnar Geisse: Present Perfect. Spoken Music
  • Mittwoch, 18. November: Nora Gomringer: Texte in natürlicher Umgebung und unter erschwerten Bedingungen
  • Donnerstag, 19. November: Nora Gomringer mit Band: Farben für Annette – Songs, Stories, Lieder & Lyrik von A. von Droste-Hülshoff (Nora Gomringer - Stimme und Gesang | Philipp Scholz - Schlagzeug | Philip Frischkorn - Klavier | Andris Meinig - Kontrabass)

Die Veranstaltungen können voraussichtlich auch dieses Jahr über einen Live-Stream verfolgt werden.

Kurzporträts

Nora Gomringer

Nora Gomringer wurde 1980 in Neunkirchen/Saar geboren. Sie studierte Amerikanistik, Germanistik und Kunstgeschichte in Bamberg, wo sie lebt und arbeitet – als eine der prominentesten und erfolgreichsten Lyrikerinnen und Performance-Poetinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Seit 2000 ist Gomringer als Schriftstellerin, Spoken-Word-Poetin, Publizistin, Kulturvermittlerin und Filmemacherin tätig und publizierte bislang neun Lyrikbände, zwei Essaysammlungen sowie zahlreiche Einzelveröffentlichungen, darunter neben Kurzgeschichten und Sprechtexten auch Texte für Radio, Fernsehen und Feuilleton, Opernlibretti und Theaterarbeiten wie das Theaterstück „OINKONOMY“. Ihr Debüt Gedichte erschien 2000, darauf folgten u. a. Monster Poems (2013), Moden (2017) und Gottesanbieterin (2020). „Mit Nora Gomringer ist eine sprachbesessene Poetin in die betuliche Welt deutschsprachiger Lyrik eingebrochen. Die Performancekünstlerin vereint eine mitreißende Vortragsweise mit intelligenten Wortneuschöpfungen zu einer neuen Dichtform, die Spaß macht“, so Manfred Gram (The Gap). Zuletzt erschien ihr erster Prosaband Am Meerschwein übt das Kind den Tod. Ein Nachrough (2025), ein Trauer- und Erinnerungsbuch über ihre verstorbene Mutter: „Ich schreibe ihr hinterher als vermissende Tochter, als wütende Frau, als verstummte Dichterin“, so Gomringer.

Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit ist Nora Gomringer auch musikalisch tätig – als Jazzsängerin veröffentlichte sie mit ihrem Duopartner Philipp Scholz die Jazzalben Peng Peng Peng (2017) und Peng PENG Parker (2019) – und widmet sich der künstlerischen Zusammenarbeit in Literatur, Bildender Kunst und Musik, bspw. mit der A-cappella-Formation Wortart Ensemble. 2001 bis 2006 gestaltete Gomringer die Poetry-Slam-Szene in Deutschland aktiv mit. Gastprofessuren und Stipendien führten sie nach Sheffield, Koblenz/Landau, Oberlin/Ohio, Kyoto, New York und Novosibirsk. Seit 2010 leitet sie das ‚Internationale Künstlerhaus Villa Concordia‘ in Bamberg. 

Gomringers Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter ins Englische, Französische, Spanische, Belarussische, Schwedische und Vietnamesische, und mit vielen Preisen geehrt, darunter der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache (2011), der Joachim-Ringelnatz-Preis (2012), der Ingeborg-Bachmann-Preis (2015) für den Prosatext „Recherche“, die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz für ihre Verdienste für die deutsche Sprache (2020), der Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis (2022) sowie zuletzt 2025 der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Ausgewählte Publikationen:
Am Meerschwein übt das Kind den Tod. Ein Nachrough. Roman. Voland & Quist 2025.
Gottesanbieterin. Gedichte. Voland & Quist 2020.
#poesie (herausgegeben mit Martin Beyer). Voland & Quist 2018.
Lautstärke ist weiblich. Texte von 50 Poetry-Slammerinnen. Satyr 2017.
Moden. Voland & Quist 2017.
Ich bin doch nicht hier, um Sie zu amüsieren. Voland & Quist 2015.
Monster Poems. Voland & Quist 2013.
Ich werde etwas mit der Sprache machen. Voland & Quist 2011.


Herbert Grönemeyer

Herbert Grönemeyer wurde 1956 in Göttingen geboren und wuchs in Bochum auf. Er studierte zeitweise Musikwissenschaft und Rechtswissenschaft und begann seine künstlerische Karriere als Schauspieler und Musiker: Seine künstlerischen Anfänge reichen zurück bis in die 1970er Jahre, in denen er zunächst als Theatermusiker, Sänger und Schauspieler am Bochumer Schauspielhaus tätig war. Dort wurde er musikalischer Leiter und spielte zahlreiche Theaterrollen. Nach weiteren Engagements u.a. am Staatstheater Stuttgart und Schauspielhaus Köln und als Schauspieler in Fernsehfilmen machte er sich durch seinen Auftritt in Wolfgang Petersens Verfilmung von Das Boot (1981) international einen Namen. Später folgten weitere Schauspielrollen, etwa 1985 in Berhard Sinkels Film Väter und Söhne.

Sein Debütalbum Grönemeyer erschien 1979, gefolgt von Zwo (1980), Total egal (1982) und Gemischte Gefühle (1983). Im Jahr 1984 gelang Grönemeyer mit seinem fünften Album 4630 Bochum, das meistverkaufte Album des Jahres und für 79 Wochen unter den Top 100 der Charts, der Durchbruch und er wurde einem Millionenpublikum mit Hits wie „Männer“, „Flugzeuge im Bauch“, „Bochum“ bekannt. Seitdem ist Grönemeyer einer der berühmtesten und erfolgreichsten Musiker Deutschlands – von 1984 bis 2018 platzieren sich alle seine Alben auf Platz 1 der deutschen Charts. Das elfte Studioalbum Mensch (2002), sein Comeback nach zwei Schicksalsschlägen 1998, wurde zu einem der meistverkauften Alben der deutschen Chartgeschichte und ist das kommerziell erfolgreichste Album eines Solokünstlers in der deutschen Musikgeschichte. Zuletzt erschien 2023 das Album Das ist los

Neben seinem musikalischen Schaffen ist Grönemeyer für sein politisches und soziales Engagement bekannt; er setzt sich für Menschenrechte, eine solidarische, bunte Gesellschaft, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen Polarisierung, Armut, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ein. Er unterstützt verschiedene gemeinnützige Organisationen, darunter den Afghanischen Frauenverein, die Kabul Luftbrücke, Fridays for Future, Ärzte ohne Grenzen und die Seebrücke. Herbert Grönemeyer wurde in seiner Karriere mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet; er erhielt vier Mal den Comet und elf Mal den Echo Pop sowie 2026 den Deutschen Nationalpreis. Mit Grönemeyer legte Michael Lentz 2024 die erste umfassende Gesamtdarstellung über den Künstler und sein Werk vor. Zu seinem 70. Geburtstag im April 2026 erschien u.a. die ARD-Dokumentation „Grönemeyer - Alles bleibt anders“ mit begleitendem Soundtrack. 

Ausgewählte Publikationen/Diskografie:
Mensch. Songtexte. Reclam 2026.
I Walk. Grönland 2012.
Herbert Grönemeyer erzählt Das Boot. Hörbuch. Bavaria Sonor 2010.
Was Muss Muss - Best Of. Grönland 2008.
Mensch. Grönland 2002.
4630 Bochum. EMI 1984.


Michael Lentz

Michael Lentz wurde 1964 in Düren geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Aachen und München und promovierte 1998 mit einer Arbeit über Lautpoesie und -musik nach 1945. Er lebt in Berlin und Leipzig.

Lentz ist Schriftsteller, Musiker, Vortragskünstler, Literaturwissenschaftler und Herausgeber. Er hat zahlreiche Romane, Gedichtbände, Hörspiele und Hörbücher (CDs), Theaterstücke und Essays sowie akustische Literatur und Musikstücke veröffentlicht. Zuletzt gab er die Neue Rundschau „Briefgedicht Klanggedicht Liedgedicht Metagedicht Gedichtgedicht“ heraus (Heft 4/2025. S. Fischer 2026).

Als Saxophonist spielt der „begnadete Sprachkünstler“ (Andreas Puff-Trojan, Südwestrundfunk) u. a. in den Trios Lentz Geisse Wertmüller und Lentz Pliakas Wertmüller. (Gunnar Geisse, Marino Pliakas, Michael Wertmüller).

2006 wurde Michael Lentz als Professor auf den Lehrstuhl für Literarisches Schreiben des Deutschen Literaturinstituts Leipzig berufen, den er bis heute innehat. Seit 2014 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Lentz erhielt zahlreiche Preise, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis (2001), den Preis der Literaturhäuser (2005), den Walter-Hasenclever-Literaturpreis (2012) sowie zuletzt den Bettina-Brentano-Preis für Gegenwartslyrik (2024). Er hatte Poetik-Dozenturen u. a. in Frankfurt, Kiel, Köln, Paderborn und Wien inne. 

Ausgewählte Publikationen:
Heimwärts. Roman. S. Fischer 2024.
Grönemeyer. S. Fischer 2024.
Chora. Gedichte. S. Fischer 2023.
Schattenfroh. Ein Requiem. Roman. S. Fischer 2018.
Atmen Ordnung Abgrund. Frankfurter Poetikvorlesungen. S. Fischer 2013.
Offene Unruh. Gedichte. S. Fischer 2010.
Pazifik Exil. Roman. S. Fischer 2007.
Muttersterben. Erzählungen. S. Fischer 2002.


Weitere Gäste

Gunnar Geisse (17.11.)

Gunnar Geisse, geboren 1962 in Gießen, ist Composer-Performer einer experimentellen, improvisierten und elektronischen Neuen Musik; er lebt in München. Al einer der "interessantesten und […] wichtigsten Experimentalmusiker” (Oliver Hochkeppel, SZ) Deutschlands entwickelte er ein komplexes Instrumentarium aus elektrischer Gitarre, elektronischer Klangerzeugung und digitaler Signalverarbeitung, das er Laptop Guitar nennt. Die Bedeutung seines Ansatzes wird von dem Musikphilosophen Harry Lehmann in seinem Buch „Musik und Wirklichkeit“ (Schott) diskutiert und theoretisch begleitet.

Geisse arbeitete mit nahezu allen namhaften Sinfonieorchestern Deutschlands sowie internationalen ImprovisatorInnen weltweit, darunter Eivind Aarset, Richard Barrett, Peter Brötzmann, Marc Ducret, Vinko Globokar, Barry Guy, Joëlle Léandre, George Lewis, Phil Minton, David Moss, Olga Neuwirth, Lauren Newton, Phill Niblock, Evan Parker, William Parker, Giancarlo Schiaffini, Elliott Sharp, Markus Stockhausen, Mike Svoboda, Gary Thomas, Wu Wei.

Seine Arbeit ist auf über 40 CDs und in 30 Hörspielen dokumentiert. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Musikförderpreis der Landeshauptstadt München. Zu seinen aktuellen Arbeiten zählen die IRCAM-Präsentation seines Stücks „rhythm changes“ an der NY University anlässlich des IRCAM Forums in New York, die elektronischen Transformationen von Bartók und Debussy mit den Münchner Philharmonikern sowie die bei NEOS erschienene Solo-CD Triptych.

Zum Porträt in der SZ vom 16. November 2020.


Nora Gomringer & Band: Farben für Annette (19.11.)

„Farben für Annette – Songs, Stories, Lieder & Lyrik von A. von Droste-Hülshoff“

Nora Gomringer und Philipp Scholz, Schlagzeuger und Improvisationsmusiker aus Leipzig, vertonen Texte der Weltliteratur, insbesondere auch der amerikanischen Dichterin und Satirikerin Dorothy Parker. Ihr Parker-Programm wurde von Pianist Philip Frischkorn begleitet. Für ihr Programm „Farben für Annette“ wurde das Duo Gomringer und Scholz mit Philip Frischkorn am Piano und Andris Meinig am Kontrabass zu einem Quartett erweitert. Die Musiker haben Jazz-Versionen der Original-Kompositionen Annette von Droste-Hülshoffs aus dem 19. Jahrhundert geschaffen, Ursprungsmaterial sind die im historischen Münsteraner Verlag Adolph Russel erschienenen Liedfassungen der Annette von Droste-Hülshoff. Die Textfassung stammt von Nora Gomringer, die Originaltexte von Annette von Droste-Hülshoff. Das Programm wird gefördert durch die Annette von Droste-Hülshoff-Stiftung.

Nora Gomringer | Stimme und Gesang
Philip Frischkorn | Piano
Andris Meinig | Kontrabass
Philipp Scholz | Schlagzeug

Philipp Scholz (geboren 1990 in Dresden) studierte Jazzschlagzeug und Komposition in Leipzig. Neben dem Projekt mit Nora Gomringer spielt er in diversen weiteren Bands und wurde für sein Schaffen mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 

Philipp Frischkorn (geboren 1989 in München) ist Jazzmusiker. Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig und war schon zu seiner Studienzeit als freier Musiker aktiv. Heute spielt er in verschiedenen Bands Piano und ist für Komposition verantwortlich. 

Andris Meinig (geboren 1988 in Hamburg) studierte Jazzkontrabass in Amsterdam und Leipzig. Als Kontrabassist und Komponist ist spielt er heute in zahlreichen Ensembles. 

Das Programm des Projekts "Farben für Annette" wird gefördert von


Über die Tübinger Poetik-Dozentur

Tübinger Poetik-Dozentur

Die Tübinger Poetik-Dozentur versteht sich als Forum der kulturellen Begegnung. Studierende, Dozenten und Dozentinnen, Universitätsangehörige, eine breite Öffentlichkeit aus Tübingen und Umgebung haben hier die Gelegenheit, herausragende Autoren- und Autorinnenpersönlichkeiten aus dem In- und Ausland unmittelbar kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie initiiert und intensiviert damit immer wieder den inneruniversitären Dialog über die Fächergrenzen hinweg und lädt zudem zum kulturellen Austausch zwischen Universität und Stadt, Universität und Region ein.

Gerade die Verbindung von Literatur und Philosophie, Wissenschaft und öffentlicher Debatte soll in dieser Veranstaltungsreihe thematisiert und gestärkt werden. Es geht in den Vorlesungen und Workshops der verschiedenen Dozentinnen und Dozenten um zentrale Fragen der Kunst, Kultur, Politik und Philosophie, die sowohl ein Fachpublikum beschäftigen als auch eine interessierte Öffentlichkeit erreichen. Dass dies kein Widerspruch ist, beweist der Erfolg der Tübinger Poetik-Dozentur. Sie bietet eine spezifische Form des in Deutschland oft vermissten intellektuellen Diskurses an, der Literatur, Wissenschaft und Öffentlichkeit verknüpft.

Förderung und Organisation

Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth und wird von der Adolf Würth GmbH & Co. KG gefördert. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet, seit 2005 von Frau Prof. Dr. Dorothee Kimmich. Einmal im Jahr – in der Regel im November – werden zwei Autoren oder Autorinnen eingeladen, die Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für die Studierenden der Universität anbieten. In den letzten Jahren waren u.a. Eva Menasse, Thomas Hettche, Karl Ove Knausgård, Judith Schalansky, Siri Hustvedt, Clemens Setz, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimoğlu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Susan Sontag, Amos Oz, Herta Müller und Günter Grass zu Gast.

Die Poetik-Dozentur steht allen Interessierten offen und versteht sich als Forum der kulturellen Begegnung zwischen Autoren und Autorinnen, Studierenden, Lehrenden und einer breiten Öffentlichkeit in Tübingen und Umgebung.

Kontakt zur Tübinger Poetik-Dozentur